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Der sportal.de-EM-Kader
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Ob unser Kader Jogi Löw wohl gefallen würde?

Pünktlich zum Beginn der EM-Qualifikationsspiele hat sich die sportal.de-Redaktion wieder zusammengesetzt und den unserer Meinung nach optimalen DFB-Kader nominiert. Angesichts der sehr erfolgreichen WM könnte man natürlich sagen, der Jogi weiß schon, was er tut, lasst den mal machen.

Lassen wir ja auch. Aber erstens ist unser Aufgebot schon perspektivisch auf die EM ausgerichtet, sieht sich also nicht als direkte Kritik an den Spielern, die aktuell gegen Belgien und Aserbaidschan nominiert wurden. Und zweitens hätten wir ja unseren Beruf verfehlt, wenn wir dem Bundestrainer einen Blankoscheck ausstellten und fortan keine abweichende Meinung mehr äußerten. In diesem Sinne: Bronze war gestern! Hier kommt der sportal.de-Kader...

Die Kriterien für unsere Nominierung haben sich nicht wesentlich geändert. Wir berufen einen 23-Mann-Kader, der unserer Meinung nach die besten deutschen Spieler berücksichtigt, wobei wir selbstredend um eine ausgewogene Besetzung bemüht sind. Weder Rücktritte noch Ablehnung durch den Bundestrainer interessieren uns bei unserem Auswahlprozess, wohl aber langwierige Verletzungen oder anhaltende Formkrisen.

Zur Taktik: Mit dem vorhandenen Spielermaterial erscheint ein 4-4-2-System nicht ideal. Vielmehr sollte das Überangebot an formstarken Mittelfeldspielern wie von Löw auch konsequenterweise zu einem modischen 4-2-3-1 führen. Daher haben wir auch nur vier Stürmer nominiert, dafür acht Mittelfeldspieler und acht Verteidiger.

Tor
Der am einfachsten zu nominierende Mannschaftsteil. René Adler ist nach seiner Verletzung wieder dabei. Wir hatten ihn vor seinem Ausfall im Frühjahr eigentlich als Nummer eins gesehen. Aber die gute WM von Manuel Neuer und seine tadellose Form lassen den Schalker den Vorzug erhalten. Als dritten Mann kann man ohne Sorgen Tim Wiese mitnehmen, der seit mehr als einem Jahr konstant gut hält. Weitere gute Torhüter gibt es zwar, aber gegen Jörg Butt und Frank Rost spricht ihr Alter, gegen Heinz Müller sein Kreuzbandriss und Roman Weidenfeller ist zwar solide, aber nicht ganz auf dem gleichen Niveau wie die ersten Drei.

Abwehr
Anders als im Mittelfeld ist die Verteidigung ein echtes Sorgenkind im deutschen Spiel. Arne Friedrich spielte eine überraschend starke WM, aber er hat sich jetzt verletzt (Bandscheibe), und es bleibt abzuwarten, wie schnell der Neu-Wolfsburger zurückkommt. Sein Partner in der Innenverteidigung, Per Mertesacker, hat weder bei der WM noch zuletzt in Bremen immer überzeugt. Dass wir ihn trotzdem als Pflichtnominierung ansehen, sagt einiges über die Überschaubarkeit der Gruppe der deutschen Spitzenverteidiger aus.

Jerome Boateng ist momentan auch verletzt, kann aber bei gutem Heilungsverlauf Ende September wieder bei Manchester City einsteigen. Damit erfüllt er so gerade noch unsere Fitnesskriterien und könnte entweder links in der Viererkette spielen, wie bei der WM, oder in der Innenverteidigung. In der Zentrale sehen wir Holger Badstuber neben ihm, dessen mangelnde Eignung als Außenverteidiger spätestens ein gewisser Milos Krasic bei der WM deutlich gemacht hat.

Nicht bei der WM, aber von uns seit langem gefordert, waren Mats Hummels und Benedikt Höwedes. Die beiden jungen Verteidiger komplettieren unser Angebot in der Abwehrzentrale. Für die Außenpositionen ist Philipp Lahm auf der rechten Seite natürlich gesetzt. Sollte er aus irgendwelchen Gründen nicht spielen können (oder links gebraucht werden), spricht die aktuelle Form für Andreas Beck als logischen Ersatz. Der Hoffenheimer hat seine Ausbootung vor der WM offenbar unbeschadet überstanden und beeindruckte in den ersten Saisonspielen sowohl offensiv als auch in der Abwehrarbeit.

Auf der linken Seite sehen wir wie bei der WM Dennis Aogo als guten Backup für Boateng. Der Hamburger hat nicht geglänzt, stellt aber gegenüber Alternativen wie Marcel Schäfer oder Christian Schulz das bessere Gesamtpaket dar. Der einzige Verteidiger, den wir innen im Blickfeld sehen, ist neben Friedrich Leverkusens Stefan Reinartz, bei dem es allerdings abzuwarten gilt, wie stabil seine Leistungen in der zweiten richtigen Bundesligasaison sein werden. Serdar Tasci hat einen bemerkenswerten Absturz hinter sich und muss erst einmal im Club wieder auf die Füße kommen.

Für die Außenpositionen gibt es schon mehr Auswahl, hier klopfen Gonzalo Castro, und Sascha Riether an, aber ein unvoreingenommener Blick müsste auch Tobias Levels und Patrick Ochs würdigen, wobei der Frankfurter Ochs seine gute Form seit einiger Zeit vor allem im rechten Mittelfeld zum Einsatz bringt, wo es in der Nationalelf wenig Bedarf gibt. Schließlich zeigt auch Clemens Fritz ansteigende Form, und die Entwicklung von Diego Contento sollte man ebenfalls im Auge behalten.

Mittelfeld
Das Prunkstück der deutschen Auswahl glänzte bei der Weltmeisterschaft in vielen Spielen so sehr, dass eine Umstellung auf den meisten Positionen absurd wäre. Die Doppelsechs mit dem unter Louis van Gaal zum Weltklassespieler gereiften Bastian Schweinsteiger und dem Laufwunder Sami Khedira darf als gesetzt gelten. Das sind schlechte Nachrichten für Michael Ballack, der aber ohnehin erst noch daran arbeiten muss, seine Topform wieder zu erreichen, die ihn zu Deutschlands bestem Feldspieler machte.

Unsere Nichtnominierung Ballacks ist aber keine Grundsatzentscheidung, sondern nur der momentanen Form geschuldet. Auch wollen wir uns nicht an der unsäglichen Kapitänsdebatte beteiligen, indem wir auf den Neu-Leverkusener verzichten. Wenn er dabei ist, so muss man wohl mit Löw sagen, dann ist er auch der logische Spielführer - was aber letztlich nur eine Nebensache ist, die die Frage der sportlichen Qualifikation nicht überlagern darf.

Gerade im zentralen Mittelfeld bieten sich zahlreiche Spieler an, darunter auch Simon Rolfes, der nach langer Verletzung jedoch gerade erst wieder fit wird, und dessen Entwicklung wir erst beobachten wollen. Anders sieht es bei Christian Träsch aus. Auch er verpasste die WM wegen einer Verletzung, fehlte aber nicht lange und ist als Sechser momentan so ziemlich die beste Alternative zu Schweinsteiger und Khedira.

Wenn wir etwas nach vorne blicken, dann führt an Mesut Özil hinter der Spitze kein Weg vorbei. Zwar waren die Leistungen des Neu-Madrilenen nicht immer konstant, aber seine fußballerischen Fähigkeiten sind momentan unerreicht. Das gilt auch für Toni Kroos, der aber gerade dank seiner Vielseitigkeit zwingend in den Kader gehört.

Kroos kann auch auf den Außenbahnen spielen, auf denen wir gerne noch zwei weitere Spieler sehen würden: Marcell Jansen, der bei der WM gegen Uruguay angedeutet hat, welch großes Talent er immer noch ist, sollte möglichst im Mittelfeld spielen, wo seine Qualitäten besser zum Tragen kommen als hinten links. Und Marco Reus spielt in Mönchengladbach in so starker Form, dass wir die Zeit seines Länderspieldebüts (das zweimal wegen Krankheit ausfiel) endlich für gekommen halten.

Bleibt noch eine Position offen. Marko Marin hat in der Champions League-Qualifikation gegen Sampdoria wieder einmal beide Gesichter gezeigt, die man von ihm kennt: lange Zeit abgetaucht, dann auf einmal mit zwei, drei spielentscheidenden Aktionen. Lars Bender und Sven Bender wird man in Zukunft sicher in der Nationalelf sehen, vor allem Sven ist hier einiges zuzutrauen. Beide haben aber in ihren Clubs noch keinen Stammplatz erkämpft oder diesen wieder verloren.

Kevin Großkreutz muss noch konstanter werden und vielleicht auch an seiner mentalen Reife arbeiten. Aber seine Entwicklung seit seinem Wechsel aus Ahlen nach Dortmund ist beeindruckend, und wir könnten uns vorstellen, ihn in Zukunft in der A-Nationalelf zu sehen. Sein Teamkollege Sebastian Kehl müsste ein paar Monate verletzungsfrei seine Topform aus dem Frühjahr bestätigen, dann spricht nichts dagegen, ihn nach vier Jahren mal wieder im Nationaltrikot zu sehen - höchstens die übergroße Konkurrenz im defensiven Mittelfeld.

Zu dieser zählt auch Thomas Hitzlsperger, der beim B-Länderspiel in Dänemark gut aussah, bis er verletzt vom Platz musste. Für seinen neuen Club West Ham United hat er bisher nicht gespielt, für Lazio stand er in der Rückserie nur dreimal in der Startelf. So kommt er für unseren Kader momentan nicht in Frage. Gegen Dänemark feierte auch Christian Gentner sein Comeback, auch das nicht einmal schlecht. Aber der Neu-Stuttgarter müsste beim VfB noch etwas dominanter auftreten, um seinen möglichen Wert für die Auswahl zu dokumentieren.

Wen nehmen wir also als achten Mittelfeldspieler mit? Es ist nicht Piotr Trochowski, der bei seinen Jokereinsätzen in Südafrika nicht überzeugen konnte und der im Moment auch beim HSV nur zweite Wahl ist. Statt seiner ist unsere Wahl auf Aaron Hunt gefallen. Der Bremer soll die Özil-Rolle übernehmen, was ihm streckenweise (erste Halbzeit im Hinspiel gegen Sampdoria) schon sehr gut gelungen ist. Sowohl durch die Mitte als auch über beide Flügel ist Hunt stark und wäre zum Beispiel auch auf der linken Außenbahn eine gute Ergänzung zu Thomas Müller auf der anderen Seite.

Angriff
Im Sturm sahen wir uns gezwungen, unsere kritische Haltung gegenüber Miroslav Klose zu relativieren. Der Bayern-Stürmer sucht zwar weiter nach seiner Clubform, war aber mit weiteren vier WM-Toren dann, als es darauf ankam, so stark, dass man an ihm einfach nicht vorbeikommt, wenn es um den Nationalmannschaftssturm geht.

Oft wurden während der WM Klose und Lukas Podolski in einem Atemzug genannt. An beiden hatte der Bundestrainer trotz ihrer lang anhaltenden Formschwäche festgehalten und hatte damit schon nach dem Auftaktsieg gegen Australien scheinbar "alles richtig gemacht". Das stimmt aber über die ganze WM gesehen eigentlich nur für Klose. Zwar gelangen auch Poldi zwei Treffer, aber in den Spielen gegen Serbien, Ghana und Spanien zeigte sich, dass seine Wirkung auf das deutsche Offensivspiel gegen starke Kontrahenten auf der Außenbahn schnell zum Erliegen gebracht werden kann. Wenn sich seine Kölner Form nicht deutlich steigert, würden wir Podolski weiterhin nicht nominieren.

Über Thomas Müller hingegen müssen nach seiner famosen WM eigentlich gar keine Worte mehr verloren werden, der junge Münchner ist eine feste Größe. Bleiben noch zwei Plätze im Kader übrig, die wie in Südafrika bedenkenlos mit Cacau und Stefan Kießling besetzt werden können. Als Härtefall bleibt so eigentlich nur Patrick Helmes übrig, denn Mario Gomez war bei der WM einer der wenigen Spieler, die selbst in der berauschten deutschen Elf wie ein völliger Fremdkörper wirkten.

Der sportal.de-EM-Kader vom 2.9.2010

Tor
René Adler (Bayer Leverkusen)
Manuel Neuer (Schalke 04)
Tim Wiese (Werder Bremen)

Abwehr
Dennis Aogo (Hamburger SV)
Holger Badstuber (Bayern München)
Andreas Beck (1899 Hoffenheim)
Jerome Boateng (Manchester City)
Benedikt Höwedes (Schalke 04)
Mats Hummels (Borussia Dortmund)
Philipp Lahm (Bayern München)
Per Mertesacker (Werder Bremen)

Mittelfeld
Aaron Hunt (Werder Bremen)
Marcell Jansen (Hamburger SV)
Sami Khedira (Real Madrid)
Toni Kroos (Bayern München)
Mesut Özil (Real Madrid)
Marco Reus (Borussia Mönchengladbach)
Bastian Schweinsteiger (Bayern München)
Christian Träsch (VfB Stuttgart)

Angriff
Cacau (VfB Stuttgart)
Stefan Kießling (Bayer Leverkusen)
Miroslav Klose (Bayern München)
Thomas Müller (Bayern München)

Daniel Raecke

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