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Sorge nach Gewaltausbruch in Berlin
Sorge nach Gewaltausbruch in Berlin
Die Polizei musste einschreiten

Der Schock über die Jagdszenen im Berliner Olympiastadion sitzt tief und die Diskussion über die Konsequenzen nach diesem Vorfall ist in vollem Gange. Sowohl die DFL als auch der DFB sehen akuten Handlungsbedarf.

"Wir müssen entschieden dagegen vorgehen. Ich hoffe, dass sich da endlich welche finden, die Arsch in der Hose haben und dem Einhalt gebieten. Ich möchte nicht erleben, was passiert, wenn es den ersten Toten gibt", fand Nürnbergs Coach Dieter Hecking nach der Randale im Olympiastadion die deutlichsten Worte. 100 bis 150 gewaltbereite Fans aus dem Hertha-Block zeigten die hässliche Fratze einer Gefahr, die im deutschen Fußball wieder Angst verbreitet.

DFL und DFB werden aktiv

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will auf die Vorfälle der vergangenen Monate reagieren. "Angesichts der jüngsten Häufung gewalttätiger Vorkommnisse wird sich der Ligavorstand auf seiner nächsten Sitzung mit dem Thema intensiv befassen, um eine Liga-weite Strategie zu beraten", sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht Handlungsbedarf. "Nach solchen Vorfällen wird vieles, wenn nicht alles, auf den Prüfstand gestellt", erklärte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn. "Wir alle wollen, dass diese Fankurven bleiben - aber das muss ohne Gewalt gehen."

Hertha wird "alle rechtlichen Mittel ausschöpfen"

Der Kontrollausschuss des DFB verlangt von Hertha BSC eine Stellungnahme und wird entscheiden, ob das Sportgericht tätig wird. "Den Fans muss klar sein: Das geht einfach nicht", sagte Spahn. "Wir haben leider in den Fan-Gruppen und Ultra-Gruppierungen der Vereine jeweils 100 bis 150 Personen, die das Mittel Gewalt und Widerstand benutzen." Beim DFB sei man der Meinung, dass man dies auch nicht mit noch mehr Restriktionen, Ordnungs- und Polizeikräften in den Griff kriege.

Zwar betonten alle Verantwortlichen von Hertha BSC und dem 1. FC Nürnberg nach den Ausschreitungen in Berlin, dass es sich nur "um kleine Gruppen" von Fußball-Chaoten handele. Aber diese Gruppen konnten zuletzt immer häufiger in Erscheinung treten. Der Verein werde "alle rechtlichen Mittel ausschöpfen", erklärte Hertha-Manager Michael Preetz am Sonntag. Die Polizei leitete 26 Strafverfahren ein.

"Diese Idioten dürfen nicht die Oberhand bekommen"

Schon Ende Februar war es im Nürnberger Spiel beim VfL Bochum zu schweren Zwischenfällen im FCN-Fanblock gekommen. Randalierer hatten Magnesiumpulver entzündet, das schwer löschbar ist. Neun Menschen wurden verletzt, zwei erlitten schwere Verbrennungen. In Rostock hatte nach der Heim-Pleite des FC Hansa gegen Ahlen jüngst eine aufgebrachte "Fan"-Gruppe den VIP-Bereich belagert. Im Dezember des Vorjahres waren in Stuttgart der VfB-Mannschaftsbus vom Mob attackiert und die Spieler bedroht worden.

Hecking ordnete die Vorfälle als "sehr bedenklich" ein und warnte: "Wir müssen aufpassen, dass der Fußball nicht wieder in alte Sitten verkommt." Die Gründe scheinen vielschichtig. Gerade jüngere Fans nehmen soziale Probleme mit in die Stadien. Dazu verzweigt sich die gesamte Fan-Szene immer mehr, "schwarze Schafe" sind teilweise schwer herauszulösen. "Diese Idioten dürfen nicht die Oberhand bekommen", betonte Hecking.

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Hertha-Image bekommt Kratzer

In Berlin versuchten rund 80 Ordnungskräfte zunächst zu deeskalieren. Erst nach einigen Minuten schritten Polizisten gegen die Randalierer im Stadion-Innenraum ein. Die Berliner Polizei und der Verein verteidigten die Deeskalations-Strategie. Diese hätten richtig entschieden, auf die Ausschreitungen von wenigen Chaoten "nicht vor laufenden Kameras und aller Augen mit aller Härte" zu reagieren, betonte Preetz.

Die Chaoten zerschlugen mit Holz- und Metallstangen Plastik- und Glaswände im Bereich der Trainerbänke und drangen bis unmittelbar vor den Eingang in die Spieler-Kabinen vor. Die Nürnberger Spieler waren noch auf dem Platz von den Randalen überrascht worden und flüchteten in die Stadion-Katakomben.

Mit diesen Ausschreitungen werde das "mühsam aufgebaute Image" wieder Kratzer bekommen, sagte Berlins Clubchef Werner Gegenbauer. Über Jahrzehnte hatte Hertha versucht, das Image ihrer Fans zu korrigieren, das seit den berüchtigten "Hertha-Fröschen" in den 70er Jahren beschädigt gewesen war. Nach Angaben der Polizei gab es direkt nach dem Spiel der Hertha gegen Nürnberg (1:2) 25 Festnahmen, vier Beamte seien leicht verletzt worden.

Die Liga und der DFB sind auf der Suche nach einer einheitlichen Linie, wie das neue "Fan"-Problem gelöst werden kann. Aus Sorge um den verstärkten Einsatz von Pyrotechnik und die wachsende Gewalt in Stadien hatten sich noch vor einer Woche die Fanbeauftragten der Lizenzvereine in einem offenen Brief an alle Fußball-Anhänger gewandt und gewarnt: "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich die Fankultur von innen heraus selbst zerstört."

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Hertha BSC: Tretschok und Covic übernehmen
Fünf Niederlagen in Serie und vor allem die 0:5-Packung in Stuttgart waren eine zu große Hypothek für Michael Skibbe. Hertha BSC hat die Notbremse gezogen und zum zweiten Mal den Trainer entlassen, als Interimstrainer werden René Tretschok und Ante Covic fungieren.
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