Mit dem Kopf durch die Wand: Ivan Rakitic (li.) gegen Zdravko Kuzmanovic
Der FC Schalke 04 steht zumindest für gut 22 Stunden auf dem Platz an der Sonne. Sportal.de sah einen nach einer packenden zweiten Hälfte verdienten 2:1 (0:0)-Sieg der Elf von Felix Magath über den VfB Stuttgart.
Beide Trainer brachten im Vergleich zum letzten Spieltag zwei neue Männer. Die Gäste mussten den erkrankten Stefano Celozzi und den gesperrten Matthieu Delpierre ersetzen. Christian Träsch rückte deshalb auf den Posten des rechten Außenverteidigers. Zdravko Kuzmanovic kam im defensiven Mittelfeld zum Zug, Georg Niedermeier in der Innenverteidigung.
Bei den Schalkern kehrten Marcelo Bordon und Jefferson Farfan nach Verletzungen zurück. Carlos Zambrano bzw. Edu mussten weichen. Außerdem rückte Rafinha wieder auf seine angestammte rechte Seite, Heiko Westermann verteidigte links.
Kuranyis erster Schuss
Die Stuttgarter kamen gut in die Partie, überzeugten durch eine gute Ordnung, scheiterten aber in der ersten Viertelstunde an der konsequenten Deckung der Gastgeber, insbesondere an Bordon. Den ersten Torschuss gaben deshalb die Schalker ab. Über Farfan kam das Leder zu Kevin Kuranyi, der 14 Meter vor dem Tor aus halblinker Position das lange Eck nur knapp verpasste.
Schon in der 17. Minute bekam Niedermeier aufgrund eines Ellenbogeneinsatzes gegen Farfan von Schiedsrichter Lutz Wagner die erste Gelbe Karte vorgehalten. Die Partie wurde in der Folge etwas hektisch, immer wieder stoppten Fouls und Unzulänglichkeiten den Spielfluss. So wurde Pavel Pogrebnyak in der 21. Minute aufgrund einer Abseitsposition nach Sami Khediras Pass an der Strafraumgrenze zurückgepfiffen. Den anschließenden Schuss parierte Manuel Neuer dennoch.
Überzeugende Grundordnungen
Wagner griff weiterhin konsequent durch, verwarnte auch Benedikt Höwedes, der gegen Cacau zu spät kam und diesen von den Beinen holte. Da beide Teams sich an die taktische Marschroute ihrer Trainer hielten, gut sortiert dem Gegner kaum Raum gaben, mussten die Fans auf den Rängen auf weitere Chancen warten.
In der 35. Minute hatte jedoch Pogrebnyak frei vor Neuer den Führungtreffer auf dem Fuß. Ein erneutes Zuspiel von Khedira verwertete er sechs Meter vor dem Tor gegen Neuer nicht. Der VfB hatte nun Blut geleckt. Aliaksandr Hleb schickte Kuzmanovic steil in den Strafraum. Erneut blieb aber Neuer Sieger.
Schalkes Schlussmann wurde zwar nicht allzu oft geprüft, doch in diesen wenigen Situationen war er stets präsent. Verkürzte in der 35. Minute beim Schuss von Pogrebnyak geschickt den Winkel. In der 66. Minute warf er sich erneut dem Russen in die Bahn und vereitelte damit eine Torgelegenheit der Schwaben. Cool und souverän wie er in der 80. Minute eine Flanke vor dem Strafraum mit dem Kopf abfing und den Ball technisch sicher zum eigenen Mann brachte.
Keine Tore im ersten Durchgang
Da auch Kuzmanovic, Cacau mit dem Fuß und auf der anderen Seite Kuranyi per Kopfball kurz vor dem Halbzeitpfiff keinen Erfolg hatten, ging es ohne Tore in die Kabinen nach einer ansprechenden, aber insgesamt zu chancenarmen Partie, in welcher der VfB leichte Vorteile hatte.
Felix Magath reagierte auf die mäßige erste Hälfte seiner Elf. Mit Alexander Baumjohann und Edu brachte er zu Wiederbeginn zwei neue Offensivkräfte. Joel Matip und Farfan waren die Opfer der Maßnahme.
Paukenschläge im zweiten Durchgang
Der Coach der Knappen fühlte sich sofort bestätigt, denn Edu sorgte für einen ersten Paukenschlag. Der Stürmer nutzte einen Serdar Tasci-Patzer und versenkte den Ball aus dreizehn Metern im Gehäuse von Jens Lehmann. Der VfB schlug aber vier Minuten später zurück. Kuzmanovic beförderte einen Freistoß ins Sturmzentrum. Dort schlug ausgerechnet Tasci per Kopf am langen Pfosten zu, als er sich gegen Westermann durchsetzte.
Doch Schalke zeigte sich unbeeindruckt. Eine Stuttgarter Abseitsfalle funktionierte bei einem Ivan Rakitic-Freistoß in der 55. Minute nicht. So kam Westermann völlig frei an den Ball, bediente Kuranyi, der den Ball zu seinem 14. Saisontreffer vor Niedermeier über die Linie grätschte. Vergeblich reklamierten die Schwaben auf Abseits.
Schalke auf dem Weg zur Tabellenführung
Somit war Schalke eine halbe Stunde vor dem Ende zumindest temporär Tabellenführer. Die Magath-Truppe hatte nun die Räume, die sie im ersten Durchgang vermisst hatte. Kuranyi setzte sich auf der rechten Seite durch, schickte den Ball in die Mitte, wo Edu Niedermeier enteilte, aber auch über den Ball säbelte.
Doch die in der ersten Hälfte überzeugende Deckung der Gastgeber erlaubte sich durchaus den einen oder anderen Fehler. Pogrebnyak wie auch Gebhart scheiterten aber am starken Neuer bzw. Bordon, der gegen Gebhart in dieser Szene zuvor allerdings nicht sicher wirkte.
Feierstimmung auf den Rängen
Freudetrunken ob der Meisterschaftsträume feierten die Fans in der letzten Viertelstunde ihre Mannschaft, die sich aber nicht ablenken ließ und weiterhin konzentriert agierte und nur bei einem Cacau-Fernschuss kurz die Luft anhielt. Der Ball verfehlte das Neuer-Tor aber neun Minuten vor dem Ende deutlich.
Königsblau konterte über Edu gefährlich. Doch der Stürmer schob den Ball nicht nur an Jens Lehmann sondern auch an dessen Kasten vorbei.Und auch Westermann scheiterte nach einem Eckball mit einem sehenswerten Drehschuss.
Der VfB blieb im Ansatz zwar gefährlich, im Abschluss aber harmlos. So war die Schalker Tabellenführung nicht zu gefährden, was die Fans nach neunzig Minuten lauthals bejubelten.
Fünf Niederlagen in Serie und vor allem die 0:5-Packung in Stuttgart waren eine zu große Hypothek für Michael Skibbe. Hertha BSC hat die Notbremse gezogen und zum zweiten Mal den Trainer entlassen, als Interimstrainer werden René Tretschok und Ante Covic fungieren.