In Hoffenheim wird an einer neuen Erfolgsstory geschrieben. Mit einem glücklichen 1:0-Erfolg beim FC St. Pauli eroberte die Sensationsmannschaft des Jahres 2008 die Tabellenführung zurück.
Das Tor des Tages fiel erst in der Schlussphase einer durchschnittlichen Partie, Manndecker Isaac Vorsah war nach einer Ecke zur Stelle (87.). Die Hamburger verpatzten ihre Bundesliga-Rückkehr vor heimischer Kulisse, mit drei Punkten bleiben sie aber im Mittelfeld der Bundesliga und zeigten vor allem in der ersten Halbzeit wieder gute Ansätze.
Tolle Stimmung am Millerntor
Nach den überzeugenden Auftritten am ersten Spieltag sahen sich beide Trainer zu keinerlei Wechseln genötigt. Beim FC St. Pauli musste deshalb auch Charles Takyi zunächst auf der Bank Platz nehmen, Rouwen Hennings erhielt den Vorzug. Gäste-Coach Ralf Rangnick vertraute nach den vier Toren in der ersten Partie wieder seinem Dreiersturm Peniel Mlapa, Vedad Ibisevic und Demba Ba.
Zur Einweihung der neuen Hauptribüne kamen 24.800 Zuschauer ins ausverkaufte Millerntor und zeigten sich mit glänzender Stimmung von der ersten Sekunde an erstligareif. Doch auch die beiden Mannschaften taten eine Menge für die gute Atmosphäre im Freudenhaus der Liga, das Spiel war in der ersten Halbzeit extrem offen und der Vorwärtsgang war der bevorzugte aller 22 Spieler.
Beeindruckend war vor allem, wie beide Teams in der Anfangsphase früh attackierten und sich so gegenseitig zur schnellen Spielentwicklung zwangen. Einzig die Tore fehlten, wenn es auch einige gute Gelegenheiten gab. Der Hamburger Fabian Boll setzte einen Kopfball an die Latte (6.), beim Nachschuss klärte Simunic in höchster Not vor Florian Bruns. Deniz Naki lief in der 19. Minute frei auf Tom Starke zu, dessen Statur veranlasste Naki zu einem überhasteten Abschluss. Auf der Gegenseite vereitelte Matthias Lehmann eine gute Chance von Ibisevic (8.) und Torwart Mathias Hain war gegen Ba und Ibisevic zur Stelle (28.).
Mitte des Durchgang zogen sich die Gäste zusehends zurück und überließen St. Pauli das Feld, der Aufsteiger konnte daraus aber kein Kapital schlagen. Erst kurz vor dem Pausenpfiff fand Hoffenheim wieder vermehrt den Weg nach vorne, Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff zu Unrecht Ibisevic wegen Abseits zurück (42.).
Drei Schwächen in 90 Minuten: Zum einen landete seine Kopfball-Rettungstat bei Ibisevic, der aus etwa 30 Metern das leere Tor verfehlte; Hain hätte den Ball nicht nach vorne, sondern nach außen klären sollen. Zum anderen ließ St. Paulis Schlussmann einen Salihovic-Freistoß nach vorne abprallen und durfte sich glücklich schätzen, dass Profiteur Vukcevic im Abseits stand und dessen Treffer somit nicht zählte. Zum dritten klebte Hain beim 0:1 auf der Torlinie und ließ dadurch zu, dass Vorsah aus etwa einem Meter zum Abschluss kam.
Hain zunächst im Glück
Den besseren Start erwischte nach der Pause St. Pauli, nach tollem Pass von Marius Ebbers verlor Hennings zunächst den Halt, im zweiten Versuch setzte er den Ball knapp am langen Pfosten vorbei (48.). Doch auch Hoffenheim zeigte weiter den Willen, drei Punkte mit in den Kraichgau zu nehmen. Nach einem langen Pass klärte Hain zu kurz per Kopf, Ibisevic setzte das Leder aus 35 Metern knapp über die Latte (51.).
Hoffenheim wirkte nun aber wieder etwas präsenter und wacher, doch insgesamt fehlte beiden Mannschaften die Genauigkeit in ihren Aktionen. Die Hamburger arbeiteten nicht mehr so gut gegen den Ball, standen etwas tiefer als noch im ersten Durchgang und verlegten sich auf Konter. Mit ihrer taktischen Disziplin ließen sie aber weiter nur wenig zwingende Aktionen von 1899 zu.
Glück hatte Hain dann aber in der 73. Minute. Der Torwart ließ einen harmlosen Freistoß von Sejad Salihovic nach vorne prallen und der eingewechselte Boris Vukcevic traf ins leere Tor - hier entschied Gräfe aber völlig zu Recht auf Abseits. Doch das Niveau nahm auf der Einweihungsparty stetig ab und so plätscherte das Spiel eigentlich einem torlosen Remis entgegen.
In der Schlussphase fiel dann aber doch noch der Siegtreffer für Hoffenheim. Nach einer Salihovic-Ecke sah Hain zum wiederholten Male nicht gut aus, Vorsah konnte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor befördern (87.) - die Gäste feierten so einen glücklichen Erfolg, auch weil der eingewechselte Max Kruse im Gegenzug freistehend verzog (88.). Für St. Pauli wartet nach der Länderspielpause eine Auswärtsfahrt nach Köln, Hoffenheim empfängt die dann wohl verstärkten Schalker.
Es war das Spiel der beiden Bundesligisten, die in der Winterpause am meisten verändert hatten: Sowohl der VfL Wolfsburg als auch der SC Freiburg hatten acht neue Spieler in den Kader integriert. Anstatt eingefahrener Spielzüge gab es dann auch erratische Strafraumszenen - den Fans konnte es nur Recht sein.