
Mario Mandžukić
"Ich wollte gerne in die Bundesliga, wollte zurück nach Deutschland. Hier habe ich meine ersten Fußballschritte gemacht." So war das bei Mario Mandžukić, der als Flüchtlingskind zum TSF Ditzingen kam und vier Jahre später zurück nach Kroatien ging. Nun hat er seinen Worten auch Taten folgen lassen und wird in der neuen Saison für den VfL Wolfsburg stürmen. Eine gute Wahl der Wölfe, wie sportal.de findet.
Natürlich war es der Herr Papa, der die Leidenschaft für Stollen, Rasen und Bälle forcierte, denn er nahm seinen Sprössling selbstverständlich mit zu jeder Trainingseinheit. "Ich kannte von klein auf immer nur den Ball. Auch zuhause in Kroatien hat mich mein Vater immer mitgenommen zum Training. Er war ein sehr guter Fußballer, ich habe ihn in seinen besten Jahren aber leider nicht erlebt", erklärt Mandžukić, den der VfL für sieben Millionen Euro von Dinamo Zagreb loseisen konnte und mit einem Vertrag bis 2014 ausstattete.
Aber nochmal ganz von vorne. Im Alter von vier Jahren kam Mario als Teil der Familie Mandžukić im beschaulichen Ditzingen an. Ein Ort, der immerhin schon 1966 die Stadtrechte erhalten hatte und heute gut 24.000 Einwohnern eine Heimat bietet. Während Vater Mato sich 1992 bei Ditzingen in der 3. Liga verdingte und mit Spielern wie Fredi Bobic und Sean Dundee zusammen spielte, begann der Sohn, sich in der TSV-Jugend mit den runden Spielgerät anzufreunden.
Verteidiger ist doch langweilig
Zunächst trat er dabei in die Fußstapfen seines alten Herren: "Er war Verteidiger. Ich selbst habe mal rechter Verteidiger gespielt", erklärte der 24-Jährige im Interview mit der WAZ. Doch wie bei einem normal bockigen Kind üblich, wurde der Plan über den Haufen geworfen und es kam zur Rebellion gegen das frühe Vorbild: "Aber ich will Tore schießen, deswegen bin ich schließlich Stürmer geworden."
Da passt es wunderbar ins Gesamtbild, dass der VfL Wolfsburg einen Spieler suchte, der mit dem Runden auch ins Eckige trifft. "In unserem System ist es wichtig, dass die Stürmer flexibel sind. Und es ist wichtig, dass er Tore schießen kann. Ich habe Mandžukić schon lange im Visier und bin glücklich, dass er nun bei uns ist", sagte Wolfsburgs Trainer Steve McClaren.
Das sieht auch Manager Dieter Hoeneß so: "Wir sind froh, dass wir Mario Mandžukić verpflichten konnten und sind überzeugt, dass er uns mit seiner Power in der Offensive unterstützen wird. Er ist sehr laufstark, und wir haben in unserem Spiel nach vorne nun mehrere Möglichkeiten. Zudem ist es natürlich von Vorteil, dass er gut deutsch spricht."
Mein neuer bester Freund
Neben der sprachlichen Qualifikation gibt es auch an seinen Qualitäten als Torjäger kaum Zweifel, zumindest, wenn man sich seine Bilanz ansieht. 2008 und 2009 holte er mit NK Zagreb die kroatische Meisterschaft, erzielte dabei in den vergangenen drei Jahren 52 Tore in 110 Spielen. 2009 war dabei sein erfolgreichstes Jahr, denn 16 Tore und elf Vorlagen in 28 Spielen bedeuteten gleichzeitig den Gewinn der Torjäger-Kanone - und solche Spieler mag man ja in Wolfsburg.
Dazu ist er eben kein statischer Stürmer, der auf Zuspiele lauert, um sie eiskalt im Gehäuse zu versenken. Mandžukić gibt eben auch Vorlagen, von denen Edin Dzeko profitieren soll. Seinen Sturmpartner kennt der perfekt deutsch sprechende Allrounder natürlich auch schon, wie er newsclick.de verriet: "Edin und Zwetschge (Misimovic) sind meine ersten Ansprechpartner. Sie helfen mir, mich beim VfL Wolfsburg einzuleben und zurechtzufinden. Edin kannte ich schon vorher etwas. In den wenigen Tagen hier ist er schon ein richtiger Freund geworden."
Der VfL mag dabei hoffen, dass man gute Freunde niemals trennen kann, denn Dzeko ist nach wie vor nicht glücklich in Wolfsburg. Aber zurück zu Mandžukić und seinem Spiel. Steve McClaren hat bereits angedeutet, nicht mehr mit Raute und zwei Stürmern spielen zu wollen. Er bevorzugt eher ein 4-4-1-1 oder 4-2-3-1. Somit hat der Engländer in dem Kroaten seinen Wunschstürmer gefunden, der sich im gesamten Offensivbereich wohl fühlt.
Das Idol mit dem Namen Ibrahimovic
Denn Mandžukić ist körperlich robust, verfügt über einen ordentlichen Kopfball, ist technisch und läuferisch stark, ruhig vor dem Tor und verfügt im Abschluss über eine ähnliche, fast schon an Arroganz erinnernde Lockerheit, wie sein Vorbild Zlatan Ibrahimovic.
"Er ist mein Idol. Wenn er spielt, schaue ich immer zu. Er ist einfach stark am Ball, kann damit alles machen. Er ist jemand, der immer top ist. Das will ich auch. Ich spiele Fußball, um am Ende Erster zu sein", erklärte er der WAZ. Natürlich muss Mandžukić seine bisher überzeugende Leistung nun in einer der stärksten Ligen der Welt umsetzen und den nächsten Schritt in seiner Entwicklung angehen.
Zumindest fühlt er sich in Deutschland wohl: "Es war mein Wunsch, in die Bundesliga zu wechseln. Ich bin jetzt bei einem sehr guten Klub und glaube, dass ich mit dem VfL Wolfsburg viel erreichen kann." Und auch bei der Wahl des Vereins scheint er das richtige Gefühl gehabt zu haben, das Klima scheint zu stimmen: "Ich bin glücklich. Die Jungs sind toll, es sind alles gute Spieler. Die Einheiten sind zwar hart, aber sehr gut. Ich habe den Eindruck, in Deutschland ist jedes Training wie ein Spiel. Es wird sehr konzentriert gearbeitet", so das erste Fazit.
Somit schließt sich der Kreis seiner bisherigen Laufbahn, die in Deutschland begann und ihn dann über die Stationen NK Zagreb, NK Marsonia Slavonski Brod, NK Zeljeznicar Slavonski Brod und Dinamo Zagreb wieder in die zweite Heimat führte. Sein Kindheitstraum war es aber, einmal als Kapitän von Dinamo auflaufen zu dürfen und nachdem Zagreb ihn im Sommer 2007 als Ersatz für Eduardo da Silva holte, dauerte es noch bis zum 20. September 2009. Beim 6:0-Sieg gegen HNK Rijeka trug er erstmals die Binde.
Ob Arsene Wenger sich irrt?
Zurückgekehrt nach Deutschland ist er nun als aktueller Nationalspieler und beim VfL will er weitere Argumente vorbringen, die ihn zum Stammspieler bei Trainer Slaven Bilic machen sollen. "Ich bin schon dicht dran an der Stamm-Elf", so Mandžukić, der bisher einen Treffer in 13 Spielen erzielen konnte - immerhin gegen England, bei der 1:4-Niederlage am 10. September 2008.
Mit 24 ist er natürlich kein wirkliches Talent mehr, doch es gibt trotz seiner 1,86 Meter noch genügend Luft nach oben, was auch Arsene Wenger erkannt hat, der kurze Zeit Überlegungen anstellte, den Spieler zu verpflichten. Doch er war skeptisch ob der Leistungsfähigkeit des jungen Mannes. "Ich habe darüber nachgedacht, einen Stürmer zu verpflichten. Aber ich muss zugeben, dass ich die Idee verworfen habe, denn ich habe keinen Spieler gefunden, der mich überzeugt hat", erklärte er der Daily Mail.
Man kann nun darüber streiten, wie weit sich der VfL Wolfsburg vom FC Arsenal entfernt befindet. Der Trainer der Gunners würde sicherlich den einen oder anderen Spieler der Wölfe gerne in seinem Team vorfinden und vielleicht, wenn er nach der kommenden Saison zu jenem Thema gefragt wird, es auch bereuen, den jungen Kroaten verschmäht zu haben.
Gunnar Beuth