Timo Boll gewinnt zum fünften Mal das Europa-Top 12-Turnier

Die Niederländerin Li Jiao siegte bei den Damen
Timo Boll jagt Tischtennis-Ikone Jan-Ove Waldner. Der deutsche Ausnahmekönner gewann beim Heimspiel in Düsseldorf zum fünften Mal das Europa-Top 12-Turnier und verkürzte den Rückstand auf den siebenmaligen Rekordsieger aus Schweden.
Boll wechselt im Ballwechsel Schlaghand
In einem packenden Finale mit artistischen Einlagen wiederholte Boll mit 4:2 gegen Weltcupsieger Wladimir Samsonow aus Weißrussland den Erfolg aus dem Vorjahr an gleicher Stelle. Bei den Damen siegte in Li Jiao (Niederlande) zum zwölften Mal seit 1994 eine gebürtige Chinesin. Europameisterin Jiaduo Wu (Kroppach) enttäuschte und flog mit zwei Niederlagen bereits in der Vorrunde raus.
"Ich bin sehr zufrieden. Ich habe abgerufen, was nötig war und konnte einige Sachen umsetzen, die ich im Training probiert habe. Bei 100 Prozent bin ich aber noch nicht", sagte Boll, der sich bei den 3.000 Fans im Burg-Wächter-Castello für die lautstarke Rückendeckung bedankte. Sie war im Endspiel nötig, denn der 28-Jährige lag bereits 1:2 nach Sätzen und 1:7 im vierten Durchgang zurück, ehe er mit Kampfgeist und Fabelschlägen das Match drehte. "Da musste ich die Flucht nach vorne antreten", sagte der zehnfache Europameister, der während eines Ballwechsel seinen Schläger von der linken Schlaghand in die rechte Hand wechselte.
Die anderen deutschen Herren enttäuschen
Die Freude über Bolls Triumph, der auf dem Weg ins Endspiel in Bastian Steger und Christian Süß zwei Nationalmannschafts-Kollegen aus dem Rennen warf, wurde durch das frühe Aus der anderen sechs deutschen Teilnehmer etwas getrübt. Keiner schaffte bei dem 70.000 Euro-Turnier den Sprung unter die besten Vier. "Wir waren mit vier Herren im Viertelfinale, das ist gut. Das Abschneiden dort war aber enttäuschend", gab DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig zu. Hoffnungsträger Dimitrij Ovtcharov startete vielversprechend mit zwei Siegen. Die 0:4-Pleite gegen den Defensivkünstler Chen Weixing (Österreich) war aber eine bittere Pille für den 21-jährigen Ex- Düsseldorfer, der jetzt in Belgien für Charleroi spielt.
"Unsere jungen Leute sind auf dem Sprung, setzen sich aber zu Hause unter großen Erfolgsdruck", analysierte Schimmelpfennig. Hart ins Gericht ging Damen-Bundestrainer Jörg Bitzigeio mit der formschwachen Europameisterin Wu. "Sie hat aus den verschiedensten Gründen nach dem EM-Sieg noch keine lange Trainingsphase absolviert. Das muss sich wieder ändern, und das weiß sie auch selbst", sagte Bitzigeio. Er strich die 32-Jährige für die kommenden Turniere in Katar und Kuwait. Die deutsche Meisterin Elke Schall (Holsterhausen) erreichte nach langer Verletzungspause zumindest das Viertelfinale.