Werder holt verdientes Unentschieden gegen den VfB
Hugo Almeida brachte Werder mit seinem Tor wieder ins Spiel
Beide wollten noch in die oberen Ränge, beide hatten zunächst gute Torhüter und haufenweise Chancen. Doch dann patzte Stuttgarts Jens Lehmann und brachte die Bremer ins Spiel zurück. sportal.de sah ein aufregendes 2:2.
Im sonnigen Weserstadion trafen mit Werder Bremen und dem VfB Stuttgart zwei Teams aufeinander, die den Anschluss an die internationalen Ränge suchten. Werder war seit vier Spielen ungeschlagen, der VfB gewann sieben der letzten acht Partien.
Personell hatten die Schwaben die bessere Ausgangssituation, denn Trainer Christian Gross konnte auf die vermeintlich stärkste Elf setzen. Thomas Schaaf musste auf Bremer Seite hingegen weiterhin auf Clemens Fritz, aber auch auf Petri Pasanen, Philipp Bargfrede und Peter Niemeyer verzichten. Immerhin stand Tim Wiese nach überstandener Verletzung wieder zwischen den Pfosten. Torsten Frings, Sebastian Prödl und Marko Marin rutschten ebenfalls in die erste Elf.
In den ersten Minuten plätscherte die Partie etwas dahin. Auf seifigem Boden standen sich die Teams abwartend gegenüber. Der erste Höhepunkt war dann gleich ein Treffer. Aliaksandr Hleb erkämpfte sich auf dem linken Flügel in einem resoluten Zweikampf gegen Frings den Ball, dribbelte ein paar Schritte und sah in der Mitte den mitgelaufenen Pavel Pogrebnyak.
An Aymen Abdennour vorbei und durch Naldos Beine passte der Weißrusse auf den Stürmer. Pogrebnyak schob mit links locker an Wiese vorbei, dem keine Abwehrchance blieb und erzielte damit seinen sechsten Saisontreffer. Marko Marin setzte vier Minuten später nach einer Flanke von Abdennour aus dem linken Halbfeld mit einem Kopfball das erste offensive Signal der Norddeutschen. Jens Lehmann hatte jedoch keine Mühe und fing den Versuch des "Kopfballungeheuers" ganz locker.
Lehmann wie ein junger Adler
Doch trotzdem schienen die Bremer begriffen zu haben, dass hier mehr erwartet wird, um zumindest für heute auf den fünften Platz vorzudringen. Naldo drehte in der 21. Minute einen Freistoß aus gut 25 Metern wunderbar um die schwäbische Mauer, doch Lehmann machte sich ganz lang und flog wie ein junger Adler ins linke untere Eck. Auch Borowskis Nachschuss aus spitzem Winkel meisterte der ehemalige Nationaltorhüter.
Nach seiner Verletzung wusste Tim Wiese heute über weite Strecken zu gefallen, zeigte so gegen einen satten Schuss von Molinaro eine gute Reaktion. An den Gegentoren traf den Schlussmann keine Schuld, aus sehr kurzer Distanz trafen sowohl Pogrebnyak als auch Khedira.
Kurze Zeit später machte Tim Borowski es besser und traf mit einem satten Flachschuss ins linke untere Eck. Schiedsrichter Dr. Felix Brych und sein Assistent Frederick Assmuth verweigerten dem Treffer allerdings die Anerkennung, denn der mit dem Kopf ablegende Aaron Hunt stand zuvor im Abseits.
In der 31. Minute hätte es dann aber zwingend im Tor des VfB klingeln müssen. Claudio Pizarro tauchte nach einer schönen Kombination zwischen Aaron Hunt und Marko Marin sechs Meter frei vor Lehmann auf und schoss zu unplatziert. Lehmann blieb in der Mitte und wehrte mit einem Reflex ab. Die Chancen der Werderaner nahmen zu. Auch Mesut Özil versuchte sich am Torschuss - knapp rechts vorbei (34.).
Und wenn man die Chancen nicht nutzt... In der 38. Minute spielte Hleb auf dem linken Flügel Pogrebnyak an. Die Hereingabe des Russen fand in der Mitte Cacau. Der Mann der letzten Wochen schoss allerdings freistehend aus knapp elf Metern über das Tor. Und auch Cristian Molinaro konnte die Schwabenführung nicht ausbauen. Der Italiener fand in Wiese vom linken Strafraumeck seinen Meister. Claudio Pizarro konnte hingegen in der 41. Minute Lehmann endlich überwinden - jedoch kam der Jubel erneut verfrüht, denn erneut entschied Assistent Assmuth richtig auf Abseits.
Eiskalte Schwaben konsequenter
Stimmen zum Spiel:
1/3
Christian Gross: "Wir haben es verpasst, drei Punkte zu holen. "
Eiskalt machten es die Gäste dann in der 43. Minute. Pogrebnyak verlängerte mit der Hacke rechts auf Timo Gebhart. Abdennour war nicht auf dem Posten. Die butterweiche Rechtsflanke des Ex-Löwen jagte Sami Khedira zu seinem zweiten Saisontreffer mit einem wuchtigen Kopfball aus kurzer Distanz in die Maschen. Sebastian Prödl machte in dieser Situation keine glückliche Figur und ging etwas unbeholfen in den Klärungsversuch. So ging das Team von Christian Gross mit einer komfortablen Zwei-Tore-Führung in die Kabine.
Auf mehr Offensive setzte Thomas Schaaf zu Beginn des zweiten Durchgangs und brachte mit Hugo Almeida für Tim Borowski eine zweite Spitze. Doch die erste Gelegenheit hatte der VfB. Cacau leitete einen Ball nach vorn auf Aliaksandr Hleb weiter. Der Weißrusse hatte freie Bahn zum Tor, legte sich das Leder aber einen Tick zu weit vor, so dass Wiese dem Ball entgegen ging und die Chance zunichte machte (52.).
Vier Minuten später nahm sich Marko Marin aus der Distanz ein Herz. Knapp zischte die Kugel am langen Pfosten vorbei. Doch die besseren Möglichkeiten hatten in dieser Phase die Gäste. Cacau setzte sich nach einer Kopfballverlängerung von Pogrebnyak spielend leicht gegen Per Mertesacker durch, brachte den Ball jedoch nicht am gut aufgelegten Tim Wiese vorbei.
Hugo Almeida stutzt Jens Lehmann die Flügel
Für Aufregung sorgte aus Bremer Sicht erst wieder der Schuss von Marin in der 64. Minute. Der Ex-Gladbacher und auch ein Teil des Publikums wollte bei Serdar Tascis Blockversuch ein Handspiel im Strafraum gesehen haben. Zwar traf Marin aus kurzer Distanz auch die Hand des Innenverteidigers, aber von Absicht konnte nicht die Rede sein.
Fünf Minuten später behauptete Almeida sich im Kopfballduell gegen Delpierre, doch den folgenden Volleyschuss setzte Aaron Hunt in die Wolken. Was also tun, wenn keiner trifft? Noch einen Stürmer bringen! Markus Rosenberg ersetzte gut 20 Minuten vor dem Ende Sebastian Prödl.
Doch nicht der Schwede sorgte für neue Hoffnung in Grün-Weiß, sondern sein Nebenmann Hugo Almeida. Der Portugiese bekam auf der linken Seite ein Zuspiel von Mertesacker aus der eigenen Hälfte, lief ein paar Schritte und hielt aus spitzem Winkel vom linken Strafraumeck drauf. Der bisher so starke Jens Lehmann ließ den Ball an sich vorbei ins lange Eck rutschen und ermöglichte dem Stürmer seinen fünften Saisontreffer.
Und aus dem jungen Adler wurde schlagartig wieder ein 40-jähriger Bundesligakeeper. 15 Minuten blieben den Hansestädtern noch. Doch fünf Minuten reichten schon: Dann stieg nämlich Stefano Celozzi zu ungestüm im eigenen Strafraum gegen Marko Marin ein. Dr. Felix Brych entschied folgerichtig auf Foulelfmeter für Werder. Torsten Frings lief an und verwandelte souverän halbhoch in die Mitte - zweiter Saisontreffer für den Kapitän.
Die Ordnung der Schwaben schien komplett dahin. Und das, obwohl mit Zdravko Kuzmanovic für Cacau seit der 79. Minute eigentlich mehr Stabilität herrschen sollte. Hugo Almeida machte sich auf und davon in Richtung Stuttgarter Tor und wurde im letzten Moment von Matthieu Delpierre am Torschuss gehindert. In der Schlussphase drängten die Bremer auf den Siegtreffer. Der VfB schien mit dem Punkt zufrieden und gut bedient - das hätte man 15 Minuten zuvor nicht für möglich gehalten.
Schlussendlich blieb es auch trotz der 120 Sekunden Nachspielzeit bei der Punkteteilung. Beide Teams hatten große Chancen, beide hätten noch mehr Tore erzielen können. Bemerkenswert am Rande: Aliaksandr Hleb durfte das erste Mal 90 Minuten durchspielen, seitdem Christian Gross Trainer im Ländle ist. Das wird dem sensiblen Weißrussen gut getan haben. Der Ausgleich hingegen nicht - so bleiben Werder und der VfB auch weiterhin auf der Suche nach den Europacuprängen.
Fünf Niederlagen in Serie und vor allem die 0:5-Packung in Stuttgart waren eine zu große Hypothek für Michael Skibbe. Hertha BSC hat die Notbremse gezogen und zum zweiten Mal den Trainer entlassen, als Interimstrainer werden René Tretschok und Ante Covic fungieren.