Diese Schalker Fans haben Recht, Kevin Kuranyi sollte wieder eine Chance erhalten
"Verzeihen ist keine Narrheit, nur ein Narr kann nicht verzeihen." Unter das Motto dieses chinesischen Sprichworts stellt sportal.de die neue Ausgabe unseres Kaders für die WM in Südafrika. Denn die aktuellen Leistungen im Kader machen einen Schritt nötig: Joachim Löw sollte mal auf Schalke anrufen.
In der Abteilung Attacke werden die Probleme für den Bundestrainer bekanntlich immer größer, auch wenn er das nicht so sieht und trotz Formkrisen und fehlendem Stammplatz an zwei bestimmten Herren festhält. Doch dazu später mehr, für sportal.de führt nach den zuletzt gezeigten Leistungen im Sturm aber einfach kein Weg mehr an Kevin Kuranyi vorbei.
Kuranyis Kurzschlussentscheidung, während eines Länderspiels in der Halbzeit das Stadion zu verlassen, war falsch und hatte eine Sanktion durchaus verdient. Doch das ganze ist mittlerweile über 16 Monate her und wer ohne Schuld ist, der werfe doch bitte den ersten Stein. Ein Lukas Podolski durfte ja sogar seinen Kapitän ohrfeigen und ist immer noch dabei. Der entscheidende Punkt ist aber, dass Löw aus sportlicher Sicht - vor allem in Anbetracht der Leistungen der Konkurrenz - nicht mehr am Schalker Stürmer vorbeikommt. Vielleicht kann Gerechtigkeits-Fanatiker Felix Magath die Rolle des Vermittlers übernehmen.
Bevor wir im einzelnen zu den Mannschaftsteilen kommen, noch ein kurzes Wort zu den Kriterien von sportal.de. Wir nominieren bis zur endgültigen Benennung des WM-Kaders in regelmäßigen Abständen die unserer Meinung nach aktuell stärkste Mannschaft und werden dies ab sofort wöchentlich in einem Formcheck überprüfen. Die Leistungen in der Bundesliga und natürlich auch in den vergangenen Länderspielen sind das ausschlaggebende Argument, alte Erbhöfe spielen dagegen keine Rolle.
Tor Den letzten Kader nominierten wir im Oktober, deshalb müssen wir eine traurige Änderung vornehmen. Wegen des Selbstmords von Robert Enke ist eine Lücke entstanden, die Manuel Neuer vom FC Schalke einnimmt. Ansonsten gibt es auf dieser Position keinen Grund, Löw zu widersprechen. Mit Neuer, Tim Wiese und René Adler ist Deutschland gut aufgestellt. Adlers Leistung gegen Argentinien war zwar fehler-behaftet, doch die frühe Festlegung auf eine Nummer eins war die richtige Entscheidung von Löw.
Abwehr Bereits im Oktober wiesen wir darauf hin, dass es bis zur Findung der optimalen Viererkette noch ein wenig dauern wird. Der Bundestrainer dürfte wohl die gesamte Vorbereitung im Mai damit beschäftigt sein, die ideale Formation zu finden. Für das Spiel gegen Argentinien benannte Löw nur sechs Abwehrspieler, unsere Acht für Südafrika weichen da schon ordentlich ab.
Zunächst einmal muss klargestellt werden, ein Arne Friedrich (sportal.de-Durchschnittsnote 3,69) in der derzeitigen Form und Verfassung hat einfach nichts in der Nationalmannschaft verloren. Der Kapitän der Hertha ist mit der Situation in der Hauptstadt überfordert, wirkt häufig nicht ganz fit, hat Defizite in der Schnelligkeit und war in letzter Zeit für das eine oder andere Gegentor der Berliner verantwortlich. Zur Krise von Marcel Schäfer (sportal.de-Durchschnittsnote 3,77) gibt es ebenfalls keine zwei Meinungen, der Wolfsburger konnte zudem in keinem seiner sieben Länderspiele überzeugen.
Während Friedrich bereits im Oktober fehlte, war Schäfer damals noch dabei. Neu in den Kader rückt dafür Serdar Tasci, der Stuttgarter hat mit dem Aufschwung beim VfB wieder zu alter Stärke zurückgefunden, hier geben wir Löw Recht - auch wenn Tasci gegen Maradonas Elf der Unsicherheitsfaktor in der Abwehr war. Für die Startelf muss er noch zulegen.
Die übrigen Kandidaten standen bereits im letzten Kader, hier noch ein paar erklärende Worte: Per Mertesacker und Philipp Lahm sind nicht zu ersetzen, auch wenn beide derzeit von ihrer Bestform ein gehöriges Stück entfernt sind. Für Jerome Boateng und Benedikt Höwedes sprechen ihre Vielseitigkeit und Heiko Westermann fehlte zuletzt zwar verletzt, kehrt nun aber zurück in die Schalker Mannschaft. Bleiben noch Gonzalo Castro und Mats Hummels. Der Leverkusener könnte die Lösung für Löws Außenverteidiger-Problem sein, mit Castro auf der rechten Seite könnte Lahm guten Gewissens wieder auf die links rücken und sich auf dieser Seite in der Vorbereitung einspielen.
Interview:
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Frage an Jürgen Klinsmann: "Hätten Sie lieber eine Mannschaft bei der WM betreut, statt als TV-Experte zu berichten?
"
Eine Nominierung von Mats Hummels wiederum lässt auch die User von sportal.de kontrovers diskutieren. Die eine Seite würdigt seine herausragende Bundesliga-Saison (5 Tore/sportal.de-Durchschnittsnote 3,0), den Kritikern fehlt die internationale Erfahrung. Allerdings fällt der Dortmunder in den kommenden Wochen mit einem Kieferbruch aus. Wir nominieren ihn wie bereits im Oktober und ignorieren damit, dass Löw ihn nicht mal zum Leistungstest eingeladen hatte.
Neu im Blickfeld tauchen neben den üblichen Verdächtigen (A. Friedrich, Beck, Fritz, Hinkel) ein paar neue Namen auf. Den größten Sprung nach vorne hat sicherlich Manuel Friedrich gemacht, spielt er in Leverkusen weiter so eine gute Rolle, sollte er besser noch keinen Sommerurlaub buchen. Das gilt auch für Dennis Aogo und Holger Badstuber, die beiden Youngster könnten den Jugendwahn weiter voran treiben.
Mittelfeld Was im Sturm an Qualität fehlt, hat die DFB-Auswahl im Mittelfeld im Überangebot. Das erkennt man auch daran, dass Löw für den Test gegen die Gauchos 13 Mittelfeldspieler in seinen Kader holte, einzig Marcell Jansen (Virusinfektion) musste absagen. Aus diesen 13 rekrutieren sich auch die acht WM-Kandidaten von sportal.de, gegenüber der letzten Nominierung gibt es aber einige Änderungen.
Nicht mehr im Team sind Thomas Hitzlsperger, Simon Rolfes, Piotr Trochowksi und Aaron Hunt. Hitzlsperger wechselte von der Stuttgarter- auf die Lazio-Bank und der ebenfalls lange gesetzte Rolfes fällt schon länger mit einer Knieverletzung aus - sportal.de glaubt nicht an eine rechtzeitige Genesung. Trochowksi (sportal.de-Durchschnittsnote 3,8) wiederum bekommt keine Konstanz in sein Spiel und Hunt bestätigte die gute Form aus der Hinrunde bisher nicht.
Neu dabei sind dafür Jansen (sportal.de-Durchschnittsnote 2,92) und Toni Kroos (sportal.de-Durchschnittsnote 2,68), die zuletzt gezeigten Leistungen in der Bundesliga bringen die beiden sogar in die Nähe eines Stammplatzes. Darauf sollte Christian Träsch noch nicht hoffen, im defensiven Mittelfeld liefert der Stuttgarter aber trotzdem Woche für Woche läuferisch und kämpferisch sehr starke Spiele ab - Tugenden, die im Verlauf einer WM sehr wichtig werden können.
Neben Kroos sollten die Bremer Mesut Özil und Marko Marin für die Kreativität im deutschen Spiel zuständig sein, bei Werder zeigen sie immer wieder, welche Schwierigkeiten die Gegner dann haben können. Etwas mehr Konstanz ist aber noch ein wichtiger Faktor für die beiden Jungstars. Vor allem Özil befindet sich noch in einem kleinen Tief, die ungeklärte Vertragssituation in Bremen scheint sich negativ auf seine Leistungen auszuwirken. Doch bis zur WM sollte diese Frage geklärt sein.
Für die Besetzung im defensiven Mittelfeld kommen mit Michael Ballack, Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger drei Kandidaten infrage. Kapitän Ballack ist, trotz seiner eher unauffälligen Art beim FC Chelsea als Leader, Torschütze und Antreiber unverzichtbar. Daneben darf sich Khedira, dem auf dieser Position sicher die Zukunft gehört, Hoffnungen auf WM-Einsätze machen, Schweinsteiger wiederum kann auch weiter auf der rechten Seite eingesetzt werden. Das Experiment mit Schweinsteiger und Ballack gegen Argentinien hat gezeigt, dass sich beide womöglich zu ähnlich in ihrer Spielweise sind, zumindest war nicht zu erkennen, wer den defensiveren Part übernimmt.
Die vier Ausgetauschten sind selbstverständlich weiterhin im Blickfeld, neu sind dort der Dortmunder Sven Bender und Timo Gebhart (VfB Stuttgart).
Sturm Im Oktober entschieden wir uns mangels Alternativen für einen Drei-Mann-Sturm - eine solche Variante hat sicherlich wenig Aussicht auf Erfolg beim Bundestrainer. Mittlerweile hat sich die Situation wieder etwas gebessert, was aber nicht an Miroslav Klose und Lukas Podolski liegt. Die bei Löw gesetzten Angreifer rechtfertigen diesen Status in der Bundesliga in keinster Weise. Klose hat bei Louis van Gaal einen Stammplatz auf der Bank und Podolski muss bald aufpassen, dass die Minutenzahl der Torlosigkeit nicht ins Fünfstellige wechselt. Deshalb haben die beiden für sportal.de - nach derzeitigem Stand - nichts bei einer WM verloren. Der Test gegen Argentinien bestätigte diese Einschätzung, Klose wirkte wie ein Fremdkörper und Podolski hatte die Tor-Ungefahr aus Köln mitgebracht.
Neben Kuranyi, der auf Schalke mittlerweile auch charakterlich gereift wirkt und in der Winterpause eine lukrative Offerte aus England ausschlug - nominieren wir Mario Gomez und Stefan Kießling. Gomez ist mittlerweile unter van Gaal gesetzt und trifft regelmäßig, bei Kießling läuft es in der Rückrunde zwar nicht mehr ganz so gut, aber mit 13 Toren in der Bundesliga hat er seinen Kaderplatz weiter sicher.
Der vierte Stürmer kommt auch von den Bayern und heißt Thomas Müller. Der vielseitige Allrounder kann in dem 4-2-3-1 (viele Grüße an den ZDF-Experten Oliver Kahn, Deutschland spielt kein 4-3-3) wie gegen Argentinien auch im rechten Mittelfeld eingesetzt werden, aber Löw wird gerade gegen schwächere Gegner auch das lange Jahre erprobte 4-4-2 wieder hervorholen. Bei der letzten Benennung des Kaders fanden wir Müller noch nicht so weit, seitdem hat er aber einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.
Zum Abschluss noch ein Wort zu Cacau, den sicherlich viele User nominiert hätten. Eine Woche mit drei guten Leistungen reicht sportal.de aber noch nicht, bestätigt er die derzeitige Form in den kommenden Wochen aber, schwenken wir gerne wieder um.
Marcus Krämer
Der sportal.de-Kader für die WM 2010 Stand 4. März 2010 - Neuzugänge kursiv
Tor René Adler (Bayer Leverkusen) Manuel Neuer (Schalke 04) Tim Wiese (Werder Bremen)
Abwehr Jerome Boateng (Hamburger SV) Gonzalo Castro (Bayer Leverkusen) Benedikt Höwedes (Schalke 04) Mats Hummels (Borussia Dortmund) Philipp Lahm (Bayern München) Per Mertesacker (Werder Bremen) Serdar Tasci (VfB Stuttgart) Heiko Westermann (Schalke 04)
Im Blickfeld: Dennis Aogo, Holger Badstuber, Andreas Beck, Arne Friedrich, Manuel Friedrich, Clemens Fritz, Andreas Hinkel, Tim Hoogland, Robert Huth, Patrick Owomoyela, Sascha Riether, Marcel Schäfer, Daniel Schwaab
Mittelfeld Michael Ballack (FC Chelsea) Marcell Jansen (Hamburger SV) Sami Khedira (VfB Stuttgart) Toni Kroos (Bayer Leverkusen) Marko Marin (Werder Bremen) Mesut Özil (Werder Bremen) Bastian Schweinsteiger (Bayern München) Christian Träsch (VfB Stuttgart)
Im Blickfeld: Sven Bender, Tim Borowski, Timo Gebhart, Christian Gentner, Thomas Hitzlsperger, Aaron Hunt, Simon Rolfes, Piotr Trochowski
Sturm Mario Gomez (Bayern München) Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) Kevin Kuranyi (Schalke 04) Thomas Müller (Bayern München)
Im Blickfeld: Cacau, Patrick Helmes, Miroslav Klose, Lukas Podolski