Schalke und Magath haben Probleme in allen Bereichen
Wie ein begossener Pudel: Christoph Metzelder
Die Kritik an Felix Magath wird auf Schalker lauter. Dabei geht es nicht, wie noch vor wenigen Tagen, um den Führungsstil des Trainer-Managers, sondern um die Radikalität beim Kader-Umbau. Mit Christoph Metzelder gibt es bereits einen Sündenbock. Nun sollen Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart kommen, aber das wird nicht billig für die Königsblauen.
Am königsblauen Himmel ziehen dunkle Wolken auf. "Wir haben einen Fehlstart hingelegt", bekannte Trainer Felix Magath nach dem verdienten 1:2 (0:1) seines FC Schalke gegen Hannover 96. Der schlechteste Saisonauftakt des Revierclubs seit 23 Jahren entfachte eine Diskussion, ob der noch in der Vorsaison als Heilsbringer gefeierte Fußballlehrer bei seinem ambitionierten Kader-Umbau nicht zu weit gegangen ist. Doch Magath will die Flucht nach vorn antreten und mit weiteren Zukäufen im Sommerschlussverkauf bis Dienstag den bedrohlichen Trend stoppen: "Für uns gibt es auf dem Transfermarkt in den nächsten Tagen noch einiges zu tun."
Neuer hält sich zurück
Nicht nur Magath sieht großen Handlungsbedarf. Wie schon beim 1:2 eine Woche zuvor in Hamburg blieb der Vizemeister auch gegen Hannover den Nachweis seiner Klasse schuldig. Die Gegentreffer von Konstantin Rausch (31.) und Mohammed Abdellaoue (49.) besiegelten die hochverdiente Niederlage. Anders als in Hamburg gab es zwar kaum Fanproteste gegen die wachsende Machtfülle von Magath, doch der Unmut des Anhangs war unverkennbar. Auf die Frage, ob der Kader der Vorsaison möglicherweise zu stark verändert worden sei, mochte Nationalkeeper Manuel Neuer nicht antworten: "Dazu werde ich als Spieler nichts sagen."
Stellvertretend für den bisher erfolglosen Umbruch steht Christoph Metzelder. Dessen missratene Abwehrversuche und Pässe wurden in der Schlussphase von wütenden Pfiffen der Fans begleitet. In dem ehemaligen Dortmunder sehen sie den Hauptschuldigen für das Ende der langjährigen Schalker Abwehrstärke. Anders als zuletzt nahm Magath seinen Neuzugang, für dessen Transfer von Real Madrid er sich mächtig ins Zeug gelegt hatte, nicht mehr in Schutz: "Wenn ein erfahrener Spieler wie er unsicher ist, wirkt sich das auf die gesamte Hintermannschaft aus. Wir haben ihn geholt, damit er unsere Abwehr stabilisiert. Das gelingt ihm derzeit nicht."
Huntelaar und van der Vaart sind die teure Variante
Bis zum Ende der Wechselperiode sollen noch zwei Hochkaräter für den Angriff und das Mittelfeld präsentiert werden. Ganz oben auf der Wunschliste des Trainers steht offenbar Klaas-Jan Huntelaar vom AC Mailand. Für den beim italienischen Renommierclub ausgemusterten niederländischen Nationalstürmer würden allerdings rund 13 Millionen Euro fällig.
Ähnlich kostspielig wäre ein Transfer von dessen Landsmann Rafael van der Vaart (Real Madrid), der "auf Schalke" neben Jose Manuel Jurado (Atletico Madrid) und Brandao (Marseille) ebenfalls als mögliche Verstärkung gehandelt wird. Auf diese Spekulationen reagierte Magath mit einem müden Lächeln: "Da es nichts zu vermelden gibt, kann ich zu keinem Namen Stellung nehmen. Ganz klar, es werden viele Namen gehandelt."
Zu allem Überfluss mussten die Schalker auch noch den Jubel ihres ehemaligen Trainers ertragen. Wie schon in der Rückrunde der vorigen Saison in Hannover behielten die von Mirko Slomka glänzend eingestellten Norddeutschen gegen den Favoriten erneut die Oberhand. Der noch vor zwei Wochen nach dem Pokal-Knockout vom Rauswurf bedrohte Fußball-Lehrer genoss den Triumph bei seiner ersten Rückkehr an die alte Wirkungsstätte in vollen Zügen: "Wir sind überaus glücklich. Es war für uns der zweite Sieg über Schalke hintereinander. Das ist schon etwas Besonderes."
Es war das Spiel der beiden Bundesligisten, die in der Winterpause am meisten verändert hatten: Sowohl der VfL Wolfsburg als auch der SC Freiburg hatten acht neue Spieler in den Kader integriert. Anstatt eingefahrener Spielzüge gab es dann auch erratische Strafraumszenen - den Fans konnte es nur Recht sein.