Catania besiegt Inter Mailand mit 3:1

Muntari sah nach nicht einmal drei Minuten Gelb-Rot
Seit 1966 hatte Inter Mailand nicht mehr bei Catania Calcio verloren. Doch nun musste der italienische Meister die wohl bitterste Niederlage in dieser Saison hinnehmen. Die Generalprobe für das Champions League-Rückspiel beim FC Chelsea ging mächtig in die Hose.
Elefanten sagt man nach, dass sie so schnell nichts vergessen. Doch ob sich in Catania wirklich noch viele an den letzten Sieg ihrer "Elefanten" - wie die Süditaliener genannt werden - gegen das große Inter Mailand erinnerten? Immerhin 44 Jahre musste der Underdog warten, um den vierten Sieg der Vereinsgeschichte gegen die Nerazzurri zu feiern. Inter hatte die letzten zwölf Spiele zuvor nicht verloren, teilte sich aber in den letzten fünf Partien viermal die Punkte. Trainer José Mourinho musste nach einigen Verschwörungstheorien auf der Tribüne Platz nehmen. Doch auch Catania sah sich im Aufwind. Die Sizilianer hatten unter dem neuen Trainer Sinisa Mihajlovic gerade mal eine von acht Partien seit Dezember verloren.
Ricchiuti scheitert zweimal
Bereits in der ersten Halbzeit hätte der Außenseiter vor 18.000 Zuschauern im Stadio Angelo Massimino in Führung liegen können. Den Gastgebern gehörten nicht nur die ersten 20 Minuten, sie hatten auch die zwei größten Möglichkeiten des Spiels. Doch sowohl in der zwölften als auch in der 39. Minute konnte der Argentinier Adrian Ricchiuti beste Einschussmöglichkeiten nicht nutzen. In der ersten Szene scheiterte er noch am gut reagierenden Inter-Keeper Julio César, sechs Minuten vor der Pause nahm er die Flanke seines Landsmannes Mariano Izco noch an, anstatt den Ball volley aufs Tor zu bringen. Der Ex-Münchner Lucio konnte mit einem guten Tackling noch klären.
Nach dem torlosen ersten Durchgang schien das Spiel in der zweiten Hälfte zunächst seinen gewohnten Gang zu gehen. In der 54. Minute ging der Tabellenführer nach einem Konter mit 1:0 in Führung. Samuel Eto'o wurde mit einem langen Pass in Szene gesetzt, schüttelte die Verfolger wie lästige Fliegen ab und legte den Ball quer in die Mitte auf Diego Milito, der aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste. Anders als in der ersten Halbzeit plätscherte die Partie vor sich hin, so dass der Ausgleich der Sizilianer dann doch eher überraschend kam.
Muntaris kurzer Auftritt
In der 74. Minute passte Jorge Martinez scharf von rechts in die Mitte, wo Maxi Lopez den Ball per Direktabnahme unter die Latte hämmerte. Die wohl spielentscheidende Szene gab es in der 79. Minute zu sehen. Der Ghanaer Sully Muntari wurde für Ésteban Cambiasso eingewechselt - nur um in zwei Minuten alles falsch zu machen, was man falsch machen kann. In seiner ersten Aktion fuhr er seinem Gegenspieler Mascara von hinten in die Beine und sah dafür die Gelbe Karte. Nur eine Minute später nahm er im eigenen Strafraum die Hand zu Hilfe. Damit war sein Einsatz nach nicht einmal drei Minuten mit Gelb-Rot schon wieder beendet. Den folgenden Elfmeter verwandelte Giuseppe Mascara in der 82. Minute zur Führung für den Außenseiter.
Die Partie war gedreht, die Sizilianer hatten gegen zehn Inter-Spieler nun Platz zum Kontern. So war es Jorge Martinez vorbehalten, für den Schlusspunkt zu sorgen. Der Uruguayer stürmte in der Schlussminute den linken Flügel entlang, zog an Lucio vorbei nach innen und ließ bei seinem wunderbaren Sololauf auch noch Materazzi und Torhüter Julio César aussteigen, um zum 3:1-Endstand einzuschieben.
Die für Inter historische Niederlage hält den Titelkampf in der Serie A weiterhin offen. Vier Punkte Vorsprung haben die Nerazzurri vor dem Lokalrivalen vom AC. Allerdings spielt Milan noch daheim gegen Chievo Verona. Catania marschiert nach dem Erfolg weiterhin schnurstracks in Richtung Klassenerhalt. Mit 31 Zählern liegt man auf dem 15. Rang nun bereits acht Punkte vor Livorno, das den ersten Abstiegsrang belegt. Und eines ist klar: Den gestrigen Abend werden die Elefanten nicht so schnell vergessen.
Christian Lammé