
Ronnie O'Sullivan will den Pott erneut stemmen
Die Weltelite schickt sich an, den Thron im Crucible Theatre zu Sheffield zu besteigen. Kaum ein Titelträger konnte seinen Erfolg im kommenden Jahr verteidigen, 2009 versucht sich Ronnie O'Sullivan an diesem Unterfangen. sportal.de hat sich die Favoriten angesehen und wagt eine erste Prognose.
Ronnie O'Sullivan - The Rocket
In der ersten Runde bekommt es Ronnie O'Sullivan mit seinem Trainingspartner Stuart Bingham zu tun, der sich sicherlich eine leichtere Aufgabe zu Beginn gewünscht hatte. Doch chancenlos sieht er sich nicht: "Es ist sicherlich eine schwierige Aufgabe. Aber wahrscheinlich ist die erste Runde ein besserer Zeitpunkt, als später im Turnier. Auf jeden Fall wird es eins der Highlight meiner Karriere", so Bingham. Im Jahr 2000 hatte er Stephen Hendry in der ersten Runde besiegt und hofft nun auf eine Fortsetzung.
Doch O'Sullivan ist stabiler geworden. Beim Masters zeigte er eine hervorragende Leistung und bestach nicht - wie gewohnt - durch schnelles Spiel und unheimliche Lochsicherheit. Er kämpfte Mark Selby nieder und behielt auch in langen Frames, die von Sicherheitsspiel gekennzeichnet waren, die Ruhe. Allerdings hat er eine Serie zu knacken, denn seit 1996 hat es kein Spieler mehr geschafft, seinen Titel zu verteidigen.
Für den Mann, der seine linke Hand während eines BBC-Interviews als Geliebte bezeichnet - "Ich war damals 17, und spielte mit rechts nicht so gut, wie ich das von mir erwartet habe und da habe ich beschlossen die linke Hand zu trainieren. Viele Männer haben eine Frau und eine Geliebte und mir hilft die linke Hand durch schlimme Zeiten, wenn ich mich nicht wohl fühle. Ich kann ja nicht so tun, als ob sie nicht da wäre und sie verstoßen" - geht es nun also darum, mit dem Druck umzugehen.
Auf der anderen Seite ist er ein Instinktspieler, der sich nicht am Druck orientiert und an guten Tagen einfach unbesiegbar ist: "Mein Spiel basiert einfach auf Instinkt und Reaktion. Ich bin nicht so wie Davis, Hendry oder Higgins. Sie gehen sehr methodisch vor und spielen diszipliniert, fast eine deutsche Spielweise", so der amtierende Weltmeister. Wenn er Lust hat, führt an ihm kein Weg vorbei.
John Higgins - The Wizard of Wishaw
Die ehemalige Nummer eins aus Schottland wurde jüngst von O'Sullivan zu einem Titelanwärter gekrönt - zum einzigen neben ihm. Denn der zweimalige WM-Sieger habe ebenfalls einen Gang, in den er bei Bedarf hochschalten könne. "Das unterscheidet ihn eben als ehemalige Nummer eins von der Nummer acht der Welt", so O'Sullivan.
2007 konnte Higgins den Thron zuletzt besteigen, nachdem er im Finale gegen den damaligen Qualifikanten Mark Selby gewonnen hatte. Im Halbfinale zuvor wurde ihm die Ehre zuteil, das 1000. Century Break im Crucible gespielt zu haben. In dieser Saison gewann der Schotte den Grand Prix und stand bei den China Open im Finale.
Im Gegensatz zu O'Sullivan ist Higgins ein ruhiger Spieler, der versucht, seinen Spielplan und sein Breakbuilding methodisch durchzuziehen. Er lässt sich in keiner Weise aus der Ruhe bringen und gehört sicherlich zu den großen Favoriten auf den Titel. Dazu hat er mit Michael Holt einen Gegner in Runde eins, den er sicherlich schlagen muss. Mit dem Wizard of Wishaw ist immer zu rechnen und viele Fans wünschen sich sicherlich ein Finale: O'Sullivan - Higgins.
Stephen Maguire - Merlin of Milton
Er ist der Mann ohne Fliege, die ihm aufgrund eines ärztlichen Attests erspart bleibt. Dazu ist Maguire eine absolute Wundertüte und die aktuelle Nummer zwei der Weltrangliste. Der Schotte konnte bislang noch keine WM-Trophäe mit nach Hause nehmen, was daran liegt, dass er nicht konstant genug spielt. Mal fertigt er seine Gegner ab, um dann in der nächsten Runde an sich selbst zu verzweifeln.
An einem guten Tag ist er nicht zu stoppen und zeigt ein Snookerspiel vom anderen Stern. Doch dann ist die Sicherheit und Lockerheit auf einmal dahin und Maguire verliert ein Spiel, dass er normalerweise gewinnen muss oder kann. Bei der WM wird es wohl auch in diesem Jahr nicht zum Sieg reichen, doch das Halbfinale kann er sicherlich erreichen, zumal er in der ersten Runde auf Jamie Burnett trifft und in der zweiten Runde wahrscheinlich Mark King auf ihn warten wird.
Mark Selby - The Jester from Leicester
Mit seinen 26 Jahren gehört er noch eher zu den jungen Wilden im Snooker-Zirkus, hat sich aber bereit einen Namen gemacht. Nicht zuletzt, als er 2007 das Finale der Snooker Weltmeisterschaft erreichte und nach einem 4:12-Rückstand gegen John Higgins mit einem 6:0-Run noch für einen spannenden Abend sorgte. Zuvor war er als ungesetzter Spieler bis ins Finale durchmarschiert, vor ihm gelang dieses Kunststück nur Terry Griffiths (1979) und Shaun Murphy (2005).
Zwei Turniere auf der Maintour konnte Selby für sich entscheiden. Zum einen das Masters im Jahr 2008, hier schlug er Stephen Lee mit 10:3. Zum anderen gewann er mit den Welch Open sein erstes Ranglistenturnier am 17. Februar 2008. Sein Gegner im Finale hieß Ronnie O'Sullivan, der sich knapp mit 8:9 geschlagen geben musste. Selby schaffte den Sprung auf Platz vier der Weltrangliste, doch bei der WM 2008 scheiterte er in der ersten Runde an Mark King, damit war der Höhenflug vorerst gestoppt.
Beeindruckend ist seine Nervenstärke, die ihn auch in aussichtsloser Position nicht aufgeben lässt. Gepaart mit einem unwiderstehlichen Safety-Spiel und gutem Breakbuilding hat er sich den Respekt seiner Gegner erarbeitet und nach dem Fauxpas im letzten Jahr gehört er 2009 sicherlich zum erweiterten Kreis der Favoriten.
"Der Sprung ins Finale der WM hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Dazu habe ich nun ein Major-Turnier gewonnen und das hat mir gezeigt, dass ich noch viel mehr gewinnen kann", so Mark Selby.
Ali Carter - The Captain
Der Mann mit der Fluglizenz stand schon im letzten Jahr im Finale, hatte dort aber keinerlei Chancen gegen Ronnie O'Sullivan. Zuvor hatte er ein beeindruckendes Turnier gespielt und massenweise hochklassige Gegner geschlagen- darunter auch Shaun Murphy mit 13:4. In dieser Saison stand er bei der Northern Ireland Trophy, der UK Championship und beim Grand Prix im Halbfinale und gewann die Welch Open.
Damit spielt der Captain eine sehr ordentliche Saison und könnte sich durchaus Hoffnungen machen, nach seiner letztjährigen Finalniederlage erneut um die Krone spielen zu können. Während er in seinem ersten Finale im Crucible noch teilweise nervös und wenig abgeklärt agierte, hat er nun die Erfahrung und kennt den Druck des speziellen Finales zu Sheffield, das mit keinem anderen Turnier vergleichbar ist.
Das Talent und das Spiel hat Carter sicherlich und O'Sullivan ist kein Gegner, den man unbedingt schlagen muss. Trifft er im Finale nicht auf ihn, ist für Carter alles möglich. "Natürlich war ich enttäuscht, nachdem ich im Finale wirklich nicht gut gespielt habe. Ich war leider ziemlich ausgelaugt", erklärte Carter nach dem Finale 2008.
Prognose
Für sportal.de ist und bleibt Ronnie O'Sullivan der Favorit auf den Titel. Zwar steht er als amtierender Weltmeister unter besonderem Druck, doch in dieser Saison hat er ebenfalls bewiesen, dass er nicht mehr unbedingt von Launen abhängig ist und auch mit Situationen klarkommt, in denen er kämpfen muss. Spannend wird es, wenn er auf Peter Ebdon treffen sollte, der mit seinen extrem langsamen Spiel schon einmal für Verwirrung sorgt und dies auch gerne als Stilmittel ausnutzt.
Doch die Konkurrenz ist natürlich groß und die vergangenen Weltmeisterschaften haben gezeigt, dass auch ein Favorit in der ersten Runde stürzen kann. In knapp drei Wochen wissen wir, wer sich die Krone aufsetzen darf. Läuft es normal, wird O´Sullivan sicherlich ein gewichtiges Wort um die Vergabe des Titels mitsprechen. Zumal er den Titel seinem Vater widmen will, der seit 17 Jahren inhaftiert ist:
"Ich will den Titel für meinen Vater gewinnen. Ich spiele zwar nicht so gut wie im letzten Jahr, aber ich habe ein Ziel und bis April kann sich noch einiges tun. Mein Vater ist zwar nicht in Sheffield, aber er wird im TV zusehen und hoffen, dass ich den Titel holen. Und das wäre doch großartig."
Gunnar Beuth
Die Übersicht der ersten Runde:
Ronnie O´Sulivan - Stuart Bingham
Mark Allen - Martin Gould
Peter Ebdon - Nigel Bond
Stephen Lee - Ryan Day
John Higgins - Michael Holt
Joe Perry - Jamie Cope
Graeme Dott - Barry Hawkins
Mark Selby - Ricky Walden
Shaun Murphy - Andrew Higginson
Joe Swail - Marco Fu
Liang Wenbo - Ding Junhui
Mark Williams - Stephen Hendry
Ali Carter - Gerard Greene
Steve Davis - Neil Robertson
Mark King - Rory McLeod
Stephen Maguire - Jamie Burnett