Meister als Lehrling: Räikkönens erstes Rallye-Jahr

Kimi Räikkönen fährt ab sofort für Citroen in der Rallye-WM
Kimi Räikkönen hat in diesem Jahr ein Dach über dem Kopf. Im offenen Formel-1-Auto hat der Finne bereits bewiesen, dass er ein (Welt-)meister ist. In einem Rallye-Wagen wird der 30-Jährige aber noch einmal zum PS-Lehrling. Doch ihm macht das nichts aus.
Der Iceman ist heiß auf seine erste Saison in der Rallye-WM. "Ich freue mich riesig auf den Start", sagte Räikkönen vor Beginn der Rallye Schweden. Er sieht sich gut gerüstet für ein neues Kapitel in seiner Karriere. "Mit Citroën habe ich mich gut auf diese Rallye vorbereitet. Nach all den Kilometern, die nun hinter mir liegen, sehe ich keinen Grund zur Sorge", sagte er.
"Eine enorme Herausforderung"
Der Formel-1-Weltmeister von 2007 hat - zumindest für dieses Jahr - dem teuren Kreisverkehr den Rücken gekehrt, nachdem ihm Ferrari nicht mehr haben wollte. Nun widmet er sich voll und ganz seiner zweiten PS-Passion - und schreibt Rallye-Geschichte: Als erster Champion der Königsklasse absolviert er fast eine komplette Saison in der Rallye-WM - nur den fünften von 13 Läufen in Neuseeland lässt er aus.
"Ich weiß, dass ich noch viel lernen und auch viel Erfahrung sammeln muss", sagte Räikkönen. "Mein Debüt in Schweden ist für mich eine enorme Herausforderung, aber eine solche muss jeder neue Fahrer hinnehmen. Ich nehme diese Herausforderung sehr gerne an." Neben dem französischen A-Kader mit dem sechsfachen Rekord-Champion Sébastien Loeb aus Frankreich und dessen spanischen Partner Dani Sordo wird der Neuling zusammen mit dem Franzosen Sébastien Ogier im Citroën C4 für das Junior-Team starten.
Insider glauben, dass Räikkönen, der im letzten August in seiner finnischen Heimat in seinem privaten Fiat Grande Punto bis zu seinem Ausfall mit dem 15. Zwischenrang ein beachtliches WM-Gastspiel gegeben hatte, durchaus den Speed habe.
Punkte wie in der Formel 1
Was ihm fehle, sei die perfekte Anfertigung und Umsetzung der Streckennoten, die ihm sein WM-erfahrener Beifahrer Kaj Lindström, ehemaliger Co-Pilot des vierfachen Weltmeisters Tommi Mäkinen, vorliest. Die Generalprobe bei der Arctic Rallye Lappland Ende Januar fiel durchwachsen aus. Nach einem Unfall zu Beginn verlor Räikkönen eine halbe Stunde. Er fuhr aber weiter und wurde 58.
Neben Loeb, der 2004 in Schweden gewonnen hatte, dem finnischen WM-Zweiten Mikko Hirvonen sowie dessen Landsmann und Ford-Teampartner Jari-Matti Latvala werden auch dem zweimaligen Weltmeister Marcus Grönholm die besten Siegerchancen eingeräumt. Der fünffache Schweden-Gewinner und 30-fache Laufsieger aus Finnland gibt im Ford Focus bei seiner "Lieblings-Rallye" nach zehnmonatiger Abstinenz sein zweites WM-Comeback.
Der deutsche Rallye-Meister Hermann Gaßner junior startet erstmals in Schweden. Der 20-Jährige wird in diesem Jahr im seriennahen Mitsubishi Lancer ein "Mini"-WM-Programm mit fünf Rallyes bestreiten. In diesem Jahr kommt auch in der Rallye-WM das ebenfalls für diese Saison in der Formel 1 eingeführte Punktesystem zur Anwendung. Bis zum zehnten Gesamtrang werden Punkte verteilt. Der Sieger erhält 25 Zähler, der Zehnte noch einen Punkt.