Konstantin Rausch (li.) erzielte die Führung für Hannover
Der FC Schalke steckt in turbulenten Wochen. Ständigen Spekulationen um prominente Neuzugänge folgten Diskussionen um den Führungsstil von Felix Magath. Nun verkommen diese Schlagzeilen aber zu Nebengeräuschen, denn nach dem 1:2 gegen Hannover stehen die Knappen im Tabellenkeller.
Die im DFB-Pokal kläglich ausgeschiedenen Niedersachsen feierten einen nie für möglich gehaltenen Traumstart in die Liga, nach dem 2:1-Erfolg gegen Frankfurt am ersten Spieltag steht 96 mit weißer Weste auf dem vierten Tabellenplatz. Die Tore für Hannover erzielten Konstantin Rausch (31.) und Mohammed Abdellaoue (49.), der Anschlusstreffer für S04 gelang Jermaine Jones (82.).
Vor 61.226 Zuschauern in der Veltins-Arena zeigten die Gastgeber in fast allen Bereichen Defizite. Die erneut umgebaute Viererkette ließ sich bei Kontern viel zu leicht aushebeln, im Mittelfeld fehlte jegliche Kreativität und Topstürmer Raúl hing völlig in der Luft.
Huntelaar schwebt über der Schalker Arena
Ob die Schalker auch nach der Länderspiel-Pause mit dieser Startelf auflaufen werden, darf stark bezweifelt werden. Die Einkaufstour von Trainer Felix Magath ist noch nicht beendet, weiterhin sollen ein passender Sturmpartner für Raúl und ein Spielmacher kommen. Ob Klaas-Jan Huntelaar besagter Stoßstürmer wird, könnte sich schon in Kürze erweisen. "Da es nichts zu vermelden gibt, kann ich zu keinen Namen Stellung nehmen. Ganz klar, es werden viele Namen gehandelt", mauerte Magath im TV-Sender Sky allerdings noch.
Mit Hans Sarpei brachte Magath seinen kurzfristig verpflichteten Außenverteidiger, der Ghanaer durfte auf der linken Seite ran. Ciprian Deac musste auf der Bank Platz nehmen, für den gesperrten Benedikt Höwedes rückte Joel Matip in die Innenverteidigung. Hannovers Trainer Mirko Slomka wurde nur zu einer Änderung genötigt, für den in der ersten Saisonminute am Kreuzband verletzten Carlitos spielte wieder Moritz Stoppelkamp im rechten Mittelfeld.
Interessant war aus Schalker Sicht die Reaktion der Fans auf die Diskussionen um Magaths Führungsstil, nachdem es beim Auswärtsspiel in Hamburg eine viel beachtete T-Shirt-Aktion der "Kleinen Gruppe" gab. Der von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies angeregt Runde Tisch fiel aus, trotzdem konzentrierten sich die königsblauen Anhänger auf die Unterstützung ihrer Mannschaft. Bezeichnend für die wieder ins Positive kippende Stimmung war ein Plakat mit folgendem Inhalt: "Vertraut Felix, ihr Deppen!"
In der ersten Halbzeit taten sich die Knappen sehr schwer, das lag zum einen an der fehlenden Kreativität - einige Spielzüge wurden vorgetragen, als wenn die Mannschaft Magath den letzten Beweis für das Vakuum im offensiven Mittelfeld liefern wollte - aber auch daran, dass Hannover sich nicht nur hinten reinstellte sondern munter nach vorne spielte.
Die Schalker waren optisch überlegen, waren aber nur nach Standardsituationen gefährlich. Vermeintlich fiel nach einer Ecke von Ivan Rakitic auch das 1:0 für die Heimmannschaft (11.), doch der Ball war in der Luft im Aus und Schiedsrichter Markus Schmidt verweigerte die Anerkennung. Eine weitere gute Gelegenheit hatte Jermaine Jones, doch der Mittelfeldspieler war nach einem Geistesblitz von Raúl zu überrascht und kam nicht zum Abschluss (21.) - das war es auch schon aus Schalker Sicht.
Erst Rausch, dann Stoppelkamp
Die Gäste machten es wesentlich besser. Schon in der Anfangsphase zeigten die 96er einige verheißungsvolle Konter, belohnt wurden sie in der 31. Minute. Nach guter Vorarbeit von Abdellaoue war Rausch schneller als Matip und der Torschütze des ersten Spieltags ließ Schalke-Torwart Manuel Neuer mit links keine Chance.
Während sich die Schalker Fans mit ersten Pfiffen bemerkbar machten, hätte Hannover sogar nachlegen müssen. Der im Ruhrgebiet aufgewachsene Moritz Stoppelkamp musste nach erneut guter Vorarbeit von Abdellaoue nur noch einschieben, setzte den Ball aber deutlich vorbei (37.). Und nur eine Minute später war es erneut Stoppelkamp der seinen ersten Bundesliga-Treffer hätte erzielen können, diesmal scheiterte der Ex-Oberhausener am Pfosten.
Erste Schalker Chance in der 66. Minute
Magath entschied sich, die gleiche Elf in den zweiten Durchgang zu schicken, dafür es in der Kabine lauter geworden sein. Aber nach der Pause spielte trotzdem zunächst nur Hannover. In der ersten Aktion kam der Ball über Umwege zu Abdellaoue und der Norweger zeigte die in Hannover lange vermissten Vollstrecker-Qualitäten (49.). In der Folge hätte 96 bei konsequenterer Ausnutzung der Konterchancen sogar auf 3:0 erhöhen können, aber so durften die Schalker noch hoffen.
Stimmen zum Spiel:
1/2
Mirko Slomka: "Wir sind überaus glücklich. Es war für uns der zweite Sieg über Schalke hintereinander. Das ist schon etwas besonderes."
Die optische Überlegenheit kam dann auch schnell wieder, aber an der fehlenden Durchschlagskraft änderte sich nur wenig. Edu hatte den Anschlusstreffer erst nach schöner Brustannahme auf dem Fuß, setzte den Ball aber drüber (66.), und kurz darauf auf dem Kopf - Florian Fromlowitz war aber zur Stelle (70.). Viel mehr passierte gegen Mitte der zweiten Halbzeit nicht. Hannover hatte es jedenfalls nicht allzu schwer, den Vorsprung zu verwalten.
Symptomatisch musste ein Freistoß für den Anschlusstreffer herhalten, Rakitic brachte den Ball rein und Jones war mit dem Kopf schneller als Karim Haggui (82.). Wer nun wütende Angriffe der Schalker erwartete, sah sich getäuscht. Hannover konterte munter weiter und hätte in der Schlussphase durch Didier Ya Konan zweimal den dritten Treffer machen müssen. Nach den Diskussionen um die "Kleine Gruppe" stecken die Königsblauen nun in einer kleinen Krise, die sich mit den kommenden Aufgaben in Hoffenheim und gegen Dortmund durchaus zu einer großen ausweiten könnte.
Es war das Spiel der beiden Bundesligisten, die in der Winterpause am meisten verändert hatten: Sowohl der VfL Wolfsburg als auch der SC Freiburg hatten acht neue Spieler in den Kader integriert. Anstatt eingefahrener Spielzüge gab es dann auch erratische Strafraumszenen - den Fans konnte es nur Recht sein.