Die Bayern haben ihre erste Niederlage einstecken müssen. Der Titelverteidiger wurde von den Roten Teufeln mit 2:0 (2:0) ohne Tor und ohne Punkt vom Betzenberg geschickt. In einer temporeichen Partie sorgten Ivo Ilicevic (36.) und Srdjan Lakic (37.) innerhalb von 66 Sekunden im ersten Durchgang für die Entscheidung vor 49.780 begeisterten Zuschauern.
Die Bayern waren zu Beginn überlegen, vergaben aber durch Müller eine dicke Chance. Als dann Ilicevic und Lakic zuschlugen, begann der Rekordmeister einen Sturmlauf, der aber bis zum Ende ohne Erfolg bleiben sollte, da beste Chancen vergeben wurden gegen lauf- und kampfstarke Rote Teufel.
Olic zurück in der Startelf
Beide Teams gingen mit drei Punkten in die Partie. Die Roten Teufel hatten in Köln spät gepunktet, die Bayern den VfL Wolfsburg zum Auftakt geschlagen. Die Fans auf dem ausverkauften Betzenberg freuten sich auf ein vermeintliches Spitzenspiel.
Bei den Bayern musste Toni Kroos weichen, da der genesene Ivica Olic mit Macht ins Team drängte. Auf der rechten Seite aufgeboten, rotierte der Kroate im Verbund mit Thomas Müller stetig. Der Gastgeber wechselte auf drei Positionen die Startformation. Leon Jessen verdrängte Alexander Bugera als linker Außenverteidiger. Vor ihm ersetzte Ivo Ilicevic den aufgrund eines Muskelfaserrisses passenden Jan Moravek und im Sturm verdrängte Adam Nemec den Neuzugang aus Österreich Erwin Hoffer.
Beim FCK legt man diese Saison nach dem Wiederaufstieg noch mehr wert als sonst auf die Tradition. Nur zu gerne erinnerten sich die Fans in den Tagen vor dem Spiel an den legendären 7:4-Sieg aus den Siebzigern und an die letzte Meisterschaftssaison, als man mit Otto Rehagel triumphal als Aufsteiger durch die Liga zog. Die bekannte hitzige Betze-Atmosphäre sollte ihren Beitrag dazu leisten für die erste Überraschung der jungen Saison zu sorgen. Der letzte Sieg über den Erzfeind lag aber lange zurück. Am 13.04.1999 köpfte Jürgen Rische zum 2:1 ein.
Bayern zu Beginn besser
Die Walter-Elf setzte von Beginn an auf die Karte Kampf gegen den spielerisch überlegenen Gegner. So entwickelte sich eine Partie mit sehr viel Tempo, aber ohne Torchancen in der ersten Viertelstunde, da die auf Konter lauernden Pfälzer hinten gut standen und immer wieder ein Bein in die Aktionen der Bayern bekamen.
Die Bayern konzentrierten sich darauf die Partie zu kontrollieren, um insbesondere über Bastian Schweinsteiger mit Tempowechseln für Nadelstiche zu sorgen. In der 24. Minute hätte es dann das erste Mal im Lauterer Tor klingeln müssen. Eben Schweinsteiger schickte Müller steil, Jessen hob das Abseits auf, so dass der WM-Torschützenkönig frei vor Tobias Sippel auftauchte. Doch der Liebling der Fans schob den Ball um wenige Zentimeter am Tor vorbei, statt den mitgelaufenen Miroslav Klose zu bedienen.
Zwei Treffer innerhalb von 66 Sekunden
Doch auch die Pfälzer kamen zu ihrer ersten Chance. Ilicevic hängte Olic nach fast einer halben Stunde ab, bediente Jessen, der aber aus zwölf Metern das Tor verfehlte. Sechs Minuten später musste Jörg Butt dann doch hinter sich greifen. Und wieder kam der Schuss von der linken Seite, da Olic schlief. Christian Tiffert spielte den Ball quer zum Strafraum, Nemec ließ das Leder passieren und der völlig freie Ilicevic hämmerte den Ball aus 17 Metern in den rechten Torwinkel.
Noch war man bei den Bayern nicht beunruhigt, doch das sollte sich schnell ändern, denn den Roten Teufeln gelang gar der Doppelschlag innerhalb von 66 Sekunden. Erneut wurde die rechte Seite als Schwachstelle aufgedeckt. Philipp Lahm konnte Ilicevic nicht am Pass in den Strafraum hindern. Dort ließ Holger Badstuber den Ball durchrutschen, so dass Torjäger Srdjan Lakic aus elf Metern problemlos vollenden konnte.
Reaktionen:
1/6
Louis van Gaal: "Wir werden erst Ende Oktober oder Anfang November bei 100 Prozent sein. Alle Spieler hatten keine gute Vorbereitung. Deshalb ist es sehr schwierig, alles im Gleichgewicht aufzubauen. Es wird ein schweres Jahr."
Mit diesem Spielstand wollten die Lauterer die Pause erreichen. Während von den Rängen die bekannten Schmäh-Gesänge gegen den Rekordmeister ertönten, verpassten Klose (43.), Franck Ribery (44.) und Badstuber (45.) den Anschlusstreffer per Kopf und Fuß, so dass es tatsächlich mit diesem Resultat in die Kabinen ging.
Sturmlauf der Bayern
Der FC Bayern startete mit Wiederbeginn einen Sturmlauf. Es dauerte keine 120 Sekunden als Klose aus halblinker Position eine erste Chance hatte, dem Schuss aber nicht den nötigen Druck geben konnte, so dass Sippel mühelos zugriff. Es sollte nicht die einzige Gelegenheit bleiben. Klose selbst (51.), Olic (52.) und Ribery (53.) vergaben Chancen im Minutentakt gegen einen Gegner, der nun nicht mehr dicht genug bei den Gegenspielern stand.
Marco Kurz reagierte auf die Überlegenheit des Gegners und brachte mit Clemens Walch einen zusätzlichen Mittelfeldspieler für Stürmer Nemec. Die Bayern ließen sich jedoch nicht stören, bestürmten weiter das Tor von Sippel, aber ohne zu glasklaren Chancen zu kommen. So verpasste Ribery eine Lahm-Flanke per Grätsche am langen Pfosten knapp.
In der 63. Minute brachte Louis van Gaal dann doch Kroos im Doppelverbund mit Danijel Pranjic. Olic und Diego Contento mussten nach einer schwachen Partie weichen. Sofort bot sich Kroos nach einer Kopfballablage von Müller zehn Meter vor dem Tor die Chance zum Ausgleich. Doch Sippel parierte glänzend.
Auch Gomez hilft nicht weiter
Der FCK gelangte nur noch sehr selten vor das Tor des Favoriten. Die Fans bejubelten einen Eckstoß, der Zeit und Entlastung brachte. Die rechte Seite der Bayern schwächelte aber weiter. Lahm griff gegen Ilicevic zögerlich nicht ein. So konnte Jessen eine Flanke in die Mitte auf den freien Rodnei befördern, der per Kopf das 3:0 nur haarscharf verpasste.
Van Gaal zog mit Mario Gomez, an dem angeblich der FC Liverpool großes Interesse hat, seine letzte Karte. Klose verließ erneut ohne Treffer den Platz. Doch auch der Stürmer konnte für keinen Umschwung mehr sorgen. Auch letzte Chancen blieben ungenutzt. Am Ende sah Ilicevic nach einem Foul gegen Lahm noch die Ampelkarte, doch dieser leichte Makel störte am Ende niemanden mehr im tobenden Fritz-Walter-Stadion, das die Tabellenführung feierte.
Die Bayern haben nun aufgrund der Länderspielzeit vierzehn Tage Zeit, ihre Wunden zu lecken, bevor es gegen Werder Bremen geht. Der FCK freut sich auf das nächste Highlight, das Derby in Mainz lockt.
Es war das Spiel der beiden Bundesligisten, die in der Winterpause am meisten verändert hatten: Sowohl der VfL Wolfsburg als auch der SC Freiburg hatten acht neue Spieler in den Kader integriert. Anstatt eingefahrener Spielzüge gab es dann auch erratische Strafraumszenen - den Fans konnte es nur Recht sein.