Bielefeld steht vor dem Neuanfang

Detlev Dammeier muss wohl länger einspringen
Die Zukunft von Arminia Bielefeld ist ungewiss. Nach dem Abzug von vier Punkten ist der Aufstieg in die Bundesliga abgehakt, zudem drückt ein immenser Schuldenberg, der den Club zu einem harten Kosolidierungskurs zwingt. Die Trainersuche liegt vorerst auf Eis, die Lizenz ist noch lange nicht gesichert.
"Wir sind keine Träumer und richten alles voll und ganz auf eine weitere Saison in der 2. Liga aus", sagte Aufsichtsratschef Norbert Leopoldseder angesichts des nun auf zehn Punkte angewachsenen Rückstandes auf den Relegationsplatz.
Trainersuche vorerst gestoppt
Die Suche nach einem neuen Trainer der Arminia, die seit dem Rauswurf von Thomas Gerstner vor einer Woche von Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier betreut wird, wurde erst einmal auf Eis gelegt."Das genießt keine Priorität. Wir werden erst überprüfen, unter welchen Voraussetzungen wir in die neue Saison gehen", sagte Finanz-Geschäftsführer Heinz Anders.
Eigentlich sollte in dieser Woche ein neuer Chefcoach präsentiert werden. Doch voraussichtlich wird Dammeier auch beim anstehenden Derby gegen den SC Paderborn auf der Bank sitzen.
Fans protestieren und bedrohen Vorstand
Zusätzlich droht Ärger mit den geschockten Fans. In Internetforen machten viele Anhänger ihrem Unmut Luft und riefen zu Protesten auf. Am Mittwoch trat Vizepräsident Frank Kottmann von seinem Amt zurück, weil er sich bedroht fühlte."Dass nun, wo die Probleme bekannt sind, von außen Anfeindungen in Form von massiven Beleidigungen und Bedrohungen gegen mich persönlich ausgesprochen werden, kann ich nicht akzeptieren", begründete er seinen Rückzug.
Lizenz noch nicht gesichert
Noch ist nicht sicher, ob der Club die Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten wird. Auch wenn die 4,2 Millionen Euro, die im laufenden Etat fehlten, inzwischen gedeckt sind und die Finanzierung der Saison gesichert ist, bleibt die Lage angespannt. Planungen auf allen Ebenen sind schwierig.
"Vor uns liegt ein gigantischer Berg an Arbeit", räumte Anders selbst im Fall der Lizenzerteilung ein, an der"Restzweifel" bestünden."Wir werden tief unten anfangen. Aber wir haben die Chance, eine Saison zu planen, die auf eigenen Berechnungen und nicht auf Zahlen anderer beruhen." Um sich neu auszurichten, muss Arminia neue Geldquellen erschließen, einen strikten Sparkurs fahren und auf die Hilfe der regionalen Wirtschaft hoffen. "Wir brauchen das Bekenntnis der Region", betonte Anders.
Anwalt ist zuversichtlich
Nach Einschätzung des Sport-Anwalts Christoph Schickhardt, der den Club in den Verhandlungen mit der DFL juristisch vertreten hatte, ist Arminia noch einmal mit einem"dunkelblauen Auge" davon gekommen. Sie sei bestraft worden, weil die im vergangenen Frühjahr im Lizenzantrag genannten Zahlen"nicht immer jeder Realitätsprüfung standgehalten haben", erläuterte er.
Mehrfach musste nachgebessert werden."Dabei hat es der Club versäumt, das Abarbeiten mit der DFL zu kommunizieren." Laut Schickhardt drohte sogar ein Lizenzentzug. Dennoch geht er von einem Verbleib in der 2. Liga aus."Ich bin zuersichtlich, dass sie die Lizenz bekommen." Schickhardt traut Anders und Leopoldseder zu, den Verein aus dem tiefen Tal wieder herauszuführen."Sie stehen für offene Zahlen. Arminias Faustpfand ist die absolute Transparenz und Glaubwürdigkeit."