Debakel der Weitspringerinnen - Bronze im Hochsprung
Beatrice Marschek springt... zu kurz
Das Wetter in Berlin war ebenso durchwachsen wie die deutschen Leistungen am siebten Tag der WM. Nach Sonne am Morgen, öffnete der Himmel am Nachmittag seine Schleusen. Und so lagen auch Freud und Leid im deutschen Team ganz dicht beieinander - auch sportlich.
Vor 42.378 begeisterten Zuschauern im Olympiastadion gewann der 21-jährige Dresdner Raul Spank mit übersprungenen 2,32 Metern gemeinsam mit dem Polen Sylwester Bednarek Bronze im Hochsprung. Damit haben die Deutschen bereits ebenso viele Plaketten gewonnen wie 2007 bei der WM in Osaka - sieben. Weltmeister wurde der Russe Jaroslav Rybakov.
Super, gigantisch, perfekt! Beim letzten Sprung bin ich etwas ins Stolpern gekommen, der hätte sonst eine echte Granate werden können", sagte Spank und machte eine Verbeugung vor dem Publikum im Olympiastadion. "Die Zuschauer standen hinter mir, ich war fast schon übermotiviert. Meine Ziele sind jetzt der Olympiasieg und 2,40 Meter."
Spank ließ sich auch nicht dadurch irritieren, dass der Wettbewerb durch ein Unwetter über eine Stunde verschoben werden musste und der Anlauf dann immer noch nass war. Er hatte sogar auf Regen gehofft: "Dann muss man sich konzentrieren und sauber arbeiten - und das kann ich."
13 Springer im Finale - das war die Glückszahl für Spank. Dabei hatte er bei seinen 2,30 Meter in der Qualifikation viel Kraft gelassen und "keinen Gedanken" an eine Medaille verschwendet. Doch in den entscheidenden Momenten riss sich der deutsche Meister von 2008 zusammen: Die 2,28 nahm er im dritten Anlauf, die 2,32 im zweiten. Für drei Zentimeter mehr reichte die Energie nicht mehr.
Bei den schwierigen Bedingungen verabschiedete sich Andra Manson aus den USA als erster Mitfavorit. Europameister und Olympiasieger Andrej Silnow aus Russland fehlte wegen einer Verletzung. Die WM- Debütanten Spank und Bednarek lieferten sich einen harten Kampf mit dem Olympia-Dritten Rybakov und dem Zyprioten Kyriakos Ioannou, alle vier kamen nicht über 2,32 Meter hinaus. Am Ende entschied die Anzahl der Fehlversuche über die Platzierungen.
Während sich Zyperns erfolgreichster Sportler der Leichtathletik-Geschichte über Rang zwei freute, jubelte der 28 Jahre alte Rybakov lauthals. Kaum einer hatte so lange auf Gold warten müssen wie der Russe: Nach jeweils dreimal Silber bei Freiluft- und bei Hallen- Weltmeisterschaften stand er doch noch ganz oben auf dem Treppchen. Auf Rang zehn stürzte Hallen-Europameister Iwan Uchow ab. Der Russe war einer der Topfavoriten und hatte Ende vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt, als ihm der Weltverband IAAF eine strenge Verwarnung erteilte - weil er einen Wettkampf unter Alkoholeinfluss bestritt. Spank konnte hingegen seine eigene Zielvorgabe erfüllen: "Bessersein als in Peking und nicht Vierter werden - wenn ich gesund bin."
Frank qualifiziert
Während sich Speerwerfer Mark Frank mit 80,85 Metern souverän seiner Aufgabe in der Qualifikation entledigte, versagte das deutsche Weitsprung-Trio bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften und schob die Schuld danach auf die widrigen Bedingungen.
Frustration bei Weitspringerinnen
Frustriert war vor allem Bianca Kappler, die sich bei ihrem Comeback nach ihrem Achillessehnenriss vor einem Jahr viel mehr vorgenommen hatte. "6,52 Meter hätten für das Finale gereicht, das hätten wir alle drei schaffen müssen", meinte die WM-Fünfte von Osaka, nachdem sie in diesem Jahr schon 6,81 Meter gesprungen war.
"Man merkt uns an, dass wir ziemlich traurig sind. Das war heute ein echtes Glücksspiel mit dem Gegenwind. Und dann hat auch noch der Himmel angefangen zu weinen", schimpfte die 32-Jährige aus Rehlingen. "Jetzt werde ich mich drei Tage im Frust vergraben."
Auch die beiden WM-Neulinge Melanie Bauschke (Berlin/6,32) und Beatrice Marscheck (Gießen/6,19) kamen unter diesen Umständen nicht annähernd an ihre gewohnten Leistungen heran. "Man kommt her mit Träumen - und dann kommen der Gegenwind, der Regen und die eigenen Nerven. Und dann geht gar nichts mehr", meinte U23-Europameisterin Bauschke.
Männer-Staffel verliert Stab
Ebenfalls enttäuscht war die deutsche Männer-Staffel über 4 x 100 Meter. Sie verpatzte einen Wechsel verpatzt und schied aus. Marius Broening (Tübingen) konnte den Stab nicht an den zu schnell gestarteten Alexander Kosenkow (Wattenscheid) weiterreichen. Als Startläufer war Tobias Unger (Kornwestheim/Ludwigsburg) im Einsatz. Martin Keller (Chemnitz) kam als Schlussläufer gar nicht mehr zum Einsatz.
Den dritten Vorlauf gewann Italien in 38,52 Sekunden vor Jamaika. Das Quartett des Olympiasiegers rannte allerdings ohne den zweifachen Weltmeister Usain Bolt sowie Ex-Weltrekordler Asafa Powell. Die schnellste Zeit gelang Titelverteidiger USA auch ohne Tyson Gay in 37,97.
Müller Sechste im Ring
Beim Diskuswurf holte Nadine Müller aus Halle mit 62,01 Metern den sechsten Platz. Die erst 21 Jahre alte Australierin Dani Samuels gewann die Goldmedaille und sorgte für eine Überraschung. Die Junioren- Weltmeisterin von 2006 siegte mit der persönlichen Bestleistung von 65,44 Metern vor der Kubanerin Yarelis Barrios (65,31) und der bereits 37-jährigen Nicoleta Grasu aus Rumänien (65,20).
Mark Frank war der Lichtblick
Wie man es besser macht, demonstrierte den deutschen Damen der Speerwerfer Mark Frank. Der Rostocker legte gleich mal 79,04 Meter vor und nutzte dann aus, dass die Bedingungen auch beim zweiten Versuch noch akzeptabel waren. Damit lag der 22-Jährige auf einem beruhigenden zweiten Platz, als der sintflutartige Regen das Olympiastadion überschwemmte. Mehr als eine Stunde musste die Qualifikation unterbrochen werden.
Mark Frank verschwand daher schnell in den Katakomben. "Das Risiko bei der nassen Anlaufbahn wäre viel zu groß", meinte sein Trainer Ralf Skopnik. Im Finale am Sonntag peilt Frank nun bei hoffentlich günstigeren Bedingungen eine persönliche Bestweite an, die bislang bei 84,88 Meter steht. Top-Favorit ist dann der Weltjahresbeste Vadims Vasilevskis aus Lettland, der mit 86,69 am deutlichsten die Qualifikationshürde von 82,00 Metern übertraf.