Geld spielt bei BM Ciudad Real keine Rolle. Für sein liebstes Spielzeug öffnet Vereinspräsident Domingo Diaz de Mera gerne die Schatulle. In rund 15 Jahren machte der Milliardär aus einem unbedeutenden Club in der Provinz eine der feinsten Adressen der Handball-Welt.
Selbst die Real-Macher aus dem 200 Kilometer entfernten Madrid waren von dem Ergebnis offenbar mehr als beeindruckt. Jedenfalls bekam Diaz de Mera eines Tages die Anfrage der Königlichen, ob man denn seinen Club kaufen könne. Die prestigeträchtigen Duelle zwischen Real und dem FC Barcelona sollten künftig nicht auf Fußball und Basketball beschränkt bleiben, sondern auch im Handball stattfinden.
Die Antwort von Domingo Diaz de Mera war unmissverständlich. „Bevor Sie diesen Verein kaufen, werde ich eher Real Madrid übernehmen", erklärte er. Auch wenn das sicherlich utopisch ist, verdeutlicht diese kleine Episode doch das Selbstverständnis des angeblich zweitreichsten Mannes Spaniens. Moderne Arena in der Provinz
Mit sehr viel Geld und Beharrlichkeit verfolgt er seine Ziele und erreicht diese, zumindest was den Handball betrifft, zumeist auch. Anders als der FC Chelsea von Roman Abramovich konnte Ciudad Real im Jahr 2006 sogar schon die Champions League bereits gewinnen.
Bis auf einen steinreichen Gönner, der für sein Hobby unzählige Millionen ausgibt, haben Ciudad Real und der englische Nobelclub allerdings nicht viel gemeinsam. Ciudad ist keine schillernde Metropole wie London, sondern ein 60.000 Einwohner zählendes Städtchen in der Provinz La Mancha.
Domingo Diaz de Mera herrscht in der Region über ein Netzwerk von Firmen und fördert dort beileibe nicht nur den Sport. Auch den Flughafen und die Universität ließ er renovieren. Und natürlich baute er für seinen Verein auch eine angemessene Heimstätte. Die Quijote-Arena bietet 5860 Zuschauern Platz und zählt zu den modernsten Handball-Arenen Europas.
Lauter Weltklassespieler
Darin tummelt sich auf dem Parkett die Creme de la Creme des Welt-Handballs. Rund 13 Millionen Euro beträgt der Etat des Vereins, das ist in etwa das Doppelte von dem, was der THW Kiel ausgibt. Dafür hat Ciudad Real auf jeder Position mindestens zwei Weltklassespieler zur Verfügung. Manchmal führt das zu kuriosen Problemen. Ales Pajovic, musste zu Beginn der Saison zunächst auf der Tribüne Platz nehmen, da Ciudad Real die Ausländerbeschränkung (neun Spieler) überschritten hatte.
Pajovic wurde kurzerhand für zwei Monate nach Kiel ausgeliehen, ehe er Ende 2007 nach Spanien zurückging. Das Ausländerproblem wurde in der Zwischenzeit gelöst, indem der serbische Torwart Arpad Sterbik und Rückraum-Star Siarhei Rutenko aus Weißrussland mit spanischen Pässen ausgestattet wurden.
Sterbik ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie Diaz de Mera es immer wieder schafft, Weltstars in die Provinz zu locken. Der Vertrag des Welthandballers von 2005 wurde jüngst bis 2014 verlängert. Sterbik wird dafür jährlich mit 310.000 Euro netto entlohnt. Auto und Haus gibt es selbstverständlich noch dazu. Den spanischen Spielmacher Chema Rodrguez eiste Ciudad Real einst für eine Ablösesumme von 800.000 Euro aus Valladolid los.
"Such Dir Dein Haus aus"
Beinahe legendär ist auch eine kleine Anekdote aus der Vergangenheit. Der inzwischen nach Kroatien zurückgekehrte Weltklassespieler Mirza Dzomba durfte sich im Jahr 2004 dem Vernehmen nach das Gehalt selber in den Vertrag schreiben. Zudem fuhr der Präsident seinerzeit mit Dzomba durch die Stadt und ließ den Kroaten sein zukünftiges Haus aussuchen.
Doch klar ist auch, dass es Diaz de Mera mit seinem großen Engagement geschafft hat, eines der erfolgreichsten Teams der Welt zu formen. Zei spanische Meistertitel und Pokalsiege, sowie der zweifache Triumph im Europapokal der Pokalsieger und der Gewinn der Chapions League belegen das eindrucksvoll.