
Cirprian Marica schirmt den Ball vor Thomas Holm ab
Mitten in der Vorbereitung steckend probierte sich der VfB Stuttgart am Abenteuer Molde FK, um die dritte Runde der Europa League Qualifikation hinter sich zu bringen. Doch die Norweger hatten einen Plan, zogen diesen durch und hatten den VfB am Rande einer Niederlage. Martin Harnik machte den Norwegern dann einen Strich durch die Rechnung und traf per Kopf zum 3:2.
"Wir hätten ein ruhigeres, einfacheres Leben haben können. Aber die Mannschaft hat den Sieg gewollt und das war gut so", sagte Trainer Christian Gross. "Wir haben heute mit einer Not-Abwehr gespielt. Georg Niedermeier hatte ein bisschen Pech." Ärgern musste sich der Schweizer über Stürmer Pavel Pogrebnyak, der einige Chancen ausließ. "In der ersten Hälfte hat er nachlässig das 2:0 vergeben."
Der VfB Stuttgart ging das Spiel mit einem 4-4-2 an, in dem Gross Neuzugang Christian Gentner, der in der Innenverteidigung neben Georg Niedermeier aushalf, sein Vertrauen schenkte. Flankiert wurde das Duo von Stefano Celozzi und dem Italiener Cristian Molinaro.
Christian Träsch und Zdravko Kuzmanović bildeten die Zentrale im Mittelfeld, während Sebastian Rudy und Timo Gebhart die Außenbahnen besetzten. Pavel Pogrebnyak und Ciprian Marica sollten dafür sorgen, den VfB in die vierte Runde zu bringen. Der Gegner aus Molde probierte sich zunächst in einem 4-5-1-System, in dem Baye Djiby Fall als einzige Spitze agierte.
Ulreich und die Flugstunden
Der Tabellen-13. aus der norwegischen Tippeligaen hatte die Generalprobe gegen Start Kristiansand mit 1:2 verpatzt, wollte sich dennoch nicht komplett in die Außenseiterrolle drängen lassen, obwohl der Verein mittlerweile mehr als Ausbildungsverein, denn als Spitzenteam beschäftigt ist. So versteckten sich die Norweger auch nicht und setzten die Marschroute ihres Trainers sorgsam um.
Kjell Jonevret hatte im Vorfeld erklärt, die große Chance seiner Mannschaft liege darin, dass der Gegner noch in der Vorbereitung stecken würde. Und das merkte man dem VfB in der ersten halben Stunde an. Die Abwehr der Schwaben nahm sich zeitweise eine kollektive Auszeit und auch Keeper Sven Ulreich buchte kostenlose Flugstunden, segelte aber zweimal unter dem in den Strafraum fliegenden Ball hindurch.
Magne Hoseth (5. Minute/ 12.) und Thomas Holm (24.) konnten diese Aussetzer aber nicht nutzen. Und so kam es einmal mehr so, wie es oft in den Situationen kommt: Der VfB ging in Führung. Timo Gebhart schickte den mitgelaufenen Außenverteidiger Molinaro auf die Reise. Der Italiener hob den Kopf, sah Rudy in der Mitte freistehend und der zuvor in 13 Spielen torlos gebliebene Mittelfeldspieler netzte zur überraschenden 1:0-Führung (27.) ein .
Lillebakk rettet den knappen Rückstand
Fünf Minuten später waren sich die Fans im Aker-Stadion zu Molde einig, Pogrebnyak musste das 2:0 machen. Doch der Russe konnte das Zuspiel von Celozzi nicht verwerten, scheiterte dabei mit seinem wenig grazil anmutendem Versuch an Marcus Andreasson, der das Spielgerät von der Linie kratzte. Als dann auch Keeper Knut Dorum Lillebakk einen Kopfball von Niedermeier über die Latte lenkte, sangen sich 100 mitgereiste Stuttgarter Fans in die Pause und blickten über den Ort, den schon Kaiser Wilhelm II im Sommer stets gerne besuchte.
Die Gäste kamen lebhaft aus der Pause, ohne natürlich mit aller Macht das 2:0 erzwingen zu wollen - warum auch. Die Feldüberlegenheit hatte aber zugenommen und es war an Molde, das Spiel in die Hand zu nehmen. Zudem agierte Pogrebnyak weiter als Fremdkörper und schaffte es nach 57 Minuten nicht, den Querpass von Celozzi aus gut zwölf Metern über die Linie zu drücken - Zielwasser hatte man ihm nicht in den Pausentee gefüllt.
Und wer sich zu sicher fühlt, der wird bestraft. In diesem Fall war es am Molder FK, aus heiterem Himmel einen Treffer zu erzielen. Ein von Jonas Moström eingeleiteter doppelter Doppelpass nahm die gesamte Stuttgarter Deckung auseinander, einzig Ulreich war auf der Höhe und parierte den Schuss von Baye Djiby Fall. Die Rettungstat von Niedermeier, der sich zuvor hatte verladen lassen, flog dann aber nur vier Meter weit, traf auf dem Weg die Brust von Moström und kullerte ins Tor (65.).
Harnik trifft zum Sieg
Es folgte nun zwar nicht die beste, dafür aber die unterhaltsamste Phase des Spiels - jedenfalls für die Zuschauer. Denn zunächst versenkte Kuzmanovic einen Freistoß ins kurze Eck (74.) - Celozzi hatte sich wunderbar in der Mauer stehend geduckt - und als so mancher Reporter dachte, dass der VfB nun aufdrehen würde, nutzte Magne Hoseth ein feines Zuspiel von Daniel Berg Hestad zu zwei Dingen. Erst ließ er Niedermeier ins Leere laufen und dann schob er auch noch zum 2:2 ein (76.).
Und die Schlagzahl blieb so hoch wie bei einem Wikingerboot. Erst verpasste Marica die Entscheidung, als er nach einer Flanke ein falsches Timing wählte und den Ball nicht traf, dann zeigte ihm Martin Harnik (82.) wie man das macht. Eine weite Flanke vom agilen Celozzi köpfte der gerade eingewechselte Österreicher gegen die Laufrichtung zum 3:2 in die Maschen.
Den Sieg verdankte der VfB dann letztendlich auch Ulreich, der nach einer ebenfalls weiten Flanke glänzend gegen Fall rettete und dann den kurzen Pfosten dicht machte und Aksel Berget Skjolsvik zu einem Schuss mit vollem Risiko zwang, der dann auch nur das Außennetz auf Tauglichkeit prüfte (85.). Dann war Schluss. Der VfB kann gut mit dem Ergebnis leben und wird, in der Vorbereitung einen Schritt nach vorne gehend, im Rückspiel anders auftreten. Molde zeigte eine sehr ansprechende Leistung, steckte niemals auf und wird sich auch in Stuttgart teuer verkaufen.
Gunnar Beuth