Das Phänomen Valentino Rossi

Valentino Rossi: Laufen geht noch nicht so gut, aber was soll's
Seit 14 Jahren dominiert Valentino Rossi den Motorradsport und gewann in jeder Kategorie den WM-Titel, insgesamt neun an der Zahl. Trotzdem ist er immer noch jederzeit für einen neuen Superlativ gut. Nach einem schweren Sturz kehrt der Italiener nun überraschend schon nach sechs Wochen zurück.
Valentino Rossi - das ist wohl der einzige Star aus der Szene, der nicht nur Insidern in Deutschland ein Begriff ist. Das Phänomen, diesen Beinamen haben ihm Freund und Feind in unüblicher Einigkeit verpasst. Seinen Gegnern kommt es unheimlich vor, wie der vor Rückschlägen keineswegs gefeite Rossi mit eisernem Willen, großem Können und seinem eingeschworenen Team um Cheftechniker Jeremy Burgess immer wieder zurück an die Spitze kommt. Die Fans lieben ihn. Denn trotz aller Anstrengungen bleibt er unverkrampft und verliert nie seinen ausgeprägten Sinn für Humor.
Schockzustand nach dem Unfall
Jetzt ist Rossi drauf und dran, seiner ohnehin schon sagenhaften Lebensgeschichte ein weiteres phänomenales Kapitel hinzuzufügen. Der 5. Juni 2010, an dem Valentino Rossi beim Training zu seinem Heim-Grand-Prix in Mugello wegen einer Unachtsamkeit stürzte und sich das rechte Schienbein brach, hatte die MotoGP-Szene in einen Schockzustand versetzt.
Einige der Rossi-Getreuen brachen ihre Zelte in Mugello noch vor dem Rennsonntag ab, andere erschienen mit eilig gebastelten Transparenten, auf denen Genesungswünsche zu lesen waren. Selbst der Spanier Jorge Lorenzo, Rossis Kollege im Fiat-Yamaha-Werksteam und damit auch sein erster und zudem stärkster Konkurrent um die WM-Krone, hielt vor dem Start des Rennens eine freundliche Botschaft in die Fernsehkameras.
Fünf bis sechs Monate Pause? Nicht mit Rossi!
Die Fans fragten sich, ob Rossi nach seiner ersten gravierenden Verletzung im Motorradsport nicht endgültig den Stecker ziehen und sich dem als sicherer eingeschätzten Automobilsport zuwenden könnte. Rallye-Wettbewerbe mag er, Formel-1-Testfahrten hat er mehrfach mit beachtlichen Resultaten absolviert. Und Ferrari-Chef Luca di Montezemolo wird nicht müde, der italienischen Ikone Rossi das F1-Geschäft schmackhaft zu machen.
Doch Rossi gab seine Antwort. Nicht, wie von den Ärzten prognostiziert, fünf bis sechs Monate Rennpause, kein Warten bis Brünn im August, sondern der Deutschland-Grand-Prix am Wochenende ist der Termin für das Comeback - 42 Tage nach dem Unfall.
Schulter macht mehr Ärger als das Bein
"Der Test in Brünn lief sehr gut, aber ein komplettes Rennen auf dem Sachsenring ist etwas anderes. Die Rennen hier und in einer Woche in Laguna Seca brauche ich dringend, wenn ich nach der Sommerpause wieder völlig fit sein und um Siege fahren will", sagte der Doctor, dem die Universität Urbino 2005 die Ehrendoktorwürde im Fach Kommunikationswissenschaften verlieh, und gab zu: "Der Beinbruch war zwar schlimmer als die Schulterverletzung von meinem Motocross-Sturz im März, aber die Schulter macht auf dem Motorrad mehr Ärger als das Bein."
Den Fans ist das egal. Hauptsache, ihr Idol fährt. Und die Konkurrenz lässt sich durch derlei Vorabentschuldigungen nicht einlullen. Immerhin heißt der Tiefstapler, von dem diese kommen, Valentino Rossi. Und dem trauen nicht wenige Fahrerlager-Insider sogar einen Podestplatz zu. So oder so, Rossis Heldengeschichte wird am Sachsenring fortgeschrieben.