
Evgeny Chigishev mit Silber
Das olympische Motto gilt nicht für jeden: Die einen zetern über verpasste Chancen, andere lenken vom eigenen Versagen ab, indem sie die Konkurrenz des Dopings beschuldigen. sportal.de nimmt's zur Kenntnis und kommentiert's in den heutigen "Acht Köstlichkeiten".
Manche Menschen leiden einfach unter Größenwahn. Wie...
1. "Der undankbarste Sesselpupser" des Tages:
Da gewinnen die Kenianer über 3000m Hindernis Gold und Bronze und was macht der Generalsekretär des nationalen Verbandes? Er sitzt in seinem bequemen Sessel und regt sich auf. Man habe die falsche Wahl getroffen und hätte auf den Jahres-Weltbesten Paul Kipsiele Koech, der nur Vierter der nationalen Olympia-Ausscheidungen geworden war, nicht verzichten dürfen. Ezekiel Kemboi, immerhin Olympiasieger von Athen, hatte in Peking nur Platz sieben belegt. Was für ein Versager! Na gut, wenn man sich die Ergebnisse von Olympia 2004 und der WM 2007 anguckt, muss man dem Funktionär wenigstens etwas Recht geben. Damals hatte die Läufernation jeweils alle drei Medaillen abgeräumt.
Enttäuscht war auch Evgeny Chigishev,...
2. "Der unglücklichste Silbermedaillengewinner" des Tages:
Monatelange Enbehrungen fern der Heimat hatte der Russe auf sich genommen, um sein großes Ziel Olympiagold zu realisieren. "Mein Sohn ist eineinhalb Monate und ich habe ihn noch nicht gesehen", sagte der 29-Jährige. Am Ende musste er sich dem Deutschen Steiner geschlagen geben und war traurig, mit der Goldmedaille um den Hals hätten er und seine Familie ausgesorgt gehabt. "Gold hätte für mich Freiheit bedeutet, Silber bedeutet Freiheit für einen Monat."
So richtig ausgesorgt haben deutsche Olympiasieger zwar auch nicht. Aber ein paar Annehmlichkeiten gibt es trotzdem - immerhin für ein Jahr, kommt er - ....
3. "Der warme Regen" des Tages:
Einige Ausgaben des täglichen Lebens können die Olympiasieger immerhin für 12 Monate sparen. So bekommt jeder deutsche Goldmedaillengewinner für ein Jahr kostenlos eine C-Klasse von Mercedes zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt es kostenlosen Strom von E.On sowie monatlich 50 Liter Warsteiner-Bier, wahlweise alkoholfrei oder mit Alkohol. Auch die Jugendabteilungen der Vereinen, aus denen die Sieger kommen, profitieren. Sie erhalten einen Kleinbus.
Von soviel Geschenken kann einer nur träumen - ...
4. "Der Kollateralschaden" des Tages:
Der palästinensische 5000-m-Läufer Nader Almassri durfte zwar in Peking starten. Doch er bot als 38. mit 14:41,10 Minuten eine eher schwache Vorstellung. Doch eine Begründung für das schlechte Abschneiden hatte er schnell parat. Das Ergebnis sei zurückzuführen auf das geringe Training, meinte der in Gaza lebende 28-Jährige. Seit die Hamas dort im Juni die Kontrolle übernommen hat, wird der Gaza-Streifen von Israel blockiert. Reisen zu Wettkämpfen konnte Almassri deshalb zuletzt gar nicht mehr antreten. Das letzte Kräftemessen mit der Konkurrenz fand im Dezember 2006 bei den Asienspielen statt. "Wenn man so lange keine Rennen bestritten hat, ist es ganz schwer, gegen solche Meister zu laufen", erklärte Almassri.
Wenigstens lieferte er eine nachvollziehbare Begründung und lenkte nicht mit geschwungener Dopingkeule von eigenen schlechten Leistungen ab wie...
5. "Der schlechteste Verlierer" des Tages:
"Si tacuisses, philosophus mansisses", das hätte man am liebsten Tobias Unger zugerufen "Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben, Junge." Doch der 100 Meter-Sprinter machte sich nach seinem Aus im Viertelfinale lautstark Luft. Doch er ging nicht etwa selbstkritisch mit seinen - gemessen an seiner Bestleistung - mäßigen Zeiten von 10,46 und 10,36 um. Nein, er lederte gegen Olympiasieger Usain Bolt los, sprach von "Riesenverarschung". Gut, nun ist der Jamaikaner ob seiner Fabelzeiten und des laksen Umgangs seines Landes mit Antidopingmaßnahmen durchaus kritisch zu beäugen. Doch, wenn so lautstarke Äußerungen von einem Sprinter kommen, der vor den Spielen großspurig mindestens vom Erreichen des Halbfinales sprach und der dann zwei Zehntel unter seiner Bestleistung von 10,16 blieb, hat das einen etwas faden Beigeschmack und ist keine gute PR in eigener Sache.
Einige vor Ort zuschauende Fans haben besseres Geschick für's Verkaufen und hatten...
6. "Die Geschäftsidee" des Tages:
Gebrauchte Tickets lassen sich nämlich noch gut verkaufen. Vielleicht lohnen sie sich sogar als Langzeit-Investment. Denn Sammler legen für Eintrittskarten der Wettkämpfe noch bescheidene, aber doch steigende Summen auf den Tisch. So werden für Eintrittskarten von Leichathletikveranstaltungen 5 Euro geboten, für Tickets von den US-Basketballern mit Superstar Kobe Bryant sogar 30 Euro.
Noch mehr wird für Sportlerutensilien geboten. Z.B. für...
7. "Die verschwitzten Treter" des Tages:
Lin Dan, der Olympiasieger im Badminton, hatte kurz nach seinem großen Sieg seine beiden durchgeschwitzten Turnschuhe vor Freude ins Publikum geworfen. In Internet-Autionen kursieren mittlerweile aber bereits mehr als 100 Angebote, von Menschen, die behaupten, dabei gewesen zu sein und einen der zwei Goldschuhe versteigern zu wollen. Aus gutem Grund: Hardcore-Fans von Lin bieten nämlich bis zu 500.000 Yuan für einen Schuh. Umgerechnet sind das etwa 50.000 Euro. Und dafür kann man in China ein Apartment kaufen.
Sie sehen, bei Olympia dabei zu sein, lohnt sich auch für Zuschauer. Und natürlich auch Politiker. Bei uns schaffen sie es damit immerhin in...
8. "Die sinnloseste Agenturmeldung" des Tages:
Männer in Nadelstreifen drängeln sich immer wieder gerne in den Vordergrund. Auch unser Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, verantwortlich für den Sport. Die dpa lieferte nun seine fachkundige Einschätzung der deutschen Leistungen in Peking in die Redaktionen - immerhin war Schäuble "halbwegs" zufrieden: "Es gibt viele schöne Erfolge, aber auch manche herbe Enttäuschung", sagte Schäuble bei einem Besuch der Olympischen Spiele vor Journalisten. Da die Spiele noch laufen, wollte der Minister keine Bilanz ziehen. Er verwies auf das Ziel der deutschen Mannschaft, den Medaillenstand von Athen halten zu wollen. "Das sieht so aus, dass es so in etwa geht." Nach den Spielen will Schäuble aber eine schonungslose Bestandsaufnahme machen. "Man muss in allen Sportarten sehen, wo man steht und was wir besser machen können", sagte der CDU-Politiker. "Wir werden da nichts beschönigen."
Und sicher "rückthaltlos aufklären", wie damals in der Spendenaffäre um Altkanzler Helmut Kohl. Wir dürfen gespannt sein und warten morgen auf die Stellungnahme von Peter Dankert.
Malte Asmus