Sami Khedira wechselt zu Real Madrid

Sami Khedira nutzt den WM-Schwung und geht zu Real Madrid
VfB-Sportdirektor Fredi Bobic ist erst seit wenigen Tagen im Amt, schon muss er die erste schlechte Nachricht verkraften. Sami Khedira wechselt von Stuttgart zu Real Madrid, der Transfer hatte sich aber seit Tagen angedeutet.
Nach Bestehen der sportärztlichen Untersuchung, die Khedira dann auch züzig hinter sich gebracht hatte, unterschrieb der 23-Jährige den Vertrag. "Khedira befindet sich in einer ausgezeichneten körperlichen Verfassung", betonte der Leiter des Ärzteteams, Carlos Díez. "Alle Tests haben bestätigt, dass er als Athlet große Fähigkeiten besitzt." Nach der Unterschrift erklärte Khedira dem SWR: "Madrid ist der größte Verein der Welt, ein Mythos. Und Teil davon zu sein, ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes."
Zur Ablöse für den Mittelfeldspieler, der in Stuttgart noch einen Kontrakt bis 30. Juni 2011 hatte, machte der Verein keine Angaben. Die Schwaben sollen jedoch rund 14 Millionen Euro erhalten, wovon allerdings vier Millionen Euro erfolgsabhängig sind. Nach Angaben der Madrider Sportzeitungen "Marca" und "As" soll Khedira bei Real ein Gehalt von zwei Millionen Euro im Jahr bekommen. Die Vertragsdauer beträgt fünf Jahre.
In einem Interview auf der Homepage des VfB Stuttgart entschuldigte sich Khedira dafür, dass er sein "Wort gebrochen habe". Er habe noch während der WM gesagt, dass er auf jeden Fall noch eine Saison beim VfB spielen werde. "Aber dann kam das Angebot von Real und der Wunsch von Trainer José Mourinho, der mich unbedingt haben wollte. Und bei so einem Angebot konnte ich nicht Nein sagen." Den ersten Kontakt mit den Madrilenen habe es nach dem WM-Halbfinale gegeben, das er mit der deutschen Nationalelf gegen Spanien verlor.
"Können den Wunsch von Sami nachvollziehen"
"Einen absoluten Führungsspieler und eine Identifikationsfigur wie Sami Khedira lässt man nur ungern ziehen", sagte Bobic. "Aber auf der anderen Seite können wir den Wunsch von Sami nachvollziehen, bei Real an seiner weiteren Karriere zu arbeiten." Damit verlieren die Schwaben nur ein Jahr nach dem Wechsel von Stürmer Mario Gomez zu Meister FC Bayern München ein weiteres hochbegabtes Eigengewächs.
Zugleich ist Khedira nach dem zu Manchester City gewechselten Jerome Boateng der zweite Profi unter den deutschen WM-Teilnehmern, der in der kommenden Saison bei einem ausländischen Topclub unter Vertrag steht. Bei den Königlichen in Madrid wird er künftig unter dem portugiesischen Startrainer José Mourinho und an der Seite von Weltstars wie Kaká oder Cristiano Ronaldo spielen. Der Deutsch-Tunesier hatte mit seinen starken Auftritten bei der WM in Südafrika offenbar auch Mourinho beeindruckt.
Dort war Khedira im zentralen Mittelfeld an der Seite von Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger eine der tragenden Säulen beim WM-Dritten. Khedira könnte nun mit Weltmeister Xabi Alonso die Real-Zentrale bilden, muss sich aber mit namhafter Konkurrenz auseinander setzen, wie dem Franzosen Lass Diarra und seinem Namensvetter Mahamadou Diarra aus Mali.
Neuer Spielraum
So schwer der Verlust für die Stuttgarter und ihren Trainer Christian Gross wiegt: Er eröffnet ihnen auch neue Perspektiven bei möglichen Neuzugängen für die in drei Wochen beginnende Saison. Gross sieht vor allem auf den offensiven Außenbahnen seines Teams dringenden Handlungsbedarf. Das zeigte auch das Hinrunden-Spiel in der dritten Qualifikations-Runde zur Europa League bei Molde FK.
Zwar gewann der VfB beim norwegischen Vize-Meister mit 3:2. Damit kann er vor dem Rückspiel schon fast für die Playoffs des Wettbewerbs planen, in denen dann der Einzug in die Gruppenphase geschafft werden soll. Doch neben einigen Unsicherheiten in der "Not-Abwehr" (Gross), in denen die WM-Urlauber Serdar Tasci und Khalid Boulahrouz sowie Kapitän Matthieu Delpierre (Reha) fehlten, boten auch Timo Gebhart und Sebastian Rudy auf der linken und rechten Mittelfeldseite nur durchwachsene Vorstellungen.
Ayew soll kommen
Für diese Position steht der ghanaische WM-Teilnehmer André Ayew von Olympique Marseille auf dem Stuttgarter Wunschzettel. Für hinten rechts soll der Schweizer Philipp Degen vom FC Liverpool ausgeliehen werden. "Wir haben verschiedene Spieler auf der Liste, auch solche, die in der Öffentlichkeit noch nicht genannt wurden", erklärte Bobic nun. Für Khedira hat der VfB in Christian Träsch, Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic übrigens Ersatz in den eigenen Reihen.
Zunächst begab sich der VfB-Kader von Norwegen aus direkt in sein drittes Trainingslager in Friedrichsruhe bei Heilbronn. Dort wird neben Tasci und Boulahrouz auch Stürmer Cacau, ein weiterer WM-Teilnehmer, nach dem Urlaub wieder dazustoßen. Delpierre soll am Samstag mit Lauftraining beginnen.