Entblößte Abwehrreihen, packende Torraumszenen und acht Tore - sportal.de sah, wie Werder beim 4:4 gegen Valencia zwar furios fightete, aber insgesamt Opfer seiner zu schwachen Chancenauswertung, seiner grottenschlechten Defensivleistung und David Villas wurde und im Achtelfinale der Europa League ausschied.
In der völlig irren Partie hatten David Villa (3.) und Juan Mata (15.) die Gäste aus Valencia früh in Führung geschossen. Werder konnte durch Hugo Almeida zwar verkürzen (26.), kassierte aber kurz vor dem Halbzeitpfiff erneut durch Villa sogar noch das 1:3 (45.).
Auch im noch rasanteren zweiten Abschnitt ging es Schlag auf Schlag. Torsten Frings hielt Bremen per Foulelfmeter im Spiel (57.), Marko Marin glich aus (62.), ehe Matchwinner Villa mit seinem dritten Treffer wieder auf 3:4 erhöhte (66.). Der erneute Ausgleich von Claudio Pizarro (84.) reichte aber nicht mehr, um Werder noch ins Viertelfinale zu bringen. Valencia profitierte nach dem 1:1 im Hinspiel von den mehr geschossenen Auswärtstoren und darf sich über den Einzug in die nächste Runde freuen.
Völlig verpatzter Start
Werders ohne die verletzten Peter Niemeyer, Sebastian Boenisch und den gesperrten Philipp Bargfrede wurde kalt erwischt. Die Partie hatte gerade erst begonnen, als Naldo unbedrängt einen langen Ball per Kopf direkt in die Füße David Silva klärte. Der passte weiter auf den mitgelaufenen David Villa, der auf der linken Angriffsseite völlig unbeaufsichtigt in den Strafraum eindringen und flach zum 0:1 einschießen konnte (3.).
Valencia drückte weiter und brachte Werders völlig ungeordnete Defensive damit in große Nöte. Tim Wiese konnte nach einem erneuten Naldo-Fehler mit einer Fußabwehr gerade noch den zweiten Treffer von Villa verhindern (7.). Doch vor lauter Offensivdrang entblößten die Gäste die eigene Abwehr zu sehr. Aaron Hunt und Claudio Pizarro vergaben jedoch gute Möglichkeiten zum schnellen Ausgleich (8./10.).
Bremen kam besser ins Spiel, machte sich aber durch den nächsten Defensivstockfehler das Leben noch schwerer. Mit einem Lob hebelte Silva die Abwehr der Gastgeber aus, Juan Mata nahm den Ball auf und vollstreckte zum 0:2 (15.) - Wiese war ohne Abwehrchance.
Almeida hält den Anschluss
Derart kalt erwischt warf Thomas Schaaf sein 4-5-1 über den Haufen und brachte nach 21 Minuten anstelle von Tim Borowski mit Hugo Almeida einen zweiten Stürmer. Und der Joker stach. Marko Marin spielte auf Pizarro, dessen perfekten Pass der Portugiese zum 1:2-Anschlusstreffer ins Netz bugsierte (26.).
Beide Teams agierten weiter mit offenem Visier und Bremen kam dem Ausgleich sehr nahe. Doch die schwache Chancenverwertung, vor der Keeper Tim Wiese schon vor der Partie gewarnt hatte, wurde erneut zum Manko der Bremer. U.a. setzte Hunt, nach tollem Pass von Marin, den Ball vorbei, dann schoss der freistehende Almeida daneben (36.).
Nächster Stockfehler ermöglicht das 1:3
Vorne trafen sie nicht und hinten präsentierte sich Werder weiter desolat. Die Hoffnung auf Besserung, nachdem Per Mertesacker einen Villa-Schuss abblocken konnte, erwies sich als Trugschluss. Kurz vor dem Halbzeitpfiff passierte der nächste Stellungsfehler der Viererkette.
Silva hatte alle Zeit der Welt, um von der Grundlinie auf Villa zurückzulegen. Naldo, Torsten Frings und Mesut Özil standen mit offenem Mund daneben und schauten zu, wie dieser mit seinem zweiten Treffer das 1:3 erzielte (45.).
Werder gleicht aus und verbaut sich alles
Valencia zog sich in der zweiten Hälfte mehr zurück und verlegte sich auf Konter. Werder übernahm die Initiative und startete mit einem tollen Kopfball von Naldo. Doch Keeper Cesar Sanchez hielt mit toller Parade die Führung fest (47.). Kurz darauf rettete der Torhüter gegen einen strammen Schuss von Almeida (49.).
Stimmen zum Spiel:
1/3
Thomas Schaaf: "Die entscheidenden Dinge im Fußball sind, dass man Tore schießt und verhindert - beidem sind wir nicht gerecht geworden."
Doch ein Foul des von Valencia-Coach Unai Emery kurz zuvor eingewechselte Jordi Alba bescherte Werder den Anschluss. Eigentlich hatte dieser helfen sollen, das Ergebnis zu halten. Doch er hielt Marin im Strafraum. Frings verwandelte den Strafstoß zum 2:3 (57.).
Als der quirlige Marin für die nun drückend überlegenen Hausherren nach Freistoßfinte von Özil sogar das 3:3 nachlegen konnte (62.), glaubten die knapp 23.000 im Weserstadion an ein neues Europapokal-Wunder. Doch sie hatten vergessen, dass Werder ohne Abwehr agierte. Nach Zuspiel von Mata startete erneut Villa, allerdings aus stark abseitsverdächtiger Position, auf dem entblößten rechten Flügel durch und schloss zum 3:4 ab (66.).
Das Wunder bleibt unvollendet
Werder ließ sich aber auch durch den erneuten Nackenschlag nicht schocken und glaubte weiter an sich. Doch sie bissen sich zunächst in Person von Pizarro die Zähne an Sanchez aus (75.), dessen Kasten Almeida kurz darauf deutlich verfehlte (77.). Als der Keeper einen Özil-Schuss prallen lassen musste, konnte Hedwiges Maduro per Grätsche für ihn retten (81.).
Doch dann ließ Alba - der, Sie erinnern sich, eigentlich das Ergebnis halten sollte, Pizarro zuviel Raum. Der Peruaner bedankte sich per Kopf mit dem 4:4-Ausgleich (84.). Werder warf alles nach vorne, um das fehlende Tor zum Weiterkommen doch noch zu erzielen, wurde am Ende aber nicht mehr belohnt.
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