Sven Schmid gewinnt überraschend Gold

Sven Schmid schreit seine Freude heraus
Mit einem Schrei setzte Degen-Fechter Sven Schmid den goldenen Titel-Treffer, sprinte über die Planche und ließ seinen Gefühlen freien Lauf. "Endlich, endlich. Das ist das, was ich immer wollte, eine Einzelmedaille, einen Titel. Die Arbeit hat sich gelohnt", kommentierte der Routinier seinen Coup bei der EM.
Deutschlands Fechter feiern im bulgarischen Plovdiv einen enormen nacholympischen Aufschwung. Der Tauberbischofsheimer Degen-Spezialist Schmid schraubte die Anzahl deutscher Medaillen zum Abschluss der Individualwettbewerbe mit dem Überraschungs-Gold durch das 15:7 gegen den Franzosen Ulrich Robeiri auf fünf.
"Es ist einfach schön, wenn du in der Halle bist und zu den Erfolgreichen gehörst", bilanzierte Sportdirektor Manfred Kaspar nach den Titelgewinnen von Schmid und Olympiasiegerin Britta Heidemann mit dem Degen, Silber von Katja Wächter sowie Bronze von Andre Weßels mit dem Florett und Rang drei von Säbelfechter Björn Hübner.
Schmid wachsen FlügelAm Tag nach dem Heidemann-Triple mit der tollen Serie WM-, Olympia- und EM-Gold wurde Schmid, vor dem EM-Championat in Bulgarien an Position vier der Weltrangliste geführt, seiner Rolle als Mitfavorit gerecht. Bis zum Viertelfinale stürmte er gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Jörg Fiedler über die Planchen, dann trennten sich die Wege der beiden 31-Jährigen. Der nationale Titelträger Fiedler vergab mit dem 9:15 gegen Robeiri Edelmetall, Schmid versetzte dem Ukrainer Bogdan Nikishin beim 8:7 in der Verlängerung den Sudden Death, hatte Bronze sicher und bekam plötzlich Flügel.
"Sven hat das Finale drauf", hatte Degen-Bundestrainer Didier Ollagnon vorhergesagt - und Schmid hielt sich dran. 15:14 setzte er sich in der Vorschlussrunde gegen den weltweit an Position eins geführten Gauthier Grumier (Frankreich) durch, Schmids größter internationaler Erfolg war schon damit perfekt. Doch er wollte mehr, und es wurde mehr: Unaufhaltsam machte er im Gold-Gefecht Punkt für Punkt und ließ dem fünf Jahre jüngeren Franzosen Robeiri keine Chance.
Gute Zwischenbilanz"Der Trend ist ins Laufen gekommen", sagte Kaspar vor den ersten Mannschafts-Entscheidungen zum Abschneiden der Einzelstarter. Sechs Waffen, fünfmal Edelmetall - Kaspars Vorgabe "drei plus x" war vorzeitig erfüllt. 2008 in Kiew waren es lediglich zweimal Silber und zweimal Bronze. "Es werden aber auch wieder Veranstaltungen kommen, wo man mich fragen wird, wie das nur passieren konnte", warnte Kaspar schon jetzt vor allzu großen Zukunftserwartungen.
Denn es gab auch Nackenschläge wie etwa das frühe Aus von Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink. Am Donnerstag scheiterten sechs von acht Deutschen vorzeitig, unter ihnen auch Martin Schmitt als EM-Zweiter von Kiew. "Das ist für mich eine Enttäuschung", sagte Ollagnon.