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Wachablösung im Welt-Eishockey
Wachablösung im Welt-Eishockey
Nur Jaromir Jagr scheint immer noch nicht genug zu haben...

Das olympische Eishockeyturnier in Vancouver war für viele Weltstars der letzte Auftritt im Nationaltrikot. Eine ganze Generation an großen Spielern nimmt ihren Hut, darunter auch Legenden wie der Tscheche Jaromir Jagr, Finnlands Teemu Selanne oder Schwedens Nicklas Lidström. sportal.de über die endgültige Wachablösung im Eishockey.

Als Sidney Crosby in der Verlängerung des olympischen Finales zum 3:2 für Kanada trifft und damit eine gesamte Nation in kollektiven Freudentaumel versetzt, hat der Treffer des 22-Jährigen auch Symbolcharakter. Er beschreibt die Wachablösung in der Eishockey-Welt.

Viele große Stars der vergangenen Jahrzehnte schnürten in Vancouver das letzte Mal die Schlittschuhe für ihr Land. Rund 40 Spieler der sieben großen Nationen werden in vier Jahren vermutlich nicht mehr für ihr Nationalteam auflaufen. So auch die finnische Legende Teemu Selanne (39).

Die Bronzemedaille von Vancouver ist sein letzter großer Triumph auf der internationalen Eishockeybühne. "Ein Sieg im Abschiedsspiel ist wie ein Traum, der wahr wird", freute sich Selanne nach dem Spiel. Sein Abschied aus der Nationalmannschaft steht zugleich für das Ende einer ganzen Generation.

"Dies ist etwas ganz Besonderes, denn die Hälfte unserer Mannschaft wird nie wieder das Nationaltrikot tragen", sagte Selannes Teamkollege Olli Jokinen (31),
Siegtorschütze gegen die Slowakei, nach Gewinn der Bronzemedaille. Neben Selanne und Jokinen war es auch für Saku Koivu (35), Jere Lehtinen (36), Kimmo Timonen (34), Miikka Kiprusoff (33), Sami Salo (35), Jarkko Ruutu (34), Ville Peltonen (36) der letzte große Auftritt im finnischen Nationaltrikot. Es ist die erfolgreichste finnische Generation aller Zeiten, die da zurücktritt.

Bester Punktesammler in der olympischen Geschichte

Und Selanne ist der Kopf dieser Generation. Die Spiele von Vancouver waren die fünften seiner Karriere. Drei Bronze-, eine Silbermedaille und der Aufstieg zum erfolgreichsten Punktesammler der Olympia-Geschichte sind die beeindruckende Bilanz. Mit seinen zwei Vorlagen im Turnier zog der Stürmer der Anaheim Ducks in der ewigen Scorerliste an Valeri Kharlamov (Russland), Vlastimil Bubnik (Tschecheslowakei) und Harry Watson (Kanada) vorbei und ist mit 37 Punkten nunmehr alleiniger Spitzenreiter. 20 Tore und 17 Vorlagen konnte Selanne bei seinen fünf Teilnahmen für sich verbuchen.

"Ich war jetzt 23 Jahre dabei und wir haben soviel unglaubliche Dinge erreicht", resümierte Selanne, der im Sommer 40 wird. Seit Nagano 1998, als erstmals alle NHL-Spieler bei Olympia mit von der Partie waren, ist Finnland die einzige Nation, die drei Medaillen gewinnen konnte. "Es macht einen Stolz, Teil dieser Generation gewesen zu sein." Schon einmal hat Selanne seinen Rücktritt vom Rücktritt erklärt, im Sommer ist diesmal aber nun endgültig Schluss, auch mit der glorreichen NHL-Karriere (1247 Spiele, 632 Tore und 681 Vorlagen).

Drei schwedische Legenden treten ab

Nicht nur bei den Finnen nimmt eine Reihe großer Spieler ihren Hut, auch bei anderen Nationen treten viele Weltstars ab. Der skandinavische Nachbar Schweden muss in Zukunft ohne drei seiner größten Namen auskommen. Für Niklas Lidström (39), Daniel Alfredsson (37) und Peter Forsberg (36) war es der letzte Olympia-Auftritt im schwedischen Nationaltrikot.

Im Gegensatz zu den Finnen beendeten die schwedischen Stars ihre Olympia-Karriere weniger erfolgreich. "Eine riesige Enttäuschung", kommentierte Lidström nach dem Aus im Viertelfinale gegen die Slowakei. Als Titelverteidiger angetreten, kamen die Schweden nicht über die Runde der letzten Acht hinaus. Er wolle nicht unbedingt vom Ende einer Ära sprechen, sagte Forsberg, aber für viele sei es einer der letzten Auftritte im Nationaldress gewesen.

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Neben Lidström, Alfredsson und Forsberg waren es auch für Mattias Öhlund (33), Fredrik Modin (35) und Magnus Johansson (36) die letzten Olympischen Spiele. Einen Trost gibt es für die schwedischen Fans: Bei der Weltmeisterschaft könnte der ein oder andere doch noch einmal für die Tre Kronors auflaufen. Ganz ausschließen wollten das alle Beteiligten nicht.

Jagrs letzer Auftritt bei Olympia

Ähnliches gilt auch für Tschechiens Ausnahmespieler Jaromir Jagr (38). "Das war definitiv mein letzer Auftritt bei Olympia und eines meiner letzten großen Turniere", sagte der Superstar nach dem enttäuschenden Viertelfinalaus der Tschechen gegen Finnland im Viertelfinale. 1998 in Nagano führte Jagr sein Land noch zur Goldmedaille und damit zum größten Erfolg der Geschichte. Mit zwei Treffern in Vancouver gehörte er zu den besten Torschützen seines Teams und war während des gesamten Turnierverlaufswie eh und je der Dreh- und Angelpunkt im tschechischen Spiel.

Auch wenn das nächste olympische Turnier im russischen Sotschi für den dann 42-Jährigen zu weit entfernt ist, fühlt sich Jagr im Herbst seiner Karriere noch immer topfit. Der einstige NHL-Superstar, der heute in der russischen KHL sein Geld verdient, schloss sogar ein Comeback in Nordamerika nicht aus: "Vielleicht versuche ich es noch einmal in der NHL." Dort gewann er zweimal den Stanley-Cup und ist mit 1599 Scorerpunkte in 1273 Saisonspielen der neunerfolgreichste Spieler der Historie. Bei den Tschechen werden neben Jagr auch Patrick Elias (33), Filip Kuba (33), Petr Cajanek (34) und Tomasz Vokoun (33) vermutlich nicht mehr bei Olympischen Spielen auflaufen.

Oldie Fedorov tritt ab

Mit Sergei Fedorov (40) verlässt auch bei den Russen ein großer Spieler die Bühne. Nach der herben 3:7-Viertelfinaleschlappe gegen Kanada ist für Fedorov im Nationalteam Schluss, im Sommer wird er dann vermutlich seine lange und erfolgreiche Karriere komplett beenden. Olympisches Gold ist ihm in den Jahren seiner Laufbahn verwehrt geblieben, eine Silbermedaille 1998 und eine bronzene 2002, sowie drei Weltmeistertitel sind Fedorovs größte Erfolge auf internationalem Eis. Zwei seiner WM-Goldmedaillen stammen sogar noch aus der Zeit der Sowjetunion (1989 und 1990).

In der NHL war Fedorov einst einer der größten Stars und gewann mit den Detroit Red Wings drei Stanley-Cups. 1998 kassierte er das höchste Gehalt der NHL-Geschichte (inklusive Boni rund 28 Millionen Dollar für nur 43 Spiele) und ging als erster russischer Spieler in die Geschichte ein, der die 1.000-Punkte-Marke in der NHL knackte. Altgediente Veteranen wie Evgeni Nabokov (35), Viktor Kozlov (35), Sergei Gonchar (35), Andrej Morozov (35) tun es Fedorov gleich und werden nicht mehr für die Sbornaja auflaufen.

Das Ende einer slowakischen Ära

In der Slowakei blickt man mit einen lachenden und einen weinenden Auge auf die Olympischen Spiele in Kanada zurück. Einerseits war der vierte Platz mehr als die Slowaken je zu Hoffen gewagt hatten, zu stark schien die Konkurrenz der anderen großen Nationen, anderseits bedeutet das Ende des Turniers zugleich das Ende einer ganzen Generation.

Joszef Stümel (37), Lubomir Visnovsky (33) Miroslav Satan (35), Richard Zednik (33), Lubos Bartecko (33), Zigmund Plaffy (37), Martin Strbak (35) und Olympia-Topscorer Pavol Demitra (35) werden in vier Jahren nicht mehr dabei sein, viele von ihnen nach der kommenden WM überhaupt nicht mehr für die Slowakei auflaufen. Talente kommen nicht viele nach, die Zukunft der Slowaken steht auf wackligen Beinen.

Die Zukunft gehört den Jungen

Die beiden Finalteilnehmer Kanada und USA traten mit den beiden jüngsten Teams der Topnationen an. Die Amerikaner überraschten gar mit der jüngsten Mannschaft des Turniers die Konkurrenz. Bei den USA werden Jamie Langenbrunner (35), Chris Drury (33), Brian Rafalski (36) und Ersatz-Goalie Tim Thomas (35) in Zukunft nicht mehr dabei sein, bei den Kanadiern treten die hochdekorierten Altstars Martin Brodeur (37), Scott Niedermayer (36) und Chris Pronger (35) ab.

Das Ende des Olympischen Turniers läutet das Ende einer Eishockey-Generation ein. Bei aller Wehmut haben die jungen Nachzügler bereits gezeigt, dass sie würdige Nachfolger für ihre verdienten Vorgänger sind. Die Zukunft des Eishockeys gehört ab jetzt endgültig den Crosbys, Kanes und Ovechkins.

Daniel Pietzker

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