Sara Goller ist Deutschlands beste Beachvolleyballerin. Am Wochenende kann sie mit Partnerin Laura Ludwig die vierte Deutsche Meisterschaft in Folge gewinnen. Kurz vor der Abreise nach Timmendorf sprach sportal.de mit der 25-Jährigen über die DM, Olympia, ihr "Treffen" mit Roger Federer und das Leben auf der Welt-Tour.
Sara, seid Ihr trotz der Verletzung von Laura Favorit in Timmendorf? "Ich denke schon. Jeder geht davon aus, dass wir nur spielen, wenn wir fit sind. Dann sind wir natürlich Favorit. Aber wir wissen, dass jedes Jahr die Gegner heißer darauf werden, uns zu schlagen. Ich freue mich einfach wieder in Timmendorf zu spielen, da wir ja so selten in Deutschland sind."
Ist die nationale Konkurrenz, wie Katrin Holtwick/Ilka Semmler, auf Augenhöhe? "Was Katrin und Ilka angeht auf jeden Fall. Woran es liegt, dass wir im Moment stärker sind, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die sind technisch super stark und wir nehmen die sehr ernst. Es wird ein hartes Stück Arbeit."
In der Weltrangliste steht Ihr aktuell auf Rang vier. Ist eine Verbesserung langfristig möglich? "Das ist ein ambitioniertes Ziel. Wenn wir am Ende der Saison noch unter den Top 5 sind, wäre das ein super Ergebniss. Es ist grundsätzlich unser Ziel, die Brasilianerinnen und Amerikanerinnen zu schlagen. Wir gewinnen Sätze und Spiele gegen die, aber uns fehlt noch die Konstanz."
Hilft euer neuer Trainer Craig Seuseu dabei, dieses Ziel schneller zu erreichen? "Klar. Er hat uns bereits diese Saison mit ganz neuen Aspekten weiter gebracht und weiß auch genau woran wir noch arbeiten müssen. Er hat das im Blick und bringt uns somit sehr viel."
Wie ist bei der besonderen Konkurrenz-Situation der Umgang mit anderen Teams? "Mit Manchen kommt man besser klar, mit anderen weniger gut. Man unternimmt mit Einigen einfach mehr, aber es gibt kein Team, das wir nicht mögen. Das Tourleben ist halt auch zum großen Teil unser Privatleben, da wir sehr selten zu Hause sind."
Diese Saison konntet Ihr nur Turniere in Deutschland und Österreich gewinnen. Macht das einen Unterschied, wo Ihr ein Turnier spielt? "Wir haben ja leider noch überhaupt kein Turnier auf der World-Tour gewonnen. Ob das jetzt in Deutschland oder woanders ist, wird zur Nebensache. Da sind andere Faktoren, wie die Tiefe des Sands wichtiger. Wir trainieren in Hamburg im gefühlt tiefsten und anstrengendsten Sand der Welt."
Welche Rolle spielt dann die Partnerin? Seid Ihr beste Freundinnen oder eher Arbeitskollegen? "Wir haben ein gewissen Arbeitsverhältnis. Jeder hat seine Aufgaben zu erledigen. Aber Laura und ich verstehen uns sehr gut. Es ist wichtig, dass wir eine gemeinsame Basis haben. Bei ganz vielen Teams kommt es eben vor, dass das Sportliche leidet, weil sie sich persönlich nicht mehr ab können. Es ist einer Ehe schon sehr ähnlich."
Auch noch in fünf oder zehn Jahren? "Das hängt weniger von Laura als von mir ab. Wir planen erstmal bis London 2012 und danach wird Bilanz gezogen und ich werden mich entscheiden. Es ist nichts ausgeschlossen, aber ewig will ich natürlich auch nicht spielen."
Stimmst Du Deiner Partnerin zu, dass der zwischenzeitliche Platz eins auf der Tour für die Entbehrungen der letzten Jahre entschädigen konnte? "Das war einfach eine Momentaufnahme. Die Leistung die wir bringen und die Medaillen die wir dieses Jahr gewonnen haben, dass ist der Ausdruck unserer harten Arbeit. Jeder denkt, dass Tourleben ist toll, man reist um die Welt und sieht so viele Orte. Das stimmt schon, aber wir zahlen dafür auch einen hohen Preis."
Konnte die Olympiateilnahme wenigstens etwas zurückzahlen? "Im Nachhinein kann ich das mehr wertschätzen und falls wir es nach London schaffen, werde ich anders damit umgehen. Es war eine super Erfahrung, aber letztendlich auch ein enttäuschendes Turnier für uns."
Welche Erinnerungen an Peking bleiben? "Besonders den Rummel um Stars im Olympischen Dorf. Roger Federer wurde zum Beispiel nicht einmal in der Mensa allein gelassen. Soweit ich weiß ist er dann sogar ins Hotel gezogen. Trotzdem hätte ich mir gerne ein Autogramm geben lassen. Roger ist ein überragenden Sportler."
Olympia war ein Highlight - wie kann man sich hingegen ein normales Tourwochenende vorstellen? "Das ist unterschiedlich. In Asien ist der Jetlag besonders fies, da reisen wir auch mal fünf Tage vorher an. Dann wird zweimal täglich trainiert - am Ball, aber auch Athletik- und Konditionstraining. Bei Turnieren in Europa reisen wir nur einen Tag im Voraus an und trainieren kurz vor Turnierstart. In Südamerika sind wir meistens drei Tage früher am Spielort."
Bleibt dabei noch Zeit, die Städte zu erkunden? "Es ist sicher nicht so, wie man es sich vorstellt. Wenn am nächsten Tag Spiel ist, bleibt man im Hotel. Nur nach dem Turnier macht man hin und wieder was mit anderen Spielern. Es geht einfach Schlag auf Schlag, von Turnier zu Turnier und gibt es sicher keine tollen Beachpartys am Abend. Man macht schon mal was, aber besaufen uns sicherlich nicht."
Hat sich das in den letzten Jahren verändert? "Früher wurde schon mehr gefeiert. Inzwischen ist es professioneller geworden. Es gibt mit Sicherheit auch Teams, die mehr feiern als wir. Duos, die erst spät in die Saison starten, haben es einfach sehr schwer, weil sich viele super professionell vorbereiten. Wenn man da etwas auslässt, bekommt man Probleme."
Bleibt in dieser Situation noch Zeit für eine Beziehung? "Ja. Wir haben beide verständnisvolle Freunde, die uns unterstützen. Beides sind erfolgreiche Fußballer und wissen daher, mit dieser besonderen Situation umzugehen."
Deine Ersatz-Beziehung, Laura, wurde zur Beachvolleyballerin des Jahres gewählt. Bist Du nach deinen Titeln 2007 und 2008 etwas enttäuscht? (lacht) "Solange der Titel bei uns im Team bleibt, ist das in Ordnung. Ich bin eigentlich ganz froh darüber, weil wir alles gemeinsam erreicht haben. Laura hätte auch letzte Saison den Titel bereits verdient gehabt."