
Erwin Hoffer: Ist er der neue Torjäger aus der Pfalz?
In der Saison 97/98 hat der FCK Maßstäbe dafür gesetzt, was einem Aufsteiger möglich ist. Doch diese Geschichte wird sich nicht wiederholen. Nach vier Jahren im Unterhaus und einem kompletten Personalaustausch geht es für die Roten Teufel in dieser Saison einzig um den Klassenerhalt - mit glücklichem Ausgang, wie sportal.de prognostiziert.
So lief der Sommer
Die beste Verteidigung der zweiten Liga der abgelaufenen Spielzeit mit Alexander Bugera, Martin Amedick, Rodnei und Florian Dick, die so fast die komplette Saison durchspielte, konnte gehalten werden. Mit Leon Jessen hat man für die linke Außenbahn eine vielversprechende Alternative zu Bugera verpflichtet, in seinem Heimatland gehört der junge Däne zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Dazu ist Jan Simunek von den Wölfen in die Pfalz gewechselt, die tschechische Kolonie beim FCK verstärkend, und erhöht den Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung.
Schwer wiegen die Abgänge aus der Kategorie Leistungsträger, vor allem hinsichtlich der offensiven Qualitäten der Pfälzer: Mit Sidney Sam, Erik Jendrisek und Georges Mandjeck gingen drei Spieler, die an etwa zwei Dritteln aller Tore beteiligt waren! Dementsprechend groß fiel der Umbruch im Mittelfeld aus, aus dem lediglich Jiri Bilek und Bastian Schulz übriggeblieben sind. Ein schweres Erbe tritt Stiven Rivc an, der im linken Mittelfeld Sam ersetzen soll. Im zentralen Mittelfeld muss Christian Tiffert - der Bundesligaroutinier der Mannschaft mit über 160 Einsätzen - die Fußstapfen von Mandjeck ausfüllen. Aus dem benachbarten Mainz gekommen, soll Chadli Amri für zusätzliche, offensive Impulse sorgen.
Ohne großartige Bundesligaerfahrung muss der Angriff der Pfälzer auskommen, da ist Srdjan Lakic mit 12 Einsätzen für die Hertha - ohne je ein komplettes Spiel bestritten zu haben - schon ein alter Erstligahase. Auch in der letzten Saison bei Kaiserslautern hat er nur vier Partien durchgespielt. Die Neuzugänge Ilijan Micanski und Erwin Hoffer haben bereits bei den Vorbereitungsspielen gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist. Besonders Hoffer dürfte nach seiner unglücklichen Saison in Italien hochmotiviert sein, seine Fähigkeiten als Torjäger wieder unter Beweis zu stellen.
Die Vorbereitung der Pfälzer lief sehr erfolgreich. Nach klaren Siegen gegen unterklassige Teams (u.a. eine Rheinland-Pfalz-Auswahl 15:0, Großrosseln 7:1, Hauenstein 6:1) war man auch gegen stärkere Mannschaften siegreich: Nach einem 2:0 gegen den FSV Frankfurt folgte zwar das einzige Remis in der Testspielphase mit einem 0:0 gegen den zweitklassigen FC Metz. Doch mit überzeugenden Vorstellungen gegen den FC Liverpool (1:0), den AC Auxerre (3:1) und den FC Aberdeen (2:0) gelang es der Mannschaft von Marco Kurz, den Sommer mehr als solide abzurunden.
Die 4-2-3-1-Frage
Während der Meistersaison in der Zweiten Liga spielte der FCK durchgängig mit einem 4-4-2 mit der Tendenz zum 4-2-2-2, und in den Vorbereitungsspielen der Roten Teufel deutete wenig darauf hin, dass Marco Kurz von diesem erfolgreichen System abrücken wird. Dabei dürfte die Viererkette mit Bugera, Amedick, Rodnei und Dick zunächst gesetzt sein. Wesentlich enger geht es im Mittelfeld zu, wo der kampfstarke Bilek und der offensivere Tiffert in der zentralen Defensive zu Saisonbeginn gute Karten haben. Im linken Mittelfeld absolvierte Stiven Rivic eine gute Vorbereitung, auf der rechten Seite dürfe Oliver Kirch die defensivere Variante zu Amri darstellen. Spannend wird es im Angriff, denn ihre Durchsetzungsfähigkeit vor dem gegnerischen Tor konnten schon alle vier - Hoffer, Lakic, Micanski und Nemec - unter Beweis stellen. Dabei dürfte der Österreicher Hoffer das größte Potential haben.
Wer darf sich nicht verletzen?
Prinzipiell ist der FCK auf allen Positionen doppelt besetzt, im Vergleich zur Vorsaison darf man wohl unterstellen, dass die Pfälzer vor allem in der Breite besser aufgestellt sind, auch wenn die Mannschaft, was Bundesligaerfahrung betrifft, wenig vorzuweisen hat. Wichtigste Defensivkraft ist Mannschaftskapitän und Abwehrorganisator Martin Amedick. Seit er beim FCK spielt, hat er lediglich drei Ligaspiele versäumt, konstant gehörte er in der zweiten Liga in den Kreis der besten Verteidiger. Sein Ausfall wäre kaum zu kompensieren, auch wenn man mit Jan Simunek einen guten guten Backup in den eigenen Reihen hätte.
Fragen an die Fans
Wir haben uns mit drei Fragen an Fabian Müller, Thilo Kuhn, Philip Müller und Sebastian Frisch gewandt, die gemeinsam den FCK-Blog.de betreiben, und um ihre Einschätzung gebeten.
Für wen könnte die Saison den Durchbruch bringen? An dieser Stelle trauern die Vier der vergangenen Saison und Sidney Sam nach.
"Beim FCK steht die Mannschaft, das Team im Vordergrund. Nicht zu Unrecht hat Marco Kurz auch gleich zwei gleichberechtigte Kapitäne ernannt. Dennoch gibt es ein, zwei junge Spieler, denen eine überragende Spielzeit zuzutrauen ist. Einer davon ist auf jeden Fall Torhüter Tobias Sippel, der ja bereits im Fokus von Löw und Co steht. Unsere Hoffnung ist außerdem, dass Stefan Kuntz wie damals in Bochum mit Sestak in Ilian Micanski einen Überraschungstreffer gelandet hat. Wenn der Bulgare seine Form aus der Vorbereitung halten kann, sind durchaus zehn, zwölf Saisontore möglich.
Auf die geringe Bundesligaerfahrung gerade des Angriffs angesprochen, wird besonders der Weggang von Jendrisek bedauert.
"Hier könnten wir definitiv Probleme bekommen, allerdings haben die neuen Stürmer in den Testspielen gute Leistungen abgeliefert. Wenn Ilian Micanski und Erwin Hoffer auch im Liga-Alltag das Niveau halten, dann wird der Sturm kein Problem darstellen. Mit Srdjan Lakic spielt im Sturm außerdem ein Sympathieträger, der nach seiner schwierigen Zeit in Berlin unbedingt beweisen will, dass er Erstliga-Format hat. Ganz nebenbei kann die aus der Not (des Geldes) geborene Unerfahrenheit der Stürmer auch ein Vorteil sein. Die Offensive kann ohne Druck und unbelastet von großen Erwartungen frei aufspielen. Von welch unschätzbarem Vorteil diese Unbekümmertheit sein kann, hat Thomas Müller bei der WM hinreichend bewiesen."
Kaiserslautern hat eine große Tradition von „Spielern aus der Region". Im aktuellen Kader finden sich nur drei - Correia, Stulin und Abel, nicht unbedingt Stammkräfte - woran liegt das?
"Zunächst einmal ist das nicht ganz korrekt. Mit Tobias Sippel (Bad Dürkheim), Manuel Hornig (Kandel) und Kevin Trapp (Merzig) stehen drei weitere Kräfte aus der Region im Kader, mit weitaus mehr Perspektive als die Nachwuchskräfte Correia (Kaiserslautern) und Stulin (Edenkoben). Ganz abgesehen davon ist es aber nicht entscheidend, dass die Spieler aus der Region kommen, damit sie sich mit dem Verein und die Fans sich mit ihnen identifizieren können. Vielmehr kommt es auf die wichtigen Tugenden an, die seit jeher den FCK und die Region ausmachen: Leidenschaft, unbedingter Wille und absoluter Einsatz. Nicht umsonst steht das Marketingkonzept des Vereins unter der Devise "Herzblut". Mit dieser Einstellung wird sich jeder Spieler, egal ob aus Bosnien, Bulgarien oder Algerien in die Herzen der Fans spielen. Bei der Kaderzusammenstellung haben Stefan Kuntz und Marco Kurz ohnehin stark auf den Charakter der Neuzugänge geachtet, so dass sich die Neuen ohne Weiteres an das Mannschafts- und Vereinsgefüge anpassen werden."
Der 12. Mann
Der Betzenberg ist berühmt für seine hitzige Atmosphäre. Und das Gastmannschaften allen Grund haben, sich mit einem gewissen Respekt an die Erklimmung einer der gefürchtetsten Erhebungen der Bundesliga zu machen, wiesen unter anderem Martin Kocher und Matthias Sutter in einer Untersuchung aus dem Jahre 2004 nach, in der sie zu dem Ergebnis kamen, dass Bundesligaschiedsrichter tendentiell länger nachspielen lassen, wenn das Heimteam hinten liegt. Andere Untersuchungen zeigen ähnliche Bevorzugen der Heimmannschaften hinsichtlich von Karten und umstrittenen Szenen. Wie gesagt, die Fans spielen eine wichtige Rolle auf dem Betzenberg - jetzt können sie das auch wissenschaftlich begründen.
Prognose
Die Bäume werden in dieser Saison in der Pfalz nicht in den Himmel wachsen. Das selbstgesteckte und realistische Ziel kann nur der Klassenerhalt sein. Nach sportal.de-Einschätzung ist der 1. FC Kaiserslautern der beste Aufsteiger, auch wenn das nach einer Saison, in der nur zwei Mannschaften aufgestiegen sind, nicht das allergrößte Kunststück ist. Kaiserslautern wird sich mit dem Abstiegskampf beschäftigen müssen, aber wirklich abgestiegen wird woanders. Am Ende steht ein 14. Rang und die Hoffnung auf bessere Zeiten.
Olaf Edig