Taktikfuchs Garzelli gewinnt Tirreno um Sekunden

Stefano Garzelli
Stefano Garzelli hat in einem Coup auf der letzten Etappe des Tirreno-Adriatico Vorjahressieger Michele Scarponi noch das Blaue Trikot entrissen. Der Kapitän des Acqua-e-Sapone-Teams holte sich zwei einsekündige Zeitgutschriften, und war so zeitgleich mit Scarponi, hatte aber die besseren Etappenergebnisse.
Der Giro-Gewinner von 2000, der für einen Klassementfahrer ohnehin sehr gut sprinten kann, holte sich in beiden Zwischensprints der letzten Etappe von Civitanova Marche nach San Benedetto del Tronto an der Adria den dritten Platz, womit er jeweils eine Sekunde Zeitgutschrift bekam, sodass er mit Scarponi gleich zog.
Zum dritten Mal in der Geschichte der italienischen Fernfahrt erreichten zwei Radprofis zeitgleich das Ziel, so dass die Punkte Garzellis und Scarponis aus allen Etappen gezählt werden mussten. Dritter wurde Cadel Evans (BMC) mit einem Rückstand von 12 Sekunden. Dahinter folgten der Kasache Maxim Iglinskiy (Astana), Robert Gesink (Rabobank) und Michael Rogers (Columbia), dessen angebliche Blockade am Vortag in Macerata dazu geführt hatte, dass Garzelli bis auf zwei Sekunden an Scarponi herangekommen war.
Petacchi erholt, Cavendish nicht
Das letzte Teilstück selbst sicherte sich der Norweger Edvald Boasson Hagen vom Sky-Team, der früher bei Columbia unter Vertrag stand, vor Alessandro Petacchi (Lampre), der im Training vor der Rundfahrt noch eine schmerzhafte Kollision mit einem Blumenkübel erlitten hatte, sich aber erholt und fit für Mailand-Sanremo am kommenden Wochenende präsentierte. Dritter wurde Sacha Modolo (Colnago).
Mark Cavendish war im Laufe der Etappe gestürzt und konnte nicht in die Entscheidung eingreifen, sein Columbia-Teamkollege Bernhard Eisel wurde Etappenvierter. Der Brite, der zudem noch seit längerem an Zahnproblemen leidet, gilt nicht als Mitfavorit, wenn der große Frühjahrsklassiker in Norditalien am Samstag gestartet wird, obgleich er die Classicissima im Vorjahr gewonnen hatte.
Als bester deutscher Radprofi belegte Markus Fothen vom Milram-Team Rang 17 der Gesamtwertung. Sein Teamkollege Linus Gerdemann, zu Beginn der Rundfahrt noch Etappensieger, musste wegen einer Magen-Darm-Infektion ausscheiden, Fabian Wegmann musste gar nach einem Schlüsselbeinbruch passen.