Messi, Tévez, Higuaín, Agüero, Milito - Argentinien reiste mit einem Weltklassesturm nach München, gewann aber dank einer beeindruckenden Defensivleistung, die Deutschland nur eine Torchance ließ, mit 1:0 gegen die DFB-Elf. sportal.de sah ein intensives Spiel, das nicht wirklich in Freundschaft ausgetragen wurde.
Ein Torwartfehler von René Adler verhalf den Gästen aus Argentinien zum Tor des Tages kurz vor dem Pausenpfiff durch Gonzalo Higuaín. Thomas Müller und Toni Kroos gaben ihr Debüt in der A-Nationalelf, die auf unerwartet starke und kompakt stehende Südamerikaner traf.
Gegenüber dem letzten Pflichtspiel der Nationalelf gegen Finnland im Oktober war Joachim Löws Team kaum wiederzuerkennen. Jerome Boateng, Per Mertesacker und Serdar Tasci rückten für Andreas Beck, Arne Friedrich und Heiko Westermann in die Viererkette, Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil ersetzten Thomas Hitzlsperger und Piotr Trochowski, und die beiden Bayern-Stürmer Miroslav Klose und Thomas Müller kamen für Mario Gomez und Cacau ins Team.
Maradona mit keinen Experimenten
Obwohl Diego Maradona in seiner Amtszeit berüchtigterweise mehr als 100 Spieler in die Albiceleste berufen hat, ähnelte seine Startelf heute sehr der Aufstellung des entscheidenden Qualifikationssieges in Uruguay im Herbst. Lediglich Walter Samuel kam für Rolando Schiavi neu in die Mannschaft.
In der Anfangsphase des Spiels zeigten sich die Gäste als aktivere und bessere Mannschaft. Drei Faktoren verhinderten aber, dass die Argentinier diese Feldvorteile in eine Führung umsetzen konnten: das englische Schiedsrichtergespann, das eine schöne Kombination über Lionel Messi, Gonzalo Higuain und Angel di Maria zu Unrecht wegen Abseits abpfiff, und gezielte Fouls von Lukas Podolski und Thomas Müller gegen Jonas Gutierrez und Di Maria, mit denen die Deutschen verhinderten, dass sie auf den Flügeln überlaufen wurden.
Nach und nach kam die Nationalelf dann etwas besser ins Spiel und wurde nach einer halben Stunde nur durch ein Foulspiel des im eigenen Stadion spielenden Martin Demichelis gestoppt, der gegen Özil viel zu spät einstieg, als der Bremer von Klose geschickt worden war. Zu Recht sah der Münchner die Gelbe Karte. Richtig große Torgefahr konnten die Gastgeber jedoch auch im Anschluss nicht entwickeln.
Argentinien zu Gast bei Freunden
Die entstand dafür auf der Gegenseite. Zunächst tanzte Di Maria Tasci und Boateng aus, bevor er einen Schuss an die Querlatte schlenzte, wobei Keeper Adler dem Ball möglicherweise noch die entscheidende Wendung gegeben hatte. Doch gerade Adler, der zum ersten Mal als offizielle Nummer eins des DFB zwischen den Pfosten stand, war es in der 45. Minute, der Argentinien den Führungstreffer schenkte.
Nach einem langen Pass von Di Maria auf Higuain kam der Keeper weit aus seinem Strafraum, doch der Madrider Stürmer spitzelte den Ball an ihm vorbei und schob aus 20 Metern ins leere Tor ein. Adler wäre besser im Sechzehnmeterraum geblieben, zumal Mertesacker nicht all zu weit entfernt vom Torschützen war.
Mit der nicht unverdienten Halbzeitführung für die Albiceleste ging es in die Kabinen, die DFB-Elf wurde wie bei Länderspielen üblich von einigen Fans mit Pfiffen vom Platz geleitet - wobei es diesmal nicht so viele waren wie zuletzt in Hamburg und Hannover.
Stimmen zum Spiel:
1/6
Joachim Löw: "In der ersten Halbzeit hätte uns etwas mehr Mut gut getan. Es ist uns nicht gelungen, Druck aufzubauen, die Argentinier in Verlegenheit zu bringen und Chancen herauszuarbeiten. Wenn man von Baustellen spricht, gibt es noch die eine oder andere. In der Vorbereitung werden wir hart arbeiten."
Die zweite Spielhälfte begann Jogi Löw mit Mario Gomez an Stelle von Klose, was zuvor schon vereinbart worden war. Argentinien brachte Clemente Rodriguez für den verletzten Gabriel Heinze. Schon zehn Minuten nach Wiederanpfiff gab es die nächste Blessur in der argentinischen Hintermannschaft, und diesmal traf es Demichelis, der bei einer Strafraumsituation unglücklich das Knie von Michael Ballack ins Gesicht bekam und sich einen Jochbeinbruch zuzog.
Bangen um Martin Demichelis
Als der von Schmerzen gebeutelte Münchner von den Sanitätern beim Abtransport versehentlich fallen gelassen wurde, ging ein hämischer Applaus durchs Stadion, was spätestens bewies, dass man es hier einmal mehr nicht mit dem typischen Münchner Publikum, sondern der fragwürdigen Spezies des Nationalmannschaftsfans zu tun hatte. Denn von der extremen Unfairness dieser Geste einmal abgesehen, drohte hier immerhin ein Bayern-Stammspieler vor den wichtigen Spielen in Köln und Florenz auszufallen. Nicolas Burdisso ersetzte Micho.
Im Folgenden wurde das Spiel durch die bei Testspielen üblichen Wechsel etwas zerfahrener. Carlos Tévez kam für Higuaín, und Löw brachte Cacau, den nach Müller zweiten Debütanten Toni Kroos und Sami Khedira für Özil, Müller und Bastian Schweinsteiger.
Die DFB-Elf hatte weiter einige Mühe, zu echten Torchancen zu kommen, denn das argentinische Mittelfeld mit Mascherano und Juan Sebastian Verón hatte das Spiel meist im Griff. Erst in der 75. Minute musste Keeper Sergio Romero zum ersten Mal eine Parade zeigen, die ihm wirklich etwas abverlangte, als er einen satten Fernschuss von Cacau nur zur Seite abwehren konnte.
Messi mit übertriebener Härte
Aber auch das Tor von René Adler geriet immer seltener in Bedrängnis. Eine unschöne Szene packte Messi Mitte der zweiten Halbzeit aus, als er mit einem späten Tackling von hinten Philipp Lahm das Standbein umgrätschte - eine Attacke, für die er von einem intoleranteren Schiedsrichter als Martin Atkinson auch Rot hätte sehen können - vor allem in einem Freundschaftsspiel total überflüssig.
Von einem Freundschaftsspiel hatte dieser letzte Test vor der WM-Nominierung aber ohnehin nicht viel, denn beide Teams schenkten sich nichts, wovon sechs Verwarnungen zeugten. Diese Zahl hätte durchaus auch noch höher ausfallen können.
Am Ende blieb es bei einem 0:1, das den Skeptikern, die Diego Maradona keine gute Taktik zutrauten, einiges zu denken geben sollte. Vor allem aber fehlten Deutschland die Mittel, gegen eine internationale Klassemannschaft das eigene Spiel aufzuziehen. Hier ist für Joachim Löw und sein Trainerteam noch einiges zu tun.