Fast hätte Freiburgs Coach Robin Dutt wirklich "etwas Verrücktes" in München angestellt und hatte die Bayern am Rand der Niederlage. Dazu genügte lange Zeit eine kämpferisch starke Vorstellung. Doch wie so oft machte Arjen Robben letztlich den Unterschied. Dank zweier Standards schoss er München zu einem 2:1-Sieg, wie sportal.de sah.
Mit seinen Treffern per Freistoß (76.) und Elfmeter (83.) drehte der zuvor alles andere als überragende Niederländer die Partie, rettete dem FC Bayern die Tabellenführung und baute die Serie der Bayern auf 19 Bundesligaspiele ohne Niederlage aus. Dabei waren die Münchner nach der überraschenden Führung durch Cedric Makiadi (31.) lange einem Rückstand hinterher gelaufen und hatten gegen engagierte Gäste lange Zeit eine sehr dürftige Vorstellung abgeliefert.
So konnte Coach Louis van Gaal auch erst der Aufholjagd in der Schlussphase etwas abgewinnen. "Da haben wir mit mehr Kreativität und Elan gespielt - das war unsere Rettung", erklärte er und ergänzte: "Das zeigt unsere Mentalität, dass wir immer gewinnen wollen und können." Freiburg-Kapitän Heiko Butscher, der sich ebenso wie sein Coach über den Freistoß-Pfiff vor dem 1:1 ärgerte, räumte ein: "Bayern hat wahnsinnig Dampf gemacht und wir haben dann die Ordnung verloren."
Ausfälle und Umbauten auf beiden Seiten
Louis van Gaal hatte einige namhafte Ausfälle zu beklagen. Neben dem gelbgesperrten Bastian Schweinsteiger fehlten verletzungsbedingt Mario Gomez, Franck Ribéry, Martin Demichelis und Hamit Altintop. Immerhin konnte Kapitän Mark van Bommel kurzfristig nach überstandenem Infekt wieder mitmischen.
Auch Gegenüber Robin Dutt musste umstellen und auf Hamed Namouchi, Pavel Krmas und Stefan Reisinger verzichten. Zudem ersetzte er Ivica Banovic zunächst durch Julian Schuster, von dem er sich bessere Standardsituationen versprach. Banovic durfte erst in der Schlussphase mitmischen und gab dem Spiel letztlich die entscheidende Wende.
Bayern verliert schnell den Schwung
Wie erwartet versuchte sich Freiburg zunächst hinten reinzustellen und überließ den mit Miroslav Klose im Zentrum agierenden Bayern die Initiative. Die Hausherren fügten dem Deckungsverbund der Gäste immer dann Risse zu, wenn sie schnell und konsequent über die Außen spielten. Doch wirkungsvoll gelang es ihnen zunächst nur in der flotten Anfangsphase, z.B. als Ivica Olic auf halblinks von Thomas Müller eingesetzt worden war, per Außenrist aber an einer Fußabwehr von Keeper Simon Pouplin scheiterte (3.).
Das Tempo ging den Bayern, die offenbar das Champions Legue-Spiel in Florenz noch in den Knochen spürten, dann allmählich verloren. Sie agierten zwar feldüberlegen, jedoch fehlte ihnen der nötige Zug zum Tor. Freiburg geriet dadurch nicht in Gefahr, konnte sich vielmehr den einen oder anderen Konter erlauben und kam zu einem ersten Torschuss. Hans-Jörg Butt hatte aber gegen Julian Schuster (20.) ebenso wenig Probleme, wie beim harmlosen Kopfball von Yacine Abdessadki kurz darauf (23.).
Bayern gewinnt den Ball - Freiburg die Zweikämpfe
Bayern verschärfte darauf wieder das Tempo, doch nur kurz und zudem erfolglos. Nach einer Aktion von Pouplin fiel Klose im Strafraum hin, Schiedsrichter Markus Schmidt verwehrte aber zu Recht einen Strafstoß (25.) - der Keeper hatte zuerst den Ball, dann den Spieler getroffen. Freiburg agierte zweikampfstärker, gewann knappe 70 Prozent der 1:1-Duelle. Bayern hatte zwar 70 Prozent Ballbesitz, wirkte dagegen unkonzentriert und wurde bestraft..
Die Viererkette der Münchner konzentrierte sich kollektiv auf den über links kommenden Jonathan Jäger, ließ aber im Rücken Abdessadki sträflich alleine. Nach dessen Querpass hämmerte Cedric Makiadi den Ball aus 17 Metern zum überraschenden 0:1 ins Netz (31.). Jäger hätte gegen geschockte Bayern kurz darauf sogar noch nachlegen können, verfehlte das Tor jedoch knapp (37.).
Beim Gegentor definitiv machtlos, bei den sonstigen vereinzelten Abschlüssen wurde Butt nicht ernsthaft gefordert.
Reaktion der Bayern lässt auf sich warten
Optisch blieben die Bayern überlegen, doch ihre Verunsicherung wuchs, wodurch Freiburg die nächste Chance beschert wurde. Nach einem katastrophalen Fehlpass von Danijel Pranjic, dem van Gaal auf der Sechser-Position neben van Bommel den Vorzug vor Anatoliy Tymoshchuk gegeben hatte, schloss Johannes Flum aber etwas zu überhastet ab (51.).
Erst nach knapp zehn Minuten gelang den Hausherren der erste Schuss auf das Freiburger Tor. Doch Robben traf den Ball aus der Drehung nicht richtig (54.). Als die Fans in der Allianz-Arena ihrem Unmut in lautstarken Pfiffen Luft verschafften, fiel fast der Ausgleich. Eine flache Olic-Hereingabe hatte Heiko Butscher aufs eigene Tor gelenkt, Poulin verhinderte Schlimmeres (61.).
Robben macht den Unterschied
Freiburg stand jetzt nur noch hinten drin, die Bayern setzten sich in ihrer Hälfte fest. Van Gaal brachte Tymoshchuck für Pranjic (71.), beorderte Daniel van Buyten in die Spitze und hatte fast Erfolg. Der Kopfball des Belgiers konnte von Abdessadki auf der Linie geklärt werden (72.). Aus dem Spiel ging es nicht, so musste ein Freistoß nach Handspiel von Butscher für den Ausgleich sorgen. Robben verwandelte den Standard mit einem Schuss ins Torwarteck zum 1:1 (76.).
Sah Pouplin beim Gegentor noch schlecht aus, rettete er vier Minuten später mit einem Weltklasse-Reflex gegen Robben (81.) und geschicktem Winkelverkürzen gegen Klose (82.) seinen Club vor dem Rückstand. Doch der Dauerdruck hatte letztlich noch Erfolg. Der kurz zuvor eingewechselte Banovic holte Thomas Müller im Strafraum von den Beinen. Diesmal blieb dem Schiri nichts anderes übrig als auf den Punkt zu zeigen. Robben ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte den Elfmeter zum 2:1 (83.).
Die Karnevalssitzung der Kölner am Montag wird wahrscheinlich nicht so lustig ausfallen, wie es bei einem Sieg gegen den HSV - gleichzeitig Verweigerer der fünften Jahreszeit - möglich gewesen wäre. Die Rothosen freuten sich indes über den Sprung auf Platz zehn und die Reduktion des Rückstands auf Platz sechs auf fünf Punkte.