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Das sind die Sprinter des Frühjahrs
Das sind die Sprinter des Frühjahrs
So war es 2009: Mark Cavendish (r.) knapp vor Heinrich Haussler

Wissen Sie, was auf Italienisch "Frühling" heißt? Nein? Dann sind Sie wohl kein Radsportfan. Denn "la primavera" ist der erste Frühjahrsklassiker, und zugleich das längste und vielleicht schönste Rennen im Radsport. sportal.de macht Frühjahrsputz und entstaubt seine Radsportkartei, um Ihnen die Favoriten beim 101.  Mailand - San Remo vorzustellen.

Mit 298 Kilometern ist die Classicissima des Frühlings schon gleich zu Saisonbeginn das längste Rennen des ganzen Jahres, und man braucht schon einiges an Kondition, um nach sechs bis sieben Stunden noch die ebenso giftigen wie legendären Anstiege an der ligurischen Küste zu bewältigen. Freunde des Radsports können ihre Namen auswendig: Capo Mele, Capo Cervo, Capo Berta, Cipressa, Poggio...

Obwohl dieses Profil, das vor allem ab Kilometer 245 noch viele kleine Steigungen bereit hält, sehr selektiv ist, gewinnen in letzter Zeit fast immer Sprinter die Primavera. Nur zweimal gab es in diesem Jahrhundert keinen Massensprint auf der Via Roma. 2003 gewann Paolo Bettini nach einem Angriff am Poggio, und 2008 siegte Fabian Cancellara, das allerdings nicht auf der Via Roma, die traditionell die Zielgerade verkörpert, sondern wegen Bauarbeiten auf dem Lungomare Italo Calvino.

Cavendish: 2009 unschlagbar, 2010 mit Zahnspange

Interessant am Profil des Rennens ist meistens aber nicht, dass es Sprintersiege verhindert, sondern dass es die Teamarbeit in der Schlussphase des Rennens wegen der engen Serpentinenstraßen, die bei hohem Tempo gefahren werden, nahezu verunmöglicht. So kommt es zu einem Kampf der einzelnen Fahrer und nicht zu Zügen, die ihre Sprinter im Windschatten in Position bringen können.

Im Vorjahr versuchte es der deutsche Cervélo-Profi Heinrich Haussler und attackierte 250 Meter vor dem Ziel aus einem Sprinterfeld heraus, aber Mark Cavendish fing ihn kurz vor dem Finish noch ab und legte den Grundstein für sein grandioses Jahr 2009, in dem er 26 Profi-Siege feierte. Unter normalen Umständen müsste der Mann von der Insel Man als haushoher Favorit gelten, doch in diesem Frühjahr fehlt Cavendish noch der rechte Biss. Da er an einem Zahnproblem laboriert, das ihn zum Tragen einer Zahnspange zwingt, hat er noch nicht seine beste Form gefunden.

Auf der Schlussetappe des Tirreno-Adriatico, einer traditionellen Generalprobe für Mailand - San Remo, stürzte der Brite und konnte nicht in den Schlusssprint eingreifen, in dem sein Teamkollege Bernhard Eisel Vierter wurde. Cavendish selbst sieht sich nicht als Sieganwärter in San Remo, wie er nach dem Tirreno sagte: "Ich kann nicht genug abrufen", so der sonst gar nicht bescheidene Brite.

Der Sprinter, der aus der Kälte kam

Cavendishs Intimfeind Filippo Pozzato, der vom Columbia-Fahrer schon des Öfteren böse verunglimpft wurde, darf sich anders als sein Rivale durchaus Siegchancen ausrechnen. Sein Katusha-Rennstall setzt alles auf den Italiener, was auch Teamkollege Robbie McEwen anerkennen musste, der bei der Primavera in diesem Jahr gar nicht am Start ist. "Not riding San Remo, team putting everything on Pippo Pozzato" ließ der Australier kühl über seine Twitterseite wissen.

Pozzato weiß, wie man auf der Via Roma gewinnt. 2006 siegte er, 2008 wurde er Zweiter hinter Cancellara. In seinem Team hat er Mikhail Ignatiev, beim Tirreno gerade Etappensieger in Macerata, und Kim Kirchen als Unterstützung. Ein weitrer Italiener, den man beachten muss, ist natürlich Alessandro Petacchi. Der Ale-Jet wurde auf der Schlussetappe des Tirreno am Dienstag nur knapp geschlagen. Seine Form stimmt, und auch die Kollision mit einem Blumenkübel im Training der letzten Woche konnte ihr nichts anhaben. Lampre hat Petacchi ein starkes Team zusammengestellt, in dem Damiano Cunego, Mirco Lorenzetto und Manuele Mori verschiedene Qualitäten für ihren Teamleader zum Tragen bringen können.

Geschlagen wurde Petacchi in San Benedetto del Tronto, dem Zielort des Rennens zwischen den Meeren, nur von Edvald Boasson Hagen, dem Norweger, der für den neuen britischen Sky-Rennstall fährt. Boasson Hagen gilt der Zeitung Gazzetta dello Sport, die Mailand-San Remo veranstaltet, als Geheimfavorit auf den Sieg bei der Classicissima. Boasson Hagen ist erst 22 Jahre alt, aber neben seinen Sprintqualitäten auch ein exzellenter Zeitfahrer, was ihm verschiedene Optionen im Finale von San Remo eröffnet. Zudem hat der neue Sky-Rennstall mit Juan Antonio Flecha und Thomas Lövkvist zwei gute Helfer für Hagen am Start.

Kann Óscar den Hattrick auf der Via Roma schaffen?

12 Jahre älter als Boasson Hagen, aber nie außer Acht zu lassen ist der dreifache Weltmeister und zweifache Primavera-Sieger Óscar Freire. In seinem Rabobank-Team bekommt der Spanier, der einen seiner beiden Siege auf der Via Roma der Tatsache verdankt, dass Erik Zabel zu früh jubelte, Unterstützung vom niederländischen Shooting Star Lars Boom, der amtierender Querfeldeinweltmeister ist und gerade den Prolog von Paris - Nizza gewinnen konnte.

Interessant wird die Aufgabenverteilung im Team Acqua e Sapone, das wahrscheinlich vom Tirreno-Sieger Stefano Garzelli angeführt wird. Der ist zwar ein echter Allrounder, kann aber auch gut sprinten. Ob das aber gegen die Crème de la crème wie Petacchi, Pozzato und Bennati gelingt? Da könnte eher die Stunde seines Teamkollegen Luca Paolini schlagen, der in seiner langen Karriere neben einem Etappensieg bei der Vuelta und dritten Plätzen bei Mailand - San Remo 2006 und der Flandernrundfahrt 2007 nicht viel gewonnen hat. Aber eine Außenseiterchance billigen wir ihm zu.

Petacchi selbst hat Daniele Bennati zum Topfavoriten des Tages erklärt. Das ist sicher auch als psychologische Kriegsführung zu betrachten. Doch Bennati, der einst beim großen Mario Cipollini lernte, zählt gewiss zu den großen Sprintern der letzten Jahre. Hätten nicht mehrere Verletzungen an Knie und Achillessehne ihm immer wieder zu schaffen gemacht, wäre sein Status vielleicht schon größer. Aber 2010 ist mit ihm zu rechnen, wie sein Etappensieg beim Tirreno am vergangenen Freitag demonstrierte.

Als letzter der großen Sprinternamen des abgelaufenen Jahrzehnts ist noch Tom Boonen zu nennen. 41 Prozent der Leser der belgischen Zeitung Het Nieuwsblad sind der Meinung, dass er sich seinen ersten Sieg in San Remo holt. Da mag die Hoffnung unserer Nachbarn eine gewisse Rolle spielen - ist doch ein Klassiker, der insgesamt schon 18 belgische Sieger hatte (allein siebenmal Eddy Merckx) seit 1981 nur noch einmal von einem Landsmann gewonnen - nämlich bei Andrei Tchmils überraschendem Sieg 1999 vor Erik Zabel.

Sollte ausnahmsweise kein Sprintspezialist gewinnen, sondern eine Attacke am Poggio oder der Cipressa den Sieg bringen (davor ist das eigentlich ausgeschlossen), dann sollte man Fabian Cancellara (Saxo Bank) und Philippe Gilbert (Omega Pharma-Lotto) am ehesten im Blick behalten.

Wir werden das Rennen jedenfalls genau verfolgen, ebenso wie die kommende Saison, und hoffen, dass die Monumente des Radsports allmählich auch in den Medien wieder den Status erhalten, der ihnen zukommt - egal ob im Frühling oder im Herbst.

Daniel Raecke

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Blutdoping: CAS sperrt Jan Ullrich
Am Vortag trat Jan Ullrich für seinen neuen Sponsor Alpecin auf, nun gibt es in der Fuentes-Affäre Gewissheit: Der CAS sperrte Ullrich wegen Blutdopings nachträglich für zwei Jahre, zudem annullierte das Gericht alle Ergebnisse Ullrichs seit dem 1. Mai 2005 - darunter Rang drei bei der Tour de France 2005.
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1André Greipel4h33'30''
2Alessandro Petacchi+4''
3Martin Kohler+4''
4Yauheni Hutarovich+6''
5Rohan Dennis+7''
6Eduard Vorganov+8''
7Marcello Pavarin+9''
8Fabio Sabatini+10''
9Daniele Bennati+10''
10Christopher Sutton+10''
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