Deutschsprachiger Verein spielt in Belgiens 1. Liga

Eupens Freddy Mombongo war schon mal in Köln aktiv
In der belgischen Jupiler League wird kommende Saison deutsch gesprochen. Mit der AS Eupen gelang erstmals einem Club aus der deutschsprachigen Gemeinde Ostbelgiens der Aufstieg in die höchste Spielklasse. sportal.de stellt den Neuling vor.
Die AS Eupen ist ein ungewöhnlicher Verein. Der Klub aus der 17.000-Einwohner Kleinstadt unweit Aachens ist fest verankert in einer Region, die bis 1920 zu Deutschland gehörte und die zu 90 Prozent deutschsprachig ist. Nachdem er zunächst den französischen Namen Alliance Sportive (AS) tragen musste, durfte er 1981 die deutsche Bezeichnung Allgemeine Sportvereinigung (AS) annehmen und erhielt 1995 das Attribut "Königlich".
1969 erreichten die Schwarz-Weißen erstmals die zweithöchste Spielklasse und verpassten schon 1974 nur knapp den Sprung in die 1. Liga. Ein Jahr darauf ins Amateurlager abgestiegen, gelang erst 2002 die Rückkehr in die 2. Liga, in der das Team unter Trainer Dany Ost nun die Sensation schaffte.
Podolskis ehemaliger KollegeNicht unbeteiligt daran waren die begeisterungsfähigen Eupener Anhänger. "Matchwinner waren heute die Fans. Sie haben heute hier die Bude gefüllt. Am Sonntag brauchen wir die Unterstützung von Eupen und der ganzen Deutschsprachigen Gemeinschaft. Wenn die Fans kommen, können wir viel erreichen", hatte ASE-Torjäger Freddy Mombongo, einst in Kölns Regionalligamannschaft an der Seite von Lukas Podolski stürmend, vor dem entscheidenden Aufstiegsmatch gegen den RAEC Mons gefordert.
Und die gemütliche Grenzlandgemeinde ließ sich nicht lange bitten. "Lasst uns Geschichte schreiben" und "Erfüllt uns unseren Traum", war auf den Transparenten im mit 5.000 Zuschauern nahezu gefüllten Kehrwegstadion zu lesen, als Eupen mit einem 2:1 über Mons die Jupiler League erklomm.
Möglich war der Erfolg, weil zwei italienische Geschäftsleute die AS Eupen als "Parkplatz" für Talente entdeckten. So kamen Akteure wie Angreifer Matthias Lepiller aus Florenz, Kapitän Miiat Maric aus Bari und Verteidiger Alessandro Iandoli in die ostbelgische Provinz, wo sie vor allem ihren eigenen Wert steigern sollten. Mit dem überraschenden Aufstieg ist dies zweifelsohne gelungen.
Alles ehrenamtlichAbgesehen davon gilt die AS Eupen allerdings als familiärer Verein mit Amateurstrukturen. Klubsekretär Theissen ist als freigestellter Polizeibeamter bislang einziger Angestellter eines Vereins, in dem vom Kuchenverkauf bis zur Pressearbeit alles ehrenamtlich geschieht. Damit wird es angesichts der logistischen Herausforderungen bei Gastspielen belgischer Größen wie RSC Anderlecht und Nachbar Standard Lüttich nun aber wohl vorbei sein.
Ohnehin sieht sich die ASE vor ihrer ersten Saison als deutschsprachiger Anteil im Konzert der Fußballgrößen aus der französischsprachigen Wallonie und dem holländischsprachigen Flandern gewaltigen Herausforderungen ausgesetzt. "Man muss sich auf über drei Millionen Euro an Investitionsvolumen einstellen, das kurzfristig genehmigt, umgesetzt und verwirklicht werden muss", errechnete Karl-Heinz Lambertz, Ministerpräsident der Regionalregierung der "Deutschsprachigen Gemeinschaft" (DG), in einem Interview mit dem regionalen Radiosender "100'5".
Das Stadion ist nicht erstligareifEupens Kehrwegstadion wird um 4.000 überdachte Sitzplätze auf 10.000 erweitert werden, und auch die Flutlichtanlage muss aufgerüstet werden, um den TV-Anforderungen gerecht zu werden. Zudem fehlt es an Presseplätzen und einer Rasenheizung, muss die Frage nach der Unterbringung der Gästefans geklärt werden. "Wir hoffen, in Zusammenarbeit mit der Stadt Eupen und der deutschsprachigen Kommune bis zum 15. Oktober alles erledigt zu haben", gibt sich Klubsekretär Manfred Theissen optimistisch, alle Probleme lösen zu können.
Die Finanzierung ist bislang zwar noch nicht ganz geklärt, doch DG-Ministerpräsident Lambertz kündigte bereits an: "Es gilt seitens des Vereins und der Stadt klare Projekte vorzulegen mit präzisen Anträgen. Die Deutschsprachige Gemeinschaft steht dann vor der Frage, ob sie diese Investitionen in ihr Infrastrukturprogramm im Dringlichkeitsverfahren aufnimmt. Das würde dann die Voraussetzung dafür schaffen, dass diese Investitionen bis zu 60 Prozent von der Deutschsprachigen Gemeinschaft subventioniert werden könnten." Die DG betrachtet Eupens neugewonnenen Erstligastatus als attraktive Bereicherung für ihre Infrastruktur-Pläne in Ostbelgien.
Rassistische Tendenzen sind nach dem erstmaligen Aufstieg eines deutschsprachigen Klubs in die Jupiter League nicht zu erwarten. Belgien ist eine multikulturelle Gesellschaft, und das Verhältnis zwischen der deutschsprachigen Gesellschaft und den Wallonen bzw. Flamen gilt weitestgehend als störungsfrei. Nichtsdestotrotz ist man in Eupen stolz auf seine Pionierleistung und will seinen Erstligastatus 2010/11 verteidigen, am ersten Spieltag wartet mit der Auswärtsfahrt nach Anderlecht (31. Juli) aber gleich eine fast unlösbare Aufgabe.
Hardy Grüne