Urs Siegenthaler sagt dem Hamburger SV ab

Urs Siegenthaler entschied sich für den DFB
Der Hamburger SV geht personell geschwächt in die neue Spielzeit, Urs Siegenthaler erteilte vier Tage vor Dienstantritt als Sportdirektor den Hanseaten eine Absage. Der Chefscout des DFB war in den letzten Tagen wegen seiner Doppeltätigkeit beim Verband und den Hanseaten in die Kritik geraten.
"Mit großem Bedauern und schweren Herzens habe ich heute dem Vorstand und dem Aufsichtsrat des HSV meine Absage der Zusammenarbeit übermittelt. Dies ist mir sehr schwer gefallen", teilte Siegenthaler mit.
Kritik am DFB
Nach Angaben von HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann hatte der DFB den 62 Jahre alten Schweizer vor die Wahl "DFB oder HSV" gestellt. "Wir nehmen das mit Bedauern, aber mit Respekt zur Kenntnis", kommentierte Hoffmann die Entscheidung von Siegenthaler.
Der HSV-Chef kritisierte die Haltung des DFB, der den Schweizer unter Druck gesetzt hatte. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass Urs Siegenthaler nun zu einer Entscheidung gezwungen wurde. Die Absicht, eine Funktion beim HSV zu übernehmen, ist seit Februar bekannt und mit den verantwortlichen Leuten beim DFB abgestimmt. Dass eine Doppelfunktion nun vier Tage vor Arbeitsbeginn ein unlösbares Problem darstellen soll, ist nicht nachvollziehbar", sagte Hoffmann auf der Homepage des Vereins.
Druck zu groß
Noch am Vormittag hatte der DFB-Chefscout um Bedenkzeit gebeten. Auf der DFB-Präsidiumssitzung sollte die fragwürdige Doppelrolle diskutiert werden. Doch der Druck wurde letztlich zu groß.
"Aufgrund von mir nicht beeinflussbaren Umständen stand ich jetzt aber vor der Alternative einer Tätigkeit für den HSV oder den DFB. Aufgrund meiner von Anfang an auch gegenüber dem HSV betonten Loyalität zum DFB, zum Bundestrainer Joachim Löw und zum Team der Nationalmannschaft - wir sehen und sahen uns dort immer als Einheit - habe ich jetzt diese Entscheidung getroffen", erläuterte Siegenthaler seinen Schritt.
Bei der Verpflichtung des Fußball-Analytikers im Februar waren zunächst keine Bedenken gegen die Paralleltätigkeit laut geworden. Die ersten Vorbehalte kamen von Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger. "Da entsteht sehr leicht ein unguter Beigeschmack. Nach meiner Ansicht ist man als Sportchef bei einem Club wie dem HSV auch mehr als ausgelastet. Wie übrigens auch als Chefscout beim DFB", hatte Nerlinger Ende Februar betont.
HSV muss improvisieren
Beim HSV muss nun kurzfristig umgedacht werden. Eigentlich sollte Trainer Armin Veh gemeinsam mit dem versierten Analytiker Siegenthaler und dem neuen Sportchef Bastian Reinhardt die Spielphilosophie des HSV zusammen bestimmen. "Das ist ein Verlust, weil wir etwas aufbauen wollten", sagte Veh, der nun im Duo mit dem 34 Jahre alten Berufsanfänger die Zukunft planen muss.
Beim HSV heißt es, man wolle im Sinne Siegenthalers weitermachen, seine bisherige rechte Hand Christofer Clemens soll den Scouting-Bereich leiten. Der 38-jährige Bochumer gehörte bisher auch zum DFB-Stab. Im Nachwuchsbereich arbeitet nach einer Empfehlung Siegenthalers bereits der Schweizer Paul Meier. In der Vergangenheit schafften zu wenige Eigengewächse den Sprung zu den Profis, das soll sich langfristig auch mit der weiteren Qualifizierung der Nachwuchstrainer ändern.