Im König Baudouin-Stadion zu Brüssel traf vor 42.000 Zuschauern zum Start der EM-Qualifikation die deutsche Nationalmannschaft auf Gastgeber Belgien und gewann durch das Tor von Miroslav Klose aus der 51. Minute mit 1:0 (0:0).
Die Bilanz sprach schon vor dem Spiel deutlich zugunsten der Deutschen: Seit 56 Jahren hatte ein deutsches Team nicht mehr gegen ein belgisches Nationalteam verloren, lediglich ein Unentschieden konnten die Männer aus dem Königreich in weiteren 14 Begegnungen erkämpfen. Damit dies so blieb, setzte Joachim Löw in der Startelf komplett auf seine WM-Fahrer: In der Innenverteidigung ersetzte Holger Badstuber den verletzten Arne Friedrich, links rückte Marcell Jansen für Jérôme Boateng in die Viererkette. Damit startete keiner der Spieler, die noch im Testspiel gegen Dänemark die Anfangsformation bildeten.
Belgiens Coach Georges Leekens musste verletzungsbedingt auf einige Spieler verzichten. Im Vergleich zur 0:1-Niederlage gegen Finnland im August nahm der 61-Jährige sechs Umstellungen vor: Alderweireld, van Buyten, Simons, Fellaini, Dembélé und Lukaku kamen für van Damme, Lombaerts, Gillet, Witsel, de Bruyne und Benteke in die Startelf.
Belgien startet furios
Die erste Chance des Spiels hatten die Belgier. Rechtsverteidiger Toby Alderweireld flankte in der sechsten Minute unbedrängt von der rechten Seite in den Strafraum, wo Everton-Star Marouane Fellaini das Leder direkt nahm, es dabei aber nicht sauber traf. Knapp sauste der Ball an Manuel Neuers Tor vorbei. Ohnehin erwischten die Roten Teufel den besseren Start. Bastian Schweinsteiger verlor in der eigenen Hälfte den Ball an Vertonghen, Jungstar Romelu Lukaku prüfte Neuer aus 20 Metern mit einem wuchtigen Schuss. Der Schalker Schlussmann bestand die Prüfung jedoch souverän.
In der 13. Minute probierte es Bastian Schweinsteiger mit einem Freistoß aus dem linken Halbfeld direkt. Der Schuss verfehlte das von Gladbachs Logan Bailly gehütete Tor aber recht deutlich. Ansonsten gehörte die Anfangsphase den Gastgebern, bei denen vor allem Fellaini für mächtig Betrieb sorgte. Erst nach 19 Minuten kamen die Deutschen gefährlich vor das belgische Tor: Thomas Müller legte nach einer Linksflanke von Podolski mit der Hacke wunderbar auf Mesut Özil ab. Der Neu-Madrilene zog von der Strafraumgrenze direkt ab. Der schwächere rechte Fuß verhinderte den Torschrei der mitgereisten deutschen Anhänger. Kurz darauf scheiterte Müller selbst mit dem Kopf an Bailly.
Klose trifft nach dem Seitenwechsel
Während die Belgier trotz des arg sandigen Platzes vermehrt auf ihr schön anzusehendes Kurzpassspiel setzten, probierten es die Deutschen eher aus der Distanz. Podolskis Versuche verfehlten das Ziel (29. und 32.). Trotzdem war der Angriffswirbel der Belgier aus den ersten Minuten verpufft, Joachim Löws Männer bekamen die Partie etwas besser in den Griff, auch wenn die Gastgeber weiterhin Vorteile hatten und besser in die Zweikämpfe gingen. Miroslav Klose stocherte gegen Kompany eine Jansen-Flanke ins Toraus (39.), Manuel Neuer rutschte ein Weitschuss von Moussa Dembélé in der 42. Minute beinahe über die Fäuste. Zur Halbzeit blieb es in einer attraktiven Partie aber beim torlosen 0:0.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit wechselte Löw mit Heiko Westermann für seinen HSV-Vereinskollegen Marcell Jansen einen neuen Linksverteidiger ein. Jansen musste angeschlagen raus. Dieses Mal sorgten die Deutschen für die frühen Ausrufezeichen. Die Roten Teufel trugen jedoch einen erheblichen Teil zum 0:1 in der 51. Minute bei. Fellaini spielte das Leder in den Strafraum quer auf Daniel van Buyten. Der Münchner ließ sich von seinem Vereinskameraden Schweinsteiger den Ball vom Fuß nehmen und hob beim anschließenden Zuspiel von Müller auf Klose auch noch das Abseits auf. Klose ließ sich die Chance nicht nehmen und schob lässig zur Führung ein.
Stimmen zum Spiel:
1/4
Joachim Löw: "Der Sieg war wichtig, die Mannschaft hat guten Spirit bewiesen. Man hat phasenweise schon gespürt, dass die Spieler erst vier Wochen wieder im Training sind. Wir haben ein bisschen gebraucht, um in Schwung zu kommen, aber in der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel gut im Griff gehabt. Jetzt freuen wir uns, dass wir mal wieder zu Hause spielen können."
Bailly pariert glänzend gegen Müller
Die Gastgeber wirkten durch den Gegentreffer doch ein wenig geschockt und fanden nicht mehr so ins Spiel zurück wie im ersten Durchgang. Erst nach 61 Minuten setzte sich Dembélé auf links mal wieder durch. Allerdings machte der mitaufgerückte van Buyten seinen Fehler nicht wieder gut, weil er seinen Kopfball nicht mehr aufs Tor drücken konnte. Zwei Minuten später kam Fellaini eher zufällig im Strafraum der Deutschen zum Abschluss und schoss aus der Drehung über den Querbalken.
Eden Hazards Freistoß in der 68. Minute sorgte für weniger Gefahr als der starke deutsche Angriff zwei Minuten später, als Philipp Lahm endlich mal mit nach vorn ging und dann im richtigen Moment quer auf Thomas Müller legte. Müllers Schuss drehte Logan Bailly mit einer tollen Parade noch um den Pfosten. Beide Trainer brachten für die Schlussphase frische Kräfte: Bei den Deutschen kam Toni Kroos für Lukas Podolski in dessen 80. Länderspiel, Defour und Benteke ersetzten beim Gastgeber Hazard und Lukaku.
Insgesamt hatte die Partie in der zweiten Halbzeit weniger Tempo und Dramatik als in den ersten 45 Minuten, was vor allem daran lag, dass die Deutschen die Roten Teufel immer besser in den Griff bekamen. Kurz vor dem Ende hätte Miroslav Klose seine persönliche Torausbeute fast sogar noch ausbauen können, doch der Münchner stand bei seiner Großchance ohnehin im Abseits (88.).
So blieb es letzlich beim nicht unverdienten 1:0-Erfolg. Die Belgier müssen weiter warten und haben zumindest am Dienstag in der Türkei die Chance, die verlorenen Punkte zurückzuholen. Deutschland hat jedoch mit Aserbaidschan die vermeintlich leichtere Aufgabe.