24.08.2008
Chinesische 'Turn-Kinder' müssen zittern

Wie alt ist He Kexin?
Die Olympischen Spiele sind vorbei, die Diskussion um das Alter der chinesischen Turnerinnen aber noch lange nicht. So können sich die Athletinnen ihrer Goldmedaillen auch noch nicht sicher sein, auch wenn weiterhin keine schlüssigen Beweise gegen sie vorliegen.
"Wir haben den Weltverband um weitere Nachforschungen gebeten, es ist eine ernste Geschichte. Wir haben Geburtsurkunden und Familienbücher eingefordert und werden die Dokumente sorgfältig prüfen", erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge. Allerdings fügte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees auch hinzu: "Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein."
Überprüfung dauert an
Der Weltverband FIG hatte tags zuvor mitgeteilt, dass die Überprüfungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. "Die FIG hat eine Vielzahl von Dokumenten in chinesischer Sprache erhalten. Diese zu prüfen, wird dauern", hieß es.
Hintergrund der neuerlichen Anstrengungen des IOC war ein Bericht der Londoner "Times", die sich auf Nachforschungen des US-Computer-Experten Mike Walker berief. Diese hatten ergeben, dass zwei neue chinesische Regierungsdokumente das Geburtsdatum von He Kexin nicht, wie ihr Pass besagt, mit dem 1. Januar 1992, sondern erst mit dem 1. Januar 1994 ausweisen.
Fehler bei der DatenübertragungSchon seit Wochen gibt es Zweifel am Alter von mindestens drei Turnerinnen Chinas, nachdem frühere Online-Aufzeichnungen, Meldelisten und auch ein Bericht der Staatsagentur Xinhua ans Tageslicht kamen, die das Alter der Goldmedaillen- Gewinnerinnen He Kexin, Jiang Yuyuan und Yang Yilin mit 14 Jahren ausweisen.
Chinas Sport-Minister führt das Durcheinander um das Alter von He Kexin inzwischen auf Fehler beim Wechsel einiger Athletinnen aus Provinz- in Auswahlmannschaften zurück. Es habe ein "Missverständnis" bei der Datenübertragung gegeben, räumte Minister Cui Dalin in Peking ein.
Der Trainer ist entrüstet"Jedoch kann ich jetzt sagen, dass das Alter aller Turnerinnen den Olympia-Anforderungen entspricht", meinte er. Turnerinnen müssen im Jahr der Spiele das 16. Lebensjahr vollenden, um die Regularien des Weltverbandes zu erfüllen.
Sollten doch noch Beweise für eine Manipulation gefunden werden, droht den Chinesinnen die Medaillen-Aberkennung gleich im großen Stil: Neben Team-Gold wären dann auch der Sieg von He Kexin am Stufenbarren und zwei weitere Medaillen-Platzierungen betroffen.
"Nicht nur ich bin betroffen. Es wurde grundlos Misstrauen gesät", kritisierte indes Auswahl-Trainer Lu Shanzhen. "Die Eltern der Kinder sind verärgert. Warum werden ihre Kinder verdächtigt?", fragte er entrüstet.