Gummersbach demütigt den HSV

Martin Schwalb war der Verzweiflung nahe
Gut 10.000 Zuschauer in der Hamburger Color Line Arena waren mucksmäuschenstill. Zehn Minuten waren noch zu spielen und der HSV lag nicht nur mit sechs Toren hinten, sondern war gegen einen erstklassig eingestellten VfL Gummersbach schlicht und ergreifend hilflos. Am Ende verlor der HSV mit 31:39.
In der Ferne durfte sich der THW Kiel die Hände reiben, denn der Titelverteidiger übernahm durch diese Niederlage zumindest nach Minuspunkten wieder die Tabellenführung.
Es war ein verrücktes Spiel, das Taktikfreunden die Freudentränen in die Augen trieb und so manchen unbedarften Zuschauer verwirrt haben dürfte. VfL-Trainer Sead Hasanefendic hatte seinem Team eine offensive 3:3-Deckung verordnet. Zunächst schien der HSV damit ganz gut zurechtzukommen und ging mit 6:3 in Führung.
Gummersbach hielt dennoch an seinem Konzept fest und wurde dafür belohnt. Die aggressive Bewachung schmeckte dem Hamburger Rückraum überhaupt nicht. Leichte Ballverluste und überhastete Abschlüsse waren die Folge. Den beiden Spielmachern Domagoj Duvnjak und Guillaume Gille gelang es nicht, den Ball laufen zu lassen und somit Löcher in der Abwehr zu reißen.
Schwalb riskiert alles
Einzig Hans Lindberg hielt die Gastbeber mit acht Toren in der ersten Hälfte (am Ende waren es elf) im Spiel. Als auch noch zwei Gummersbacher kurz vor der Halbzeit zwei Minuten vom Feld mussten, konnte der HSV einen Zwei-Tore-Rückstand immerhin noch korrigieren und zum 17:17 ausgleichen. Doch das blieb eine Momentaufnahme und konnte über die Schwierigkeiten der Hamburger mit dem VfL nicht hinwegtäuschen.
Das hatte wohl auch HSV-Coach Martin Schwalb so gesehen und deshalb versuchte er, mit einem Trick in der zweiten Halbzeit die Gummersbacher Defensive auszuhebeln. Im Angriff nahm er nun seinen Keeper vom Feld und brachte mit Pascal Hens einen siebten Feldspieler. So wollte er die Gummersbacher zurück an den Kreis drängen und in Überzahl Tore erzwingen.
Pascal Hens im Tor
Das Konzept ging aber nicht auf. Seiner Mannschaft fehlte es an Passsicherheit und der VfL war weiterhin hellwach. Immerhin bekamen die Fans skurrile Szenen geboten. Mehrfach traf Gummersbach aus großer Distanz ins leere HSV-Tor und in der 36. Minute stand plötzlich sogar Pascal Hens im Hamburger Tor, da er nicht schnell genug mit Johannes Bitter wechseln konnte.
Da auch Lindberg in dieser Phase einen Siebenmeter und einen freien Wurf von Außen vergab, zog Gummersbach davon. Nach 42 Minuten korrigierte Martin Schwalb seine fehlgeschlagene taktische Maßnahme, doch auch das hatte keinen Erfolg mehr. Sofort zermürbte die VfL-Defensive den HSV wieder mit der aggressiven Deckung und zog Tor um Tor davon. In gleichem Maße wie das Selbstvertrauen der Gäste wuchs, wurde die Hilflosigkeit der Hanseaten größer.
Die geschockten Fans reagierten mit Stille, selbst Pfiffe waren nur vereinzelt zu hören. Am Ende belohnten sich die Gummersbacher für ihre überragende Leistung mit einem kaum für möglich gehaltenen, aber völlig verdienten 39:31-Sieg. Vedran Zrnic ragte mit zwölf Treffern heraus, Drago Vukovic (7) sowie Christoph Schindler und Adrian Pfahl (6) zeigten sich ebenfalls treffsicher.