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Berliner Randale löst neue Diskussion aus
Berliner Randale löst neue Diskussion aus
Die Polizei zeigte beim Hertha-Training nach dem Spiel Präsenz

Den Ausschreitungen von Berlin werden umfassende Diskussionen über den Umgang mit dem Thema Gewalt folgen. Während die Polizeigewerkschaft ein völlig neues Konzept fordert, will der DFB seine Positionierung gegenüber den Fans überprüfen. Zwischen die neuen Ansätze mischte sich auch die Angst vor Nachahmern.

"Es muss tatsächlich alles neu auf den Prüfstand", sagte der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt nach den jüngsten Gewalt-Aktionen im Anschluss an die 1:2-Niederlage von Hertha BSC gegen den 1. FC Nürnberg. "Ich bin fassungslos. Offensichtlich hält die Chaoten nichts zurück."

"Es wurde die nächste Schwelle überschritten"

Der DFB-Kontrollausschuss hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) hat die Vorfälle verurteilt, sich zugleich aber nicht überrascht gezeigt. "Völlig unerwartet kam das nicht. Es wurde auf einer Entwicklungsleiter aber die nächste Schwelle überschritten", sagte Gabriel.

"Neu war, dass es für alle sichtbar im Stadion passiert ist und mit dem Stürmen des Feldes und dem Attackieren der eigenen Spieler quasi das Heiligste im Fußball überhaupt angegriffen wurde." Diese Dimension könne Nachahmer auf den Plan rufen: "Diese Gefahr sehe ich schon."

Wie ein DFB-Sprecher bestätigte, wurde Hertha BSC zu einer "zeitnahen Stellungnahme" aufgefordert. Der Kontrollausschuss wird auch Fernsehbilder und Ermittlungsergebnisse der Polizei auswerten und dann entscheiden, ob er Anklage vor dem Sportgericht erheben wird - wovon auszugehen ist. 100 bis 150 Randalierer aus dem Hertha-Fanblock hatten mit Holz- und Metallstangen den Innenraum des Olympiastadions gestürmt und dort randaliert.

DFB für Selbstregulierung durch Fans

Helmut Spahn, der Sicherheitsbeauftragte des DFB, verweist darauf, dass man den Fans seit Jahren mit den verschiedensten Initiativen die Hand gereicht habe. "Wir müssen überprüfen, ob wir diese Privilegien aufrechterhalten können", sagte er im Interview auf der DFB-Homepage.

Spahn setzt weiter auf einen Selbstregulierungsprozess unter den Anhängern: "Ich weiß, dass das im Einzelfall nicht immer einfach ist, aber die echten Fans müssen, wenn sie sehen, dass sich in ihrem Block ein Gewaltpotenzial entwickelt, auch mal beschwichtigend eingreifen und versuchen, die Gewalttäter abzuhalten." Ähnlich ist es auch in einem Offenen Brief der Fan-Beauftragten der Clubs formuliert, die sich erst vor einer Woche gegen Gewalt ausgesprochen hatten.

Polizei für personengebundene Eintrittskarten

Wendt warf dem privaten Ordnungsdienst in Berlin Fehler vor, "der war ganz offensichtlich überfordert". Er erneuerte die Forderung der Polizeigewerkschaft nach personengebundenen Eintrittskarten. Damit wären die potenziellen Gewalttäter zumindest schon registriert: "Kombiniert mit einer vernünftigen Videoüberwachung" könne das Fortschritte bringen, unterstrich der Polizeigewerkschaftschef.

Spahn bezeichnete dies und Forderungen nach "Geisterspielen" als "populistische Forderungen". Auch in der Fan-Arbeit einiger Vereine und Verbände müssten "völlig andere Schwerpunkte" gesetzt werden, sagte Wendt. Die Polizeigewerkschaft sieht außerdem den Effekt der sogenannten Fanprojekte kritisch, es gebe "keine vernünftige Wirkungs-Analyse". Der DFB und die DFL stecken pro Jahr rund 1,3 Millionen Euro in 47 Fanprojekte.

Bechränkungen könnten auch friedliche Fans betreffen

Polizeieinsätze in deutschen Fußball-Stadien haben laut Wendt in der vergangenen Saison 1,5 Millionen Arbeitsstunden verschlungen, "das ist die Jahresarbeitsleitung von über 1000 Polizisten". Die Gesamtkosten sollen weit über 100 Millionen Euro liegen. Schon länger verlangt die Polizeigewerkschaft, dass sich DFB und DFL mit einer Sicherheitsgebühr, die bei rund 50 Millionen Euro liegen soll, daran beteiligen.

Trotz der sich zuletzt wieder häufenden Ausschreitungen in der Bundesliga warnte die KOS dagegen davor, jetzt mit "undifferenzierten Strafen" zu reagieren. "Das wäre kontraproduktiv, weil man dann auch noch die anderen Gruppierungen innerhalb der Fan-Szene gegen sich aufbringen würde." Ein generelles Reiseverbot für Auswärts-Anhänger oder strikte Auflagen würden besonders jene Anhänger treffen, die friedlich zu den Spielen ihrer Teams fahren würden.

Spahn schließt jedoch nicht aus, "dass Maßnahmen getroffen werden müssen, die auch die Rechte der friedlichen Fans beschränken können". Der DFB-Sicherheitsbeauftragte verweist auf den Runden Tisch mit Vertretern des DFB, der DFL, der Polizei und den Fans, der zur Zeit vorbereitet wird.

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Hertha BSC: Tretschok und Covic übernehmen
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Wolfsburg - Freiburg 3:2
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