
Marco Reus will
Einst galt er als Kopie von Bremens Marko Marin, mittlerweile hat Marco Reus seinen Vorgänger in Mönchengladbach längst überholt. Vor den Relegationsspielen gegen den VfL Bochum stellt sportal.de den Flügelflitzer vor, der bei der einen Borussia ausgebildet wurde und der anderen die Treue halten will.
Denn seit Monaten schon halten sich Gerüchte, Reus könnte die Fohlen im Sommer verlassen. Bei Abstieg in jedem Fall, aber selbst im Falle des Klassenerhalts sei ein Wechsel nicht auszuschließen. Borussia Dortmund wurde dabei, auch wegen seiner Vergangenheit in Gelb-Schwarz, stets als aussichtsreichster Kandidat genannt, doch auch der FC Bayern soll schon über Reus diskutiert haben.
Doch rechtzeitig vor den beiden wichtigsten Spielen der jüngeren Vereinsgeschichte in Mönchengladbach hat Reus nun klar Stellung bezogen. In einem Interview mit der Sport Bild sagte Reus: "Ich bleibe in jedem Fall in Gladbach." Zudem will die Bild-Zeitung Details aus Reus' Vertrag erfahren haben, der 21-Jährige habe in diesem Sommer keine Ausstiegsklausel, im nächsten Jahr soll er dann 18 Millionen Euro kosten.
Die Überzeugung nach der Serie
Ob sein "in jedem Fall" tatsächlich auch für den Fall des Abstiegs gilt, muss abgewartet werden. Immerhin gehen die Borussen nach zehn Punkten aus den letzten vier Spielen als klarer Favorit in die Relegation - allerdings werden gegen die defensiv orientierten Bochumer andere Qualitäten gefragt sein, als bei den Siegen gegen Dortmund und Hannover. Muss die Borussia selbst das Spiel machen, tut sie sich in der Regel schwerer. Aber Reus ist überzeugt vom Klassenerhalt und so kommt sein Statement wohl zum richtigen Zeitpunkt.
Denn nach dem 30. Spieltag hätte sich Reus mit einer so klaren Aussage schwer getan. Die Gladbacher hatten gerade mit 0:1 in Mainz verloren und bei nur 26 Punkten sowie einem extrem schweren Restprogramm wurden die Gladbacher aufgegeben. Nur innerhalb der Mannschaft gab es immer noch sehr optimistische Töne, drei Siege aus den verbleibenden vier Partien wären durchaus zu schaffen.
Dass es dann tatsächlich so kommen sollte, daran hatte insbesondere Reus einen großen Anteil. Mit seinen Treffern gegen Hannover und Freiburg schraubte er seine persönliche Bilanz auf zehn Tore und neun Vorlagen, was ihn zum Topscorer der Borussia machte. Gladbach gewann drei Spiele in Folge zu Null und hätte sich am letzten Spieltag in Hamburg sogar fast direkt gerettet.
Falsch eingeschätzt
Das Interesse des Deutschen Meisters an Reus zeugt zum einen von seiner großen Qualität, andererseits ist es auch ein Beweis dafür, dass die Jugendarbeit und das Scouting in Dortmund unter Jürgen Klopp deutlich verbessert wurde. Denn bis 2006 spielte der gebürtige Dortmunder Reus, der seine ersten Schritte beim Post SV Dortmund machte, beim BVB. Dann wurde er aber für körperlich nicht robust genug eingestuft und zu Rot Weiss Ahlen transferiert.
In Ahlen durchlief er die U 19 und die zweite Mannschaft, um dann mit den Profis in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Er traf auf einen gewissen Kevin Großkreutz, der in Dortmund sogar noch früher aussortiert wurde - gemeinsam schafften sie mit Ahlen den Klassenerhalt. "Das Besondere ist, dass sie ihre hervorragende Technik auch in höchstem Tempo ausspielen können", sagte ihr damaliger Trainer Christian Wück gegenüber spox.com. "Das ist der Faktor, weshalb sie sich jetzt auch in der Bundesliga durchsetzen. Dazu kommt unbändiger Wille und nicht zuletzt die nötige Torgefahr."
Denn nach dem erfolgreichen Abstiegskampf in Ahlen trennten sich die Wege von Reus und Großkreutz. Der eine ging nach Gladbach, der andere fand den Weg zurück in die Heimat. Die beiden halten zwar Kontakt, doch während Großkreutz offen zu seiner Liebe zum BVB steht (auch zu Ahlener Zeiten stand er regelmäßig in Dortmund auf der Südtribüne), fließt bei Reus mittlerweile Fohlen-Blut durch die Adern. In einem Fragebogen von rp-online antwortete er einmal: "Mönchengladbach ist eine geile Stadt mit geilen Fans und einem geilen Stadion." Die Stimmung im Borussia Park hält er sogar für intensiver als in Dortmund.
Gute Wahl: Acht Millionen und die bessere Nummer elf
Reus, für eine Ablöse von einer Million Euro eher als Ergänzungsspieler geholt, setzte sich ungewöhnlich schnell in Mönchengladbach durch. Sein Bundesliga-Debüt feierte er in der Saison 2009/10 direkt am ersten Spieltag, ausgerechnet in Bochum. Die Borussia hatte eine 3:0-Führung aus der Hand gegeben, am Ende half Reus als Joker das 3:3 zu halten. Nur drei Wochen später erzielte er gegen Mainz bereits sein erstes Tor.
Schnell wurden Vergleiche zu seinem Vorgänger mit der Nummer elf in Mönchengladbachs Mittelfeld laut. Namensvetter Marin, wie Reus Jahrgang 1989, schafft schon drei Jahre früher den Durchbruch und ging für acht Millionen Euro zu Werder Bremen. Beide gelten als schnell, beide spielen am liebsten auf der Außenbahn, sie suchen häufig die Eins-gegen-Eins-Situationen und können dem Spiel ihrer Mannschaft das besondere Etwas verleihen.
In dieser Saison wurden die Vergleiche aber immer seltener, denn während der eine (Marin) stagniert, verlässt der andere (Reus) die Überholspur nicht. Reus sucht häufiger den Abschluss, ist dadurch mit seiner tollen Schusstechnik viel torgefährlicher, mit dem Ball am Fuß verliert er kaum Geschwindigkeit und heutzutage die fast wichtigste Erkenntnis: Reus vernachlässigt die Defensive nicht, er macht die Wege nach hinten konsequent mit und ist sich auch für Fouls nicht zu Schade - Gladbachs größte Sorge der letzten Woche war die drohende zehnte Gelbe Karte für Reus.
"Schwer zu schlagen"
Nun schließt sich für Reus gegen Bochum vorerst der Kreis in der Bundesliga - für den Youngster steht das positive Ende außer Frage. "Wir wissen, was wir können", sagte Reus gegenüber fohlen-hautnah.de. "Und wenn wir das zeigen und 100 Prozent geben, dann wird es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen. Dann wollen wir mal schauen, ob Bochum das zu spüren bekommt."
Doch beendet ist seine Saison auch nach den beiden Partien gegen Bochum noch nicht. Denn die vielen Stärken sind auch Bundestrainer Joachim Löw nicht verborgen geblieben. Bereits zum dritten Mal hat er Reus nominiert, passiert in der Relegation nichts, könnte es gegen Uruguay auch endlich mit dem Debüt in der Nationalelf klappen - die beiden Male davor musste Reus wegen Verletzung und Krankheit absagen. Für Marin scheint der Weg zurück ins DFB-Team dagegen, auch wegen Reus, sehr weit zu sein.
Marcus Krämer