Theofanis Gekas und Javier Pinola haben den Ball im Blick
Es war vielleicht die letzte Chance der Alten Dame, die Vorentscheidung in der Frage nach dem Abstieg zu vertagen. Im direkten Duell mit dem Club aus dem Frankenland reichten aber beste Möglichkeiten nicht, das Bild der Tabelle erträglicher zu gestalten. sportal.de sah einen Last-Minute-Sieg der Nürnberger.
Theofanis Gekas hatte die Gastgeber nach 36 Minuten in Führung gebracht, nachdem zuvor beste Chancen fast im Minutentakt vergeben worden waren. Das rächte sich in der zweiten Hälfte, als Albert Bunjaku (61.) nach einem Eckball für den Ausgleich zum 1:1 sorgte. Der eingewechselte Angelos Charisteas sorgte in der Nachspielzeit für den 2:1-Erfolg der Gäste, der nach dem Spiel zu Ausschreitungen führte. Rund 100 Randalierer aus dem Hertha-Block stürmten mit Latten und Fahnenstangen bewaffnet den Rasen, konnten aber später zurückgedrängt werden.
Im Spiel des Lebens für die Hertha musste Trainer Friedhelm Funkel auf Fabian Lustenberger verzichten, der eine Gelb-Sperre abzusitzen hatte. Patrick Ebert und Steve von Bergen fehlten verletzungbedingt. Gute Nachrichten gab es von Florian Kringe, der überraschend mitwirken konnte. Theofanis Gekas sollte indes für Tore an der Seite von Adrian Ramos sorgen.
Keine Feinkost in Berlin
Dieter Hecking musste ebenfalls ein wenig umbauen, für den verletzten Breno rückte Dominic Maroh in die Mannschaft. Zudem hatte Albert Bunjaku seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen, Mike Frantz rückte dafür weit raus - bis auf die Bank. Isaac Boakye und Christian Eigler mussten verletzt passen.
Im Kreis schwor sich die Alte Dame auf den ersten Heimsieg seit dem 8. August 2009 ein und Lukasz Piszczek wollte dem Club dann direkt zeigen, was der Gastgeber sich vorgenommen hatte. Für Bunjaku hieß das, ab der ersten Minute mit einem vom Rasen grün eingefärbten Trikot spielen zu müssen. Schiedsrichter Knut Kircher wurde bewusst, dass es ein anstrengender Nachmittag werden könnte.
Jener Bunjaku probierte sich dann nach fünf Minuten am ersten Torschuss der Partie, für eine Vorentscheidung im Abstiegskampf reichte der durch den Berliner Nachmittagshimmel sausende Ball aber noch nicht. Wer an diesem Tag seine Priorität auf Feinkost gelegt hatte, war im Olympiastadion zu Berlin so fehl am Platz, wie eine Torkamera im professionellen Fußball - zumindest wenn man der FIFA Glauben schenken darf.
Der Hertha-Keeper musste am Ende mit ansehen, wie seine Mannschaft die Verteidigung entblößte bei dem verzweifelten Versuch, noch das Siegtor zu erzielen. Das Ergebnis: Gündogan und Charisteas konterten die Hertha aus und trafen zum 2:1 - Drobny war dabei aber wie auch am ersten Gegentreffer ohne Abwehrchance. Konnte sich im restlichen Spielverlauf nicht entscheidend auszeichnen.
Doch beiden Teams war durchaus bewusst, dass dieses Spiel eine Vorentscheidung mit sich führen könnte. Zwar funktionierte das Passspiel auf beiden Seite noch nicht, die Gastgeber präsentierten sich aber immerhin sehr bissig und hatten nach elf Minuten die große Chance in Führung zu gehen.
Nach schöner Kombination drang Raffael in den Strafraum ein, profitierte dann von einem Fehler des FCN-Schlussmanns Rafael Schäfer und schaffte es nicht, aus spitzen Winkel das Tor zu treffen. Dominic Maroh kratzte den Ball per Grätsche aus dem verwaisten Gehäuse.
Die Berliner übernahmen das Kommando und hätten bereits nach einer halben Stunde mit 5:0 führen können. Allerdings scheiterten in der Folge Gekas (15./ 27.) Ramos (17.) und Raffael (21.) entweder am Aluminium oder an dem bis dato überragenden Schäfer. Die Fans waren trotzdem zufrieden, ein kollektiver Stein vom Herzen fiel ihnen dann allerdings, als Marcel Risse einen verunglückten Schuss als Traumpass verkaufen konnte, Ilkay Gündigan alleine vor dem Glück stehend den Ball jedoch nicht über die Linie drücken konnte (23.).
Gekas erlöst den Gastgeber
Stimmen zum Spiel:
1/8
Dieter Hecking: "Wir müssen entschieden dagegen vorgehen. Ich hoffe, dass sich da endlich welche finden, die Arsch in der Hose haben und dem Einhalt gebieten. Ich möchte nicht erleben, was passiert, wenn es den ersten Toten gibt."
Von den Hertha-Anhängern zum Spiel des Lebens hochstilisiert, zeigten die Hausherren, dass sie weder Gegner noch Situation unterschätzten. Sie bestimmten die Partie und hatten dann Glück, nicht als Slapstickeinlage bei der kommenden Ausgabe von Spaß am Dienstag missbraucht zu werden. Denn nach einer Ecke - der siebten - brachte Lukazs Piszczek den Ball zwar unglücklich zurück in den Sechzehner, Ramos leitete diesen aber zu Cicero. Wie zuvor scheiterte auch der Brasilianer an Schäfer, der dann beim Nachschuss von Gekas endgültig geschlagen war (36.).
Bis zur Pause änderte sich am Ergebnis nichts mehr. Friedhelm Funkel ging trotzdem mit versteinertem Gesicht in die Kabine, wohlwissend, dass der Club in der zweiten Hälfte mehr Engagement an den Tag legen würde. Eine höhere Fuhrung wäre dazu verdient gewesen, in einem Spiel, dass für den neutralen Zuschauer wunderbar anzusehen war.
Die Berliner hatten sich nach dem Führungstreffer ein wenig fallen gelassen, um den Gästen das Spiel aufzuzwingen. Nach dem Wechsel blieb es erst einmal dabei. Wie schon im ersten Durchgang hatte der Club die erste kleinere Möglichkeit, als Dennis Diekmeier die Fäuste von Drobny aus gut 30 Metern auf Tauglichkeit prüfte. Ansonsten blieben die Gäste erschreckend blass. Viele Ungenauigkeiten und die fehlende Annahme der Zweikämpfe ließen bei den Franken einen Tabellenplatz vermuten, bei dem die Welt in Ordnung zu sein schien.
Bunjaku - wer denn sonst?
Anders die Hertha, die den Abstiegskampf verinnerlicht hatte und in diesem Spiel die große Chance nutzen wollte, den Abstand zum rettenden Ufer - gegen einen direkten Konkurrenten - zu verkürzen. Doch es kam natürlich so, wie Funkel es vermutlich befürchtet hatte. Nachdem Raffael erneut mit einem Schuss an Schäfer gescheitert war (54.), musste eine Standardsituation herhalten, um zum Ausgleich zu kommen
Risse schaufelte den Ball nach einem Eckball in den Strafraum und Bunjaku - wer denn auch sonst - nickte unbedrängt zum 1:1 in die Maschen. Arne Friedrich, der zuvor einen Schubser von Bunjaku erhalten hatte, probierte noch per Hechtkopfball in den Zweikampf zu kommen - ohne Erfolg.
Zwar mussten keine neuen Trikots her, die Brust der Nürnberger war jedoch sichtlich geschwollen ob des Ausgleichs. Die Berliner hatten indes den Schock recht schnell verdaut und probierten sich erneut im Erzielen des Führungstreffers. Das Spiel war nun völlig offen und bei einem Großteil der 60.000 Zuschauer war in der 72. Minute die Fratze des Grauens im Gesicht zu sehen.
Acht Punkte bis zur Relegation
Mike Frantz war der Protagonist, der im Fallen zu einem Schlenzer angesetzt hatte. Sein Ball strich knapp am langen Pfosten vorbei. Den traf nur vier Minuten später Bunjaku und die Fans der Berliner hatten Probleme, sich zu einem entspannten Ausdruck hinreißen zu lassen.
Die Hausherren entblößten nun ihre Abwehrreihe, um im direkten Duell den wichtigen Siegtreffer zu erzielen - liefen dabei natürlich in zahlreiche Konter der Nürnberger. In der Nachspielzeit nutzte Angelos Charisteas dann einen Gegenstoß, um den Berlinern den Pflock in das Herz zu treiben.
Gerade im Hinblick auf die nächsten Wochen, in denen Auswärtsspiele in Frankfurt und Köln noch zu den leichteren Aufgaben gehören, gehen für die Mannschaft aus der Haupstadt nun langsam aber sicher die Lichter aus.
Fünf Niederlagen in Serie und vor allem die 0:5-Packung in Stuttgart waren eine zu große Hypothek für Michael Skibbe. Hertha BSC hat die Notbremse gezogen und zum zweiten Mal den Trainer entlassen, als Interimstrainer werden René Tretschok und Ante Covic fungieren.