Razzoli holt erstes Gold für Italien - Kowalczyk schlägt Björgen

Gold für die Nummer eins über 30 km: Justyna Kowalczyk
Italien musste bis zum vorletzten Tag warten, dann wurde es aber doch noch etwas mit der ersten Goldmedaille. Im Slalom der Herren trat dabei Guiliano Razzoli in die Fußstapfen von Alberto Tomba. Dramatisches passierte auch im Langlauf über 30 Kilometer, als Justyna Kowalczyk ihre Erzrivalin Marit Björgen im Zielsprint besiegte.
Erfüllt wurden die Hoffnungen der Tifosi - das erste Vancouver-Gold kurz vor dem Erlöschen der Flamme dieser Spiele. Erstmals seit Legende Alberto Tomba (1992) feierten die Azzurri wieder Gold für einen Skirennfahrer aus Italien. "Es ist ein Traum, weil ich lange hinter dieser Medaille her war. Ich habe lange gearbeitet und viel dafür getan. Nun bin ich hier mit einer Goldmedaille, das ist unglaublich", sagte der einmalige Weltcup-Gewinner. Silber holte sich der Kroate Ivica Kostelic, Bronze ging an Andre Myhrer aus Schweden.
Rasanter erster Lauf
Der erste Lauf war vom kanadischen Trainer extrem schnell gesteckt worden und damit kamen wie Felix Neureuther viele Fahrer nicht zurecht. Von den 102 Startern kamen nur 54 ins Ziel, darunter mussten neben der deutschen Medaillenhoffnung auch Weltmeister Manfred Pranger und die beiden US-Amerikaner Ted Ligety und Bode Miller ausscheiden.
Der Führende nach dem ersten Lauf hieß bereits Razzoli, dahinter platzierte sich mit Mitja Velencic ein weiterer Außenseiter. Erst dahinter folgten mit Benjamin Raich und Ivica Kostelic die ersten Favoriten, umso bitterer war der vierte Platz im Endklassement für Raich - somit blieben die erfolgsverwöhnten Österreicher ohne alpine Medaille in Vancouver.
Kowalczyk besiegt Björgen
Vor dem 30-Kilometer-Abschluss der Langläuferinnen hatte Justyna Kowalczyk für Aufruhr und einen kleinen Skandal gesorgt, als sie der dreifachen Goldmedaillengewinnerin Marit Björgen auf Grund eines Asthma-Mittels unlauteren Wettbewerb vorwarf. Und als wenn es Alfred Hitchcock geplant hätte, lagen die beiden Kontrahentinnen nach dem über 90 Minuten dauernden Kampf gleichauf - Gold gewann Kowalczyk mit einem Zielsprint.
Lange Zeit war Björgen das Maß aller Dinge über die lange Distanz im klassischen Stil. Scheinbar unbeeindruckt von den unterschwelligen Doping-Anschuldigungen ihrer Rivalin startete die 29 Jahre alte Ausnahmeläuferin aus Trondheim acht Kilometer vor dem Ziel eine Attacke. Doch zum vierten Gold bei den Vancouver-Spielen reichte es vor den Augen des norwegischen Königs Harald nicht, denn Kowalczyk konterte den Angriff. Auf der Zielgeraden lieferten sich die beiden Top-Stars einen erbitterten Kampf, den die Polin um 0,3 Sekunden für sich entschied. Bronze ging an die Finnin Aino-Kaisa Saarinen, direkt dahinter platzierte sich Evi Sachenbacher-Stehle.
Gold für Kanada
Kanadas Curling-Männer haben indes souverän die Goldmedaille gewonnen. Die Auswahl von Skip Kevin Martin setzte sich im Finale in Vancouver mit 6:3 gegen Norwegen durch. Für die Gastgeber war es der elfte Sieg im elften Spiel des Turniers. Bronze ging an die Schweiz, die Europameister Schweden mit 5:4 schlug.
Kanadas-Skip Martin revanchierte sich mit dem Erfolg für seine Finalniederlage bei Olympia 2002 gegen Norwegen. Damals war er Pal Trulsen unterlegen, der diesmal als Trainer der Norweger in Vancouver im Einsatz war. Vor vier Jahren in Turin hatte Martins Landsmann Brad Gushue erstmals Curling-Gold für Kanadas Männer geholt. Martins Coup brachte die 13. Goldmedaille dieser Spiele für die Gastgeber-Nation.
Bis zum sechsten End ließ Martin keine Punkte für Norwegens Auswahl von Skip Thomas Ulsrud zu - und punktete selbst dreimal. Dann kamen die in ihren bunten Clownshosen spielenden Norweger allerdings zu zwei Zählern und machten das Finale kurzzeitig noch einmal spannend. Doch schon im achten End schlug Martin vor den Augen von IOC-Präsident Jacques Rogge mit zwei Punkten zurück. Nach dem letzten Take Out von Martin gab Ulsrud auf und der der Jubel im mit 5600 Zuschauern ausverkauften Olympic Centre kannte keine Grenzen mehr.
Anderson krönt seine Karriere
Aller guten Dinge sind vier: Bei seiner vierten Olympia-Teilnahme gewann Kanadas Snowboard-Gigant Jasey Jay Anderson bei Dauerregen in Cypress Mountain endlich die langersehnte Goldmedaille im Parallel-Riesenslalom. Der 34-Jährige bezwang im Finale den Österreicher Benjamin Karl mit einem Vorsprung von 35 Hundertselsekunden. Dabei war Anderson mit einem Rückstand von 0,76 Sekunden in den zweiten Finallauf gegangen. Mathieu Bozzetto aus Frankreich holte Bronze.
"Ich bin total sprachlos. Diesen großen Rückstand wettzumachen, war bei diesen Bedingungen fast unmöglich, aber es hat geklappt", sagte Anderson, "ich liebe diese Situation, wo ich das Unmögliche möglich machen muss. Ich habe so hart gearbeitet und wurde jetzt belohnt." Nur der Olympiasieg hatte ihm in seiner illustren Karriere noch gefehlt. Nach vier WM-Titeln in drei verschieden Disziplinen, dazu 26 Weltcupsiegen und 59 Podestplätzen in 207 Rennen war der 27. Februar 2010 endlich Andersons Tag.
Und nochmal Kanada
Kanadas Eisschnellläufer konnten den Goldrausch der Gastgeber dann weiterführen. Mathieu Giroux, Lucas Makowsky und Denny Morrison gewannen im Oval von Richmond das Finale in der Teamverfolgung gegen die USA. Bronze sicherten sich die Niederlande. Die Amerikaner hatten im Halbfinale überraschend den viermaligen Weltmeister Niederlande ausgeschaltet. Ein deutsches Trio war nicht am Start. In der Damen-Konkurrenz holte das deutsche Team die Goldmedaille, im Finale setzten sich Katrin Mattscherodt, Daniela Anschütz-Thoms und Stephanie Beckert gegen die japanische Auswahl durch.
Braten verzichtet auf blinden McKeever
Brian McKeevers Hoffnungen auf einen Olympia-Start haben sich zerschlagen. Der blinde Ski-Langläufer wird nun doch nicht beim Olympia-Finale über 50 Kilometer antreten. Kanadas Chefcoach Inge Braten nominierte vier andere Läufer für das Massenstart-Rennen. Damit platzte McKeevers Traum, als erster Wintersportler sowohl an den Olympischen Spielen als auch den Paralympics teilzunehmen.
"Ich muss professionell sein. Ich muss die Jungs auswählen, die die besten Chancen über die 50 Kilometer haben", sagte der Norweger Braten und fügte hinzu: "Soll ich dann jemanden mit einer Medaillenchance rausnehmen und Brian laufen lassen? Das ist die Situation. Sie gefällt mir nicht." Dabei hätte Braten dem mit nur zehn Prozent Sehkraft ausgestatteten McKeever gern einen Start ermöglicht. "Ganz ehrlich, es ging mir wirklich nur darum, das Beste aus mir herauszuholen", sagte der Ausnahme-Athlet, nachdem sein Doppeleinsatz bei den Winterspielen und den Paralympics festzustehen schien.