So plant Felix Magath den neuen FC Schalke 04

Felix Magath plant den neuen FC Schalke
Der FC Schalke hat kurzfristig für 29 Millionen Euro drei neue Spieler verpflichtet. So viel zu den nackten Zahlen, aber wie will Trainer Felix Magath nun spielen lassen? Und was passiert mit den Härtefällen im aufgeblähten Kader? sportal.de spekuliert ein wenig über die Zukunft am Schalker Markt.
Im Moment steht Magath wieder als großer Gewinner da. Die prognostizierten 30 Millionen standen nach dem Machtkampf mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies tatsächlich bereit. Mit Klaas-Jan Huntelaar kommt nach Raúl schon wieder ein Spieler in der Bundesliga, der die deutsche Liga vor Jahren noch sicher gemieden hätte. Auch das Verhältnis zu den Fans ist nach dem runden Tisch gekittet.
Auf Schalke scheint die Sonne - wären da nicht die aktuelle sportliche Talfahrt, der riskante Umbau der Hintermannschaft, die nun wieder stark angestiegenen Gehaltskosten und das gewaltige Konfliktpotenzial in dem, selbst nach Abzug der Akteure ohne realistische Chance auf Einsatzzeiten, mit 28 Spielern etwas zu üppigen Kader.
13 neue Spieler
Magath hat sich jedenfalls für einen kompletten Umbau seiner Truppe entschieden. 15 Spieler sortierte der Trainer-Manager aus, darunter die Großverdiener Kevin Kuranyi, Rafinha, Marcelo Bordon und Heiko Westermann, für die er zudem 16,5 Millionen Euro Ablöse kassierte. Dafür holte Magath 13 neue Spieler, mit Huntelaar, José Manuel Jurado, Raúl und Christoph Metzelder sind vier Profis darunter, die gehaltsmäßig in einer ähnlichen Dimension liegen - das Argument der verschlankten Personalkosten dürfte daher nicht mehr gelten.
Die Schalker setzen auf Risiko, Magath hat sich selbst zum sportlichen Erfolg verdammt. Das internationale Geschäft und dabei eigentlich sogar die Champions League werden nach diesen Investitionen zur Pflicht.
Mit Jurado und Huntelaar hat Magath die Spieler zur Verfügung, um sein bevorzugtes 4-4-2 mit Raute spielen zu können, bisher setzte er aus Mangel an Kreativität eher auf eine Doppelsechs. sportal.de rechnet in den kommenden Wochen mit folgender Formation:
Abwehr
Vor Manuel Neuer werden trotz der Verpflichtung von Nicolas Plestan (OSC Lille/2 Millionen Euro) Christoph Metzelder und Benedikt Höwedes weitere Chancen zur Abstimmung bekommen. Metzelder wurde nach der Niederlage gegen Hannover erstmals von Magath kritisiert, trotzdem bleibt der ehemalige Dortmunder gesetzt und muss Plestan nur bei anhaltender Formschwäche fürchten.
Auf den Außenpositionen wird es dagegen noch einige Zeit dauern, bis die Schalker die ideale Besetzung gefunden haben. Hans Sarpei darf sich ernsthafte Hoffnungen auf einen Stammplatz machen, auf welcher Seite der Ghanaer eingesetzt wird, entscheidet die Konkurrenz. Auf der linken Seite konkurrieren Sergio Escudero, Lukas Schmitz und Christian Pander, rechts kann sich Magath zwischen Tim Hoogland (derzeit verletzt), Joel Matip und Atsuto Uchida entscheiden.
Mittelfeld
In der neuen Raute dürften drei Positionen fest vergeben sein. Im defensiven Mittelfeld wird Jermaine Jones wieder zum Alleinherrscher, an der Form des 28-Jährigen wird bei der insgesamt sehr offensiven Ausrichtung viel hängen. Vor Jones wird Jurado die Rolle des Spielmachers übernehmen.
Weiterhin gesetzt dürfte auch Jefferson Farfan auf der rechten Seite sein, der Peruaner war der einzige torgefährliche Spieler der vergangenen Wochen. Links darf sich Ivan Rakitic Hoffnungen machen, möglicherweise ist Magath das aber zu offen. Das gilt auch für Ciprian Deac, in einer defensiveren Ausrichtung bekommen Lukas Schmitz, Christoph Moritz oder Hao Junmin eine Chance.
Sturm
Hier gibt es keine zwei Meinungen, Raúl und Klaas-Jan Huntelaar sollen das neue Traumduo der Bundesliga werden. Doch nach den Entwicklungen der vergangenen Tage gibt es auch Verlierer im Schalker Kader, die wahrscheinlich auf das kommende Transferfenster im Winter hoffen müssen:
Die Härtefälle
Peer Kluge
Ob Peer Kluge den Wechsel nach Schalker mittlerweile schon bereut? Als Führungsspieler in Nürnberg folgte er im vergangenen Winter Magaths Ruf und machte in der Rückrunde immerhin 13 Spiele für S04. In dieser Spielzeit war er auch schon vor den aktuellen Entwicklungen außen vor. Mehr als den einen oder anderen Joker-Knochen wird ihm sein Coach wohl kaum mehr bieten können.
Erik Jendrisek
Ein Blick auf die aktuelle Tabelle könnte bei Erik Jendrisek für jede Menge schlechte Laune sorgen. Als Aufstiegsheld in Kaiserslautern kam er zum FC Schalke und nach zwei Spieltagen steht Lautern an der Spitze und Königsblau auf der anderen Seite der Tabelle. Diese Konstellation wird sich im Laufe der Zeit umkehren, viel schwerer wiegt daher die Tatsache, nur Stürmer Nummer vier zu sein. Lässt Magath in der Spitze rotieren, wird Edu spielen, Jendrisek wird nach seiner Zeit in Hannover wohl zum zweiten Mal in der Bundesliga scheitern.
Alexander Baumjohann
Auch wenn Magath nach der Niederlage gegen Hannover lobende Worte für Alexander Baumjohann übrig hatte, der 23-Jährige wird auch in der kommenden Saison den Status als ewiges Talent nicht loswerden können. Die Rolle des Spielmachers traut ihm der Trainer nicht zu und ein Mittelfeld mit Farfan, Jurado und Baumjohann läuft wohl eher unter sportlicher Selbstmord.
Marcus Krämer