Jeremy Wariners Traum vom Titel-Hattrick bleibt unerfüllt. Auf der 400-Meter-Strecke fand der US-Amerikaner in Landsmann LaShawn Merrit seinen Meister. Mit Gold und Silber bauten die beiden die Medaillenbilanz ihres Landes auf der längsten Sprintstrecke auf 20 aus.
Vor 42.400 Zuschauern wurde Merritt seiner Favoritenrolle gerecht und gewann das Rennen auf nasser Bahn und bei empfindlicher Kühle in der glänzenden Weltjahresbestzeit von 44,06 Sekunden.
Wariners Traum vom dritten Gold nach 2005 und 2007 ist dagegen geplatzt. Der 25-Jährige musste sich in 44,60 Sekunden wie schon bei den Olympischen Spielen in Peking mit Platz zwei zufriedengeben.
Nerven behalten
Eine Demütigung wie im Vogelnest der chinesischen Metropole, als Wariner von Merritt regelrecht gerupft wurde und unglaubliche 0,99 Sekunden auf der Stadionrunde verlor, blieb dem entthronten Champion diesmal zumindest erspart.
Bereits im Halbfinale hatte Merritt mit der Weltjahresbestzeit (44,37) angedeutet, dass er sich nach Olympia-Gold nun auch seinen ersten WM-Titel holen will. Und er behielt die Nerven: Im Finale konnte sich der Sportmanagement-Student aus Norfolk/Virginia auf den letzten 100 Metern absetzen - Wariner gab sich kurz vor der Ziellinie geschlagen.
Ausgezeichneter Musiker
Merritt wandelt auf den Spuren seines großen Landsmanns Michael Johnson. Der Weltrekordler war fast 26, als er sich in Stuttgart seinen ersten von vier WM-Titeln über 400 Meter sicherte. Sein Nachfolger ist gerade einmal 23 Jahre und 53 Tage alt. Mit drei Titeln bei der Junioren-WM 2004 in Grosseto deutete er sein großes Talent für die längste Sprintstrecke an.
Auch außerhalb der Rennbahn verblüfft der Schützling von Trainer Dwayne Miller durch seine Talente. Merritt spielt ausgezeichnet Trompete, Klavier und Schlagzeug - nicht nur für den Hausgebrauch. Er könnte auch als Musiklehrer sein Geld verdienen.
Allyson Felix ist zum dritten Mal hintereinander Weltmeisterin über 200 Meter. Die 23-jährige Amerikanerin siegte am Freitagabend im Berliner Olympiastadion in 22,02 Sekunden. Silber gewann Veronica Campbell-Brown aus Jamaika, die Olympiasiegerin von 2004 und 2008, in 22,35 vor Debbie Ferguson-McKenzie von den Bahamas in 22,41. Eine deutsche Teilnehmerin war nicht am Start. Damit verpasste Jamaika den sechsten Sprint-Titel bei der Leichtathletik- WM.
800 Meter: Kaki stürzt
Favoritensturz über 800 Meter: Der Weltjahresbeste Abubaker Kaki aus dem Sudan verpasste bei der Leichtathletik-WM in Berlin den Endlauf, weil er in der zweiten Kurve seines Halbfinallaufs auf der nassen Bahn ausrutschte und stürzte. Als Favorit geht nun der 1500-Weltmeister Yusuf Saad Kamel aus Bahrain ins Finale. Er lief am Freitagabend in 1:45,01 Minuten die beste Halbfinal-Zeit. Titelverteidiger Alfred Kirwa Yego aus Kenia qualifizierte sich in 1:45,22 Minuten ebenfalls für den Endlauf.