Tony Martin macht Hoffnung für die Rundfahrten

Rat vom Altmeister: Tony Martin (li.) mit Erik Zabel
Tony Martin will hoch hinaus. Und das am besten so schnell wie möglich. Der junge Heißsporn trat im Trainingslager auf Lanzarote so hart und verbissen in die Pedale bis das Knie streikte.
Die erfahrenen Ex-Profis Rolf Aldag und Erik Zabel, Teamchef und Berater beim Rennstall HTC Columbia mussten einschreiten und für den 24-Jährigen auf die Bremse treten. "Wir planen mit ihm langfristig", meint Zabel. "Wenn er bei der Tour eine Top-Ten-Platzierung im Gesamtklassement erreicht, ist das gut. Wenn er auf Platz 15 bis 20 landet, geht die Welt auch nicht unter."
Potenzial als viel versprechender Rundfahrer hatte Martin bereits bei seinem Tour-Debüt 2009 gezeigt, als er zwölf Tage das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers trug und die Prestige-Etappe auf den Mont Ventoux als Zweiter beendete.
Manchmal zu eifrig
"Ich habe wahrscheinlich mit dem Wintertraining etwas übertrieben und mir eine Sehnen-Verletzung im Knie eingehandelt", sagte der Polizeimeister aus Eschborn. "Ich musste zwei Wochen aussetzen und bin jetzt gerade wieder bei einem Pensum von 100 Kilometern täglich." Am kommenden Sonntag will Martin deshalb "zurückhaltend" in die Mallorca-Challenge starten. Seit Wochenbeginn absolviert er auf der Mittelmeerinsel die letzten Trainingseinheiten.
"Die zwei schwarzen Tage, die er im vergangenen Jahr bei seinem Tour-Debüt hatte, kamen der Teamleitung ganz recht. Wir müssen ihn in seinem Eifer manchmal bremsen", sagte Zabel, bei Columbia eine Art Jugendwart, der sich in erster Linie um Martin und das Sprint-Ass Mark Cavendish kümmert. Um den Briten wird sich im Team auch bei der Tour 2010 alles drehen, das weiß auch Martin: "Für ihn wird gefahren - das ist klar. Auch ich werde mich im Sprint wieder einreihen."
Kein Skispringer-Problem
Sein geringes Gewicht bereits zum Trainingsauftakt - etwa 76 Kilo bei 1,86 Meter Größe - hatte Martin schon Schlagzeilen eingehandelt, die ihn mit magersüchtigen Skispringern in eine Reihe stellten. "Das war überdramatisiert", sagte der WM-Dritte im Zeitfahren bei einem Abstecher zum Berliner Sechstagerennen.
"Ich hatte gut trainiert und reduzierte mein Gewicht ohne Qual und Stress. Durch meine Zwangspause habe ich jetzt wieder zwei oder drei Kilo mehr drauf." Das in diesem Jahr besonders heftige Berg-Profil der Tour wirft jetzt schon seine Schatten voraus und auch Martin weiß: Jedes Kilo zählt am Berg.