Zehn Minuten lang sah es auch für sportal.de so aus, als ob der VfB Stuttgart die Serie der Überraschungen in der Champions League hätte fortsetzen können. Doch dann drehte Lionel Messi auf und mit jeder Minute kroch mehr Respekt in die Kleider der Schwaben. Am Ende reichte dem FC Barcelona eine durchschnittliche Leistung, um weiter von der Titelverteidigung träumen zu können.
Beim 4:0-Sieg gegen mutlose und ängstliche Stuttgarter erzielte Messi zwei Treffer (13./60.), dazwischen traf noch Pedro Rodriguez (22.) und in der 89. Minute setzte der gerade eingewechselte Bojan Krkic den Schlusspunkt. Der VfB kann sich nun auf die Bundesliga konzentrieren, Barcelona könnte das erste Team seit der Einführung der Königsklasse sein, das den Titelgewinn wiederholen könnte. Besondere Brisanz bekommt diese Möglichkeit durch die Tatsache, dass das Finale im Stadion des Erzrivalen Real Madrid steigen wird.
Kompaktes Mittelfeld
Vor der Partie kokettierten die VfB-Verantwortlichen mit ihrer Außenseiterrolle, doch in jeder Aussage schwang die Zuversicht mit, mit einem optimalen Spiel die kleine Chance fürs Viertelfinale zu nutzen. Auch wenn die Stuttgarter in jedem Fall ein Tor erzielen mussten, setzte Trainer Christian Gross auf ein kompaktes Mittelfeld. Für den offensiven Timo Gebhart rückte Stefano Celozzi in die Startelf, der zusammen mit Christian Träsch die rechte Seite dicht machen sollte. Für den kurzfristig ausgefallenen Serdar Tasci rückte zudem Georg Niedermeier in die Innenverteidigung.
Bei den Katalanen wiederum musste kurzfristig Mittelfeldstratege Xavi passen, Trainer Pep Guardiola setzte stattdessen auf Yaya Touré. Erneut nur auf der Bank Platz nehmen durfte Zlatan Ibrahimovic, der Schwede konnte zuletzt nicht überzeugen und wurde im Zentrum durch Thierry Henry ersetzt.
Einen Messi lässt man nicht laufen
Doch wer braucht einen Ibrahimovic, wenn Messi in der entscheidenden Phase der Saison zur absoluten Bestform aufläuft? Schon am vergangenen Spieltag in der Primera División gegen den FC Valencia war der Argentinier der Matchwinner, Messi erzielte beim 3:0-Sieg gegen Bremens Gegner in der Europa League alle drei Treffer. Bei Zdravko Kuzmanovic war dieser Formanstieg Messis gegenüber dem Hinspiel aber nicht angekommen, denn der Serbe gab dem Weltfußball in der 13. Minute nur gastgeberfreundlichen Geleitschutz:
Messi war in der Anfangsphase nicht wirklich im Spiel und so holte sich der Stürmer bereits kurz hinter der Mittellinie den Ball. Das gefürchtete Tempodribbling begann früh, Kuzmanovic hätte es aber genauso früh beenden können. Doch die Passivität des Sechsers brachte in der Folge auch Träsch in Bedrängnis und so marschierte Messi bis zum Strafraum und krönte seinen Sololauf mit einem satten Pfund in den Winkel - Jens Lehmann war bei seinem vermutlich letzten Spiel auf internationaler Bühne ohne Chance.
Dabei waren die Schwaben zuvor gut in das Spiel gestartet. Die kompakte Defensive ließ keine Chancen zu, das Kombinationsspiel der Blaugrana wurde früh unterbunden und auch der Wille, mit eigenen Aktionen für das dringend benötigte Auswärtstor zu sorgen, war deutlich erkennbar.
Immerhin nicht wie die Bayern
An der Ausgangslage des Außenseiters hatte sich durch dieses Tor nichts geändert. Ein Tor hätte für eine Verlängerung gereicht - immerhin hatte Gross vorher Elfmeter trainieren lassen. Doch das Spiel hatte sich grundlegend geändert. Barca wurde immer selbstsicherer und beim VfB wurde der Respekt vor dem Titelverteidiger ein gehöriges Stück größer.
Stimmen zum Spiel:
1/3
Christian Gross: "Barcelona war klar besser. Der Wille war da, aber es wurden schonungslos Grenzen für uns aufgezeigt."
Und so verwunderte es nicht, dass nach der nächsten wirklich gelungenen Offensivaktion der Gastgeber das zweite Tor fiel. Messi bediente auf der linken Seite Touré, der Celozzi im Rücken weggelaufen war, und der Ivorer sah in der Mitte den von Mathieu Delpierre allein gelassenen Pedro und der Jungstar drückte den Ball über die Linie (22.).
Die Angst vor einem Debakel wurde größer, die Erinnerung an die vier Gegentore des FC Bayern in einer Halbzeit im Viertelfinale der vergangenen Saison waren noch sehr frisch. Doch die junge VfB-Truppe machte nicht den Fehler, nun völlig aufzumachen, um auf den Anschlusstreffer zu spielen. Gross hatte sein Team auch für diesen Fall vorbereitet, die kompakte Spielweise änderte sich jedenfalls nicht. Zudem gaben sich die Katalanen mit dem Zwei-Tore-Vorsprung zufrieden und nahmen wieder einen Gang heraus.
Keine Entlastung
In der Pause entschied sich Gross dann aber doch für ein offensives Signal, Gebhart kam für Celozzi und sollte auf der rechten Seite für mehr Entlastung sorgen. Doch mutiger wurden die Aktionen der Stuttgarter dadurch nicht, die erste wirkliche Torchance ließ weiter auf sich warten. Und so änderte sich vor knapp 90.000 Zuschauern im Camp Nou wenig. Die Gäste wirkten stets bemüht, schafften es aber nicht für Torgefahr zu sorgen und auf der anderen Seite war Barcelona jederzeit in der Lage das Tempo anzuziehen.
Eine solche Verschärfung brachte der Blaugrana dann auch die erste Chance des zweiten Durchgangs. Messi setzte sich auf links mal wieder gegen Kuzmanovic durch und bediente an der Strafraumgrenze Touré, der Schuss des starken defensiven Mittelfeldspielers ging aber knapp am Pfosten vorbei (56.).
Vier Minuten später fiel dann die endgültige Entscheidung, wobei schon vorher nur noch die kühnsten VfB-Optimisten an eine Wende geglaubt hatten. Pedro setzte sich auf dem rechten Flügel durch, Dani Alves verlängerte den Pass per Hacke auf Messi, der Argentinier drehte sich um Gebhart und traf per Flachschuss (60.).
Ibrahimovic bedient Bojan
In der Schlussphase des Spiels ging es nur noch darum, ob der VfB seine erste echte Torchance bekommen sollte und wie groß die Luft der Gastgeber auf weitere Nadelstiche war. Wir können es verraten, die Möglichkeit der Stuttgarter kam nicht, stattdessen hatte Messi noch Chancen zu zwei weiteren Toren.
Doch Lehmann wurde zunächst noch verschont, erst in der 89. Minute machte Joker Bojan die Wiederholung des Ergebnisses der Bayern-Blamage der vergangenen Saison perfekt. Ibrahimovic hatte seinen neuen Stutmpartner geschickt und der 19-Jährige schob den Ball am herauslaufenden Lehmann vorbei ins Netz. Die Angst der Stuttgarter war einfach zu groß für ein besseres Ergebnis.
Aus Bayern-Sicht hat Paul Breitner alles richtig gemacht. Seinem Club bescherte die Glücksfee in Nyon den vermeintlich leichten FC Basel als Achtelfinalgegner, während er Bayer Leverkusen ausgerechnet Topfavorit und Titelverteidiger FC Barcelona aus dem Topf zauberte.