Jerome Boateng traf und war dann an zwei Gegentoren beteiligt
Der HSV steht im Viertelfinale der Europa League. Das ist für sportal.de die gute Nachricht, denn die Hamburger können weiter vom Finale im eigenen Stadion träumen. Allerdings zeigte das Team von Trainer Bruno Labbadia bei der 3:4-Pleite gegen den RSC Anderlecht unglaubliche Schwächen in der Defensive.
Für die zeitweise furios aufspielenden Belgier trafen Romelu Lukaku (44.), Matias Suarez (45.), Lucas Biglia (59.) und Mbark Boussouffa (66.). Beim HSV erzielten Jerome Boateng (42.), Marcell Jansen (54.) und Mladen Petric (75.) die wichtigen Auswärtstore, zwischenzeitlich musste aber ordentlich gezittert werden.
Torun überraschend in der Startelf
Labbadia hatte die Lehren aus der 2:4-Pleite in Leverkusen gezogen und sein Team auf drei Positionen verändert, zu einem Wechsel wurde er durch den kurzfristigen Ausfall von Dennis Aogo aber auch gezwungen. Für Aogo rückte der für die rechte Seite eingeplante Jerome Boateng nach links, rechts erhielt Tomas Rincon den Vorzug vor dem formschwachen Guy Demel. Und im Mittelfeld ersetzte Tunay Torun den erneut angeschlagenen Eljero Elia.
Boateng hatte sich noch nicht wirklich an seine neue Position gewöhnt, da wurde es schon gefährlich. Ganze neun Sekunden dauerte es bis zur ersten Flanke, David Rozehnal klärte zur Ecke, in deren Anschluss Cheikhou Kouyaté erstmals Torwart Frank Rost prüfte.Die Belgier machten damit früh klar, dass sie ihr Heil in der Offensive suchten, neben Jungstar Romelu Lukaku bot Trainer Ariel Jacobs Mbark Boussoufa und Matias Suarez im Dreiersturm auf.
Das erhoffte frühe Tor gelang Anderlecht allerdings nicht, auch weil es die Hamburger schnell schafften, Ruhe in ihre Aktionen zu bringen. Und sie suchten selbst den Weg in die Offensive, mit einem Treffer wären die heißblütigen 22.000 Zuschauer im Constant Vanden Stock Stadion früh zu beruhigen gewesen. Doch Mladen Petric ließ die ersten beiden guten Gelegenheiten verstreichen (4./17.).
Van the man hängt in der Luft
Nach 20 Minuten beruhigte sich die Partie oder anders gesagt: Der HSV hatte das Geschehen nun im Griff, denn Anderlecht tat sich im Spielaufbau schwer und schaffte es nicht, wie noch in den ersten Minuten, Druck auf das HSV-Gehäuse aufzubauen. Vieles spielte sich in dieser Phase im Mittelfeld ab - das totale Kontrastprogramm zum spektakulären 4:4 von Werder Bremen gegen Valencia - aber das war nur eine Zwischennotiz.
Die Gäste suchten in der Spitze immer wieder Ruud van Nistelrooy, doch der Niederländer - zum dritten Mal in Folge in der Startformation - konnte die Bälle wie Sturmpartner Petric selten halten. Auch Marcell Jansen knüpfte auf der linken Seite nicht an die guten Leistungen der vergangenen Wochen an und so präsentierten sich die Hamburger im Angriff als laues Lüftchen.
Doch nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war die Labbadia-Elf auch gar nicht in der Pflicht, der königliche Sportclub aus dem Brüsseler Vorort brauchte mindestens zwei Treffer. Richtig gefährlich wurde es aber erst wieder in der 34. Minute, als Rost eine Boussoufa-Ecke entschärfte und auch beim Nachschuss von Ondrej Mazuch zur Stelle war.
Die zwei Gesichter des Jerome Boateng
Die Schlussphase der ersten Halbzeit zeigte dann wie eng Freud und Leid beieinander liegen können. Boatengs Nominierung für die linke Seite machte sich bezahlt, als der Rechtsfuß nach einem abgewehrten Freistoß von Torun an der Strafraumkante an den Ball kam und Keeper Silvio Proto mit einem Schlenzer überwand (42.).
Stimmen zum Spiel:
1/2
Marcell Jansen: "So leichte Tore dürfen wir nicht kriegen. Wir sind froh, dass wir weiter sind. Fußball ist manchmal verrückt."
Die Hamburger und insbesondere Boateng träumten von einer Halbzeitführung, doch der Nationalspieler ließ Boussoufa aus den Augen und nach dessen Flanke kümmerte sich niemand um Lukaku und der 16-Jährige köpfte völlig freistehend zum 1:1 ein (44.).
Ddamit war das Boatengsche Wechselbad noch nicht beendet, denn völlig unnötig brachte er Suarez im Sechzehner zu Fall, obwohl der Argentinier schon auf dem Weg raus aus dem Strafraum war. Schiedsrichter Terje Hauge zeigte zurecht auf den Punkt und der Gefoulte ließ Rost mit einem platzierten Elfmeter keine Chance (45.).
Den Elan hinüber gerettet
Den Schwung der letzten zwei Minuten der ersten Halbzeit, begünstigt durch die Schläfrigkeit der Hamburger, nahm der RSC direkt mit in den zweiten Durchgang. Boussoufa bediente nach wenigen Sekunden den Ex-Bremer Jelle van Damme, doch Rozehnal konnte zur Ecke klären. In deren Anschluss zog Kouyaté einfach mal ab, doch Kapitän David Jarolim klärte auf der Linie für den bereits geschlagenen Rost (47.).
Das 3:1 lag also in der Luft und dann wäre es für die Hamburger wohl eng geworden, doch Jansen hatte kurz darauf die richtige Antwort und sorgte mit dem etwas überraschenden 2:2 für die gefühlte Vorentscheidung. Petric wollte mit seiner Flanke eigentlich van Nistelrooy bedienen, doch der Ball landete am zweiten Pfosten bei Jansen und der zweifache Torschütze in der Europa League legte aus spitzem Winkel seinen dritten Treffer im Wettbewerb nach (54.).
Gefühlt war die Vorentscheidung nur, weil die Hamburger in der Folge nahtlos an das Abwehr-Chaos aus dem Spiel in Leverkusen anknüpften. Beim dritten Treffer der Belgier zog Boussoufa zwei Spieler auf sich, deshalb war niemand bei van Damme und im Anschluss auch niemand bei Biglia und der Argentinier schob ganz überlegt ein (59.). Weitere sieben Minuten später nahm sich dann auch noch Rost seinen Patzer, der Keeper wollte den Ball nach einer Lukaku-Flanke seelenruhig aufnehmen, doch Boussoufa war schneller und spritzte dazwischen.
Es brennt lichterloh
Das Ganze wäre nur halb so schlimm gewesen, wenn Petric vor dem 3:2 die riesige Konterchance zum dritten Tor genutzt hätte, doch kurz vor dem Abschluss des freistehenden Kroaten hoppelte der Ball über eine Bodenwelle und so ging der Schuss in die zweite Etage (56.).
So begann kurzzeitig das große Zittern im HSV-Block, denn die Königlichen starteten einen Angriff nach dem nächsten und es brannte einige Minuten lichterloh in der Hamburger Abwehr. Doch wenn es hinten nicht passt, muss man vorne halt noch häufiger treffen - die Hamburger sollten sich aber sicher sein, dass das in den kommenden Wochen nicht immer so funktionieren wird. In diesem Fall bediente Jarolim Petric und der Stürmer behielt aus 13 Metern die Nerven und verwandelte sicher ( 75.).
Damit war der Zahn auf belgischer Seite gezogen, die junge Mannschaft glaubte nicht mehr an sich und so schaukelten die Hamburger die Niederlage und den damit verbundenen Einzug ins Viertelfinale nach Hause.
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