Das Thema Bundesliga-Rückkehr kann Arminia Bielefeld wohl schon abhaken. Der in Finanznöten schwebende Club bekommt wegen Verstoßes gegen die Lizenzbedingungen am Ende der Saison vier Punkte abgezogen und muss zudem 50.000 Euro Strafe berappen.
"Die Sanktionierung erfolgte aufgrund von Verstößen gegen die Bestimmungen der Lizenzierungsordnung im Nachlizenzierungsverfahren der Spielzeit 2009/2010", teilte die DFL mit. Demnach erfolgt der Punktabzug am Ende der aktuellen Spielzeit. Derzeit beträgt der Abstand der Arminia zum Aufstiegs-Relegationsplatz sechs Zähler. Der Club hat die Strafe bereits akzeptiert.
Bekommt Arminia überhaupt eine Lizenz?
Doch noch ist nicht einmal sicher, ob der Club überhaupt die Lizenz für die kommende Saison erhält: "Es bestehen Restzweifel, ob uns das gelingt", räumte Finanz-Geschäftsführer Heinz Anders ein.
Das konsequente Vorgehen der DFL wirft den in Finanznot geratenen Absteiger nicht nur im aktuellen Kampf um die Aufstiegsplätze, sondern möglicherweise um Jahre zurück. Alle Hoffnungen der Clubspitze auf künftige Mehrerlöse in der Bundesliga erwiesen sich als Wunschdenken. Mit dem Punktabzug zum Saisonende beträgt der Abstand zum Relegationsplatz bereits zehn Zähler.
Doch ohne den Wiederaufstieg muss der Etat deutlich gesenkt werden. Verkäufe von Stars wie Giovanni Federico und Dennis Eilhoff erscheinen angesichts eines Gesamtschuldenstandes in Höhe von 15,5 Millionen Euro unvermeidbar.
DFL empfiehlt Neuanfang
"Die DFL hat uns einen Neuanfang nahelegt", sagte Rechtsanwalt Christoph Schickardt, der Bielefeld in den Gesprächen mit der DFL juristisch vertreten hatte. Gleichwohl geht der Jurist von einem Verbleib Bielefelds in der 2. Liga aus: "Die Arminia ist mit einem blauen Auge davongekommen. Ich bin zuversichtlich, dass sie die Lizenz bekommt."
Es komplettiert das Bild von turbulenten Verhältnissen, dass der Club en passant auch noch einen neuen Trainer suchen muss. Im Verlauf der Woche soll der Nachfolger von Thomas Gerstner gefunden werden, von dem sich die Arminia am vorigen Mittwoch getrennt hatte.
Von einem Job mit Perspektive kann für den neuen Coach allerdings nur bedingt die Rede sein. Denn der ambitionierte Zweitligist hat sich bei der Modernisierung des Stadions und der Zusammenstellung des Kaders schwer verhoben und im Februar eine Finanzierungslücke in Höhe von 2,5 Millionen Euro für die laufende Spielzeit eingeräumt. Deshalb war er von der DFL zu einer Nachbesserung bis zum 5. März aufgefordert worden. Wie der Club am Dienstag mitteilte, beläuft sich die aktuelle Unterdeckung sogar auf 4,2 Millionen Euro.
Vor allem die nicht eingeplanten Mehrkosten in Höhe von sechs Millionen Euro für den Umbau der Ost-Tribüne machen schwer zu schaffen. Zudem verlief die Entwicklung bei den Zuschauerzahlen und den Sponsorzuwendungen nicht wunschgemäß. Liquiditätsprobleme waren die Folge: Wiederholt mussten Gläubiger vertröstet werden. Zudem sollen Gehälter für Spieler und Angestellte verspätet ausgezahlt worden sein.
Gleiches Schicksal wie Koblenz
Bielefeld hatte im Februar eine Finanzierungslücke in Höhe von 2,5 Millionen Euro für die laufende Spielzeit eingeräumt und war von der DFL zu einer Nachbesserung bis zum 5. März aufgefordert worden.
Damit ereilte den Absteiger ein ähnliches Schicksal wie die TuS Koblenz. Der Ligakonkurrent war in der Saison 2007/2008 wegen "Täuschung im Lizenzierungsverfahren" mit einem Abzug von sechs Punkten und einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro belegt worden.
Die SpVgg Greuther Fürth und der FC St. Pauli haben vorgelegt und die Aufstiegs- konkurrenten Düsseldorf und Frankfurt vor deren direktem Duell unter Druck gesetzt.