Anders Eggert Jensen (re.) schnappt sich Holger Glandorf
Die deutsche Mannschaft hat bei der WM in Kroatien das Halbfinale verpasst. Die DHB-Auswahl verlor gegen Dänemark mit 25:27 und in letzter Sekunde platzte auch noch die erhoffte Schützenhilfe in der Partie Norwegen gegen Polen. Wieder sorgten die Schiedsrichter für heftige Diskussionen.
"Das grenzt schon fast an Betrug", schimpfte der aus Göppingen beim Sender RTL live zugeschaltete verletzte Spielmacher Michael Kraus. "Wir sind ganz klar benachteiligt worden. So eine Leistung darf auf internationaler Bühne nicht sein. Die Schiedsrichter haben uns um unseren Traum gebracht", wetterte auch Torwart Johannes Bitter. "Ich denke, irgendwann werden wir das zurückbekommen", meinte Trainer Heiner Brand, nachdem er seinen Jungs noch auf dem Parkett eine "sensationelle Leistung" attestiert hatte.
Die ganze Dramatik setzte sich dann im entscheidenden Gruppenspiel zwischen Polen und Norwegen fort. Ein Unentschieden hätte die deutsche Mannschaft noch ins Halbfinale gebracht und lange Zeit sah es tatsächlich danach aus. 15 Sekunden vor Schluss stand es 30:30 und es gab eine Auszeit.
Norwegen hatte den Ball und nahm einen zusätzlichen Feldspieler für den Keeper auf das Feld. Doch dann vertendelte das Team fünf Sekunden vor Ende den Ball, der Pole Artur Siodmiak schnappte sich die Kugel und warf sie über das gesamte Feld ins leere Tor zum 31:30-Sieg. Damit ist Polen neben Dänemark im Halbfinale, Deutschland spielt um Platz fünf gegen Ungarn.
Deutschland mit beherztem Auftritt
Gegen die Dänen zeigte die deutsche Mannschaft trotz des Fehlens von Kraus und des nur bedingten Einsatzes von Pascal Hens eine beherzte Leistung, hatte letztlich aber das Nachsehen. "Ein ganz, ganz großes Kompliment an die Jungs", meinte Kraus, er sei aber "sehr, sehr enttäuscht, dass das Spiel schon wieder durch die Schiedsrichter entschieden wurde."
Hens hatte sich trotz seiner Oberschenkelprobleme fit gemeldet und lief von Beginn an auf. Im Tor stand zunächst Johannes Bitter, Silvio Heinevetter nahm auf der Bank Platz und Carsten Lichtlein musste auf die Tribüne. Die deutsche Mannschaft erwischte einen Start nach Maß und ging durch Hens in Führung. Nach fünf Minuten stand es 3:1 und die Mannen von Heiner Brand hatten sogar Ballbesitz.
Doch nun begann die Zeit von Dänemarks Keeper Kaspar Hvidt. Mit drei Paraden hintereinander verhinderte er eine Drei-Tore-Führung der DHB-Auswahl. Und das war erst der Anfang, denn Hvidt steigerte sich immer mehr und machte viele deutsche Chancen auf leichte Tore zunichte. So kamen die Dänen wieder heran und gingen nach rund zehn Minuten in Front.
Hens nach 20 Minuten raus
Doch auch bei den Skandinaviern klappte längst nicht alles. Abspielfehler und technische Mängel machten so manchen Angriff zunichte. Keine Mannschaft konnte sich in der Folge absetzen. Bei Deutschland lief in dieser Phase viel über Sebastian Preiß am Kreis.
Nach 20 Minuten ging Pascal Hens auf die Bank, die Blessur machte dem Hamburger offensichtlich wieder zu schaffen. Für ihn kam Lars Kaufmann und der fügte sich mit zwei Treffern gleich gut ein. Beim Stand von 14:13 schien Deutschland schon mit einer knappen Führung in die Pause zu gehen, doch dann vollbrachte Lasse Boesen das Kunststück, in der letzten Sekunde einen Freiwurf direkt zu verwandeln.
Immer wieder Hvidt
Nach dem Wechsel zeigte sich das gleiche Bild wie in der ersten Halbzeit. Das Spiel wog Hin und Her. Jedes Mal, wenn man die Hoffnung hatte, dass sich das Team von Heiner Brand etwas absetzen könnte, trat Kaspar Hvidt auf den Plan. So konnte Deutschland auch eine 17:15-Führung nicht halten. Ob Torsten Jansen beim Tempogegenstoß oder Dominik Klein vom Siebenmeterpunkt - der dänische Keeper entschied viele Duelle für sich.
Auf der anderen Seite konnte Jogi Bitter nicht so häufig glänzen, doch dafür räumte seine Abwehr vor ihm hervorragend auf. Selten wurden den Dänen gute Wurfmöglichkeiten gewährt. Rund sieben Minuten vor Ende spitzte sich das Geschehen beim Stand von 22:22 zu.
Schiedsrichter übernehmen Hauptrolle
Die Partie schien zugunsten der Dänen zu kippen. Die deutsche Abwehr bekam vor allem Hans Lindberg nicht mehr in den Griff. Martin Strobel ließ dem Rechtsaußen vom HSV oftmals zu viel Raum. Dennoch kam Deutschland nach einem 22:24 noch einmal zurück und glich zum 25:25 aus. Und das obwohl auch schon in dieser Phase zwei Aktionen gegen Dominik Klein im Angriff nicht geahndet wurden.
Gut zwei Minuten waren noch zu spielen und die Dänen waren in Unterzahl. Die deutsche Deckung zwang Lindberg zu einem Verzweiflungswurf, der erst von der Abwehr und dann von Keeper Bitter berührt wurde. Das hätte Ballbesitz für das DHB-Team bedeuten müssen, doch die Schiedsrichter waren anderer Meinung.
Sie hatten keinen Ballkontakt von Johannes Bitter gesehen und gaben den Dänen den Ball. In der nächsten Aktion kassierte sich erst Strobel nach Foul an Lindberg eine Zwei-Minuten-Strafe und dann machte Jörgensen auch noch das 26:25 für Dänemark. Als Jansen im Gegenzug am Pfosten scheiterte, war die Partie gelaufen. Dänemark traf noch zum 27:25 und steht sicher im Halbfinale. Deutschland muss dagegen auf ein Wunder hoffen.