
Ohne Schnäuzer zum WM-Titel: Mario Kempes
Für Deutschland beginnt die WM-Saison, für sportal.de auch. Als Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Südafrika werden wir regelmäßig die besten elf Spieler vieler WM-Teilnehmer küren, mit Argentinien geht es los. Wir erinnern an eine Ente im Tor, den argentinischen Kaiser, El Matador und Diego darf natürlich auch nicht fehlen.
Tor: Ubaldo Fillol (58 Spiele)
Viele Torhüter schmücken sich mit Spitznamen aus der Katzenfamilie. Ubaldo Fillol wurde "el Pato" genannt - die Ente. Das sollte jedoch kein schlechtes Licht auf den Mann mit den langen, schluffigen Haaren werfen, denn Fillol gilt bis heute zu Recht als bester argentinischer Keeper aller Zeiten. Als er 1972 in einer einzigen Saison für Racing Club sechs Elfmeter parierte, verpflichtete ihn River Plate, wo er 11 Jahre bleiben sollte.
In der Albiceleste feierte der Mann aus der Kleinstadt San Miguel del Monte bei Buenos Aires sein Debüt bei der WM 1974, als er im letzten Spiel der Argentinier gegen die DDR an Stelle von Daniel Carnevali zum Einsatz kam. Seine große Stunde schlug jedoch beim Gewinn des Weltmeistertitels 1978, als er in der zweiten Gruppenphase beim Stand von 1:0 gegen Polen einen Elfmeter von Kazimierz Deyna parierte, ehe Mario Kempes mit seinem zweiten Tor alles klar machte. Das war der Grundstein für Argentiniens Finaleinzug. Im Endspiel gegen die Niederlande zeigte Fillol eine überragende Leistung und wurde anschließend zum Torhüter des Turniers gewählt.
1986 hätte el Pato auch gerne noch zwischen den Pfosten gestanden, aber nachdem er in der Qualifikation noch die Nummer eins gewesen war, vertraute Carlos Bilardo für die Endrunde lieber Nery Pumpido. So trat Fillol aus der Nationalelf zurück, für die bis heute kein Keeper mehr Spiele bestritten hat als er.
Abwehr: Javier Zanetti (136 Spiele/5 Tore)
Dass Javier Adelmar Zanetti in unser Albiceleste-Dreamteam gehört, darüber hatten wir keinen Zweifel. Wo der Mann allerdings spielen sollte, war nicht schnell zu entscheiden. Schließlich ist er so vielseitig, dass er sowohl als rechter wie auch als linker Außenverteidiger eine exzellente Wahl wäre, und auch im rechten Mittelfeld (wie aktuell bei Inter) gut aufgehoben ist.
In der rauhen Hafengegend Dock Sud von Avellaneda als Sohn eines Maurers aufgewachsen, wechselte Zanetti, dessen Talent als Teenager von keinem großen argentinischen Club erkannt wurde, von Banfield schon mit 21 Jahren nach Italien zu Inter - ein Wechsel, den er und die Fans der Nerazzurri nie bereuen sollten. Denn Zanetti ist inzwischen eine Clublegende in Mailand mit über 600 Spielen nur von Giuseppe Bergomi in der Liste der Inter-Rekordspieler übertroffen. Von Bergomi übernahm Zanetti auch nach dessen Karriereende 1999 das Kapitänsamt, das er bis heute mit Stolz ausübt.
Mit 136 Länderspielen ist Zanetti Argentiniens Rekordnationalspieler, wenngleich seine Karriere in der Albiceleste nicht nur Höhepunkte hatte: Sein 2:2 im Achtelfinale gegen England 1998 war sicherlich das wichtigste Tor seiner internationalen Laufbahn, aber 2002 schied Argentinien mit ihm als Kapitän bei der WM in Japan schon in der Vorrunde aus, und 2006 nahm José Pekerman ihn gar nicht erst mit zur Endrunde nach Deutschland - nicht die einzige absurde Entscheidung des Trainers, wir sagen nur: Messi gegen Deutschland auf der Bank lassen. Unter Diego Maradona ist Zanetti wieder dabei, aber nicht als Kapitän, denn die Binde trägt aktuell Javier Mascherano.
Abwehr: Daniel Passarella (70 Spiele/22 Tore)
Als einziger Spieler stand "el Kaiser" in beiden argentinischen Weltmeisterkadern. Der Unterschied zwischen den beiden Turnieren hätte aber größer nicht sein können. Während Cesar Luis Menotti seinen Kapitän über alle Maßen schätzte und ihn "den argentinischen Beckenbauer" nannte, kam Passarella mit Carlos Bilardo überhaupt nicht klar, und auch mit Diego Maradona pflegte er eine jahrelange konfliktträchtige Beziehung. Denn Bilardo hatte im Vorfeld der WM 1986 in Mexiko Maradona zum neuen Kapitän erklärt - obwohl Passarella, der Weltmeisterkapitän von 1978, einer der wenigen Argentinier gewesen war, der eine gute WM 1982 gespielt hatte.
Obwohl seine Clubform in der Serie A (1982 war Passarella von River Plate zu Fiorentina gewechselt) überragend war, sollte er tatsächlich kein einziges Turnierspiel in Mexiko bestreiten, obwohl er im Kader stand. Eine Magen-Darm-Entzündung verhinderte seinen Einsatz, obwohl Passarella bis heute davon ausgeht, Maradona und Bilardo hätten sich gegen ihn verschworen.
Als Spieler zeichnete sich el Kaiser durch eine für einen Abwehrspieler phänomenale Torgefahr aus. Er erzielte sage und schreibe 140 Erstligatore. Zu verdanken hatte er das einerseits seinen gefährlichen Standards, aber auch seiner für einen nur 1,73m großen Mann erstaunlichen Kopfballstärke. Als Trainer fiel er leider weniger durch Erfolge auf als durch sein Beharren darauf, nur kurzhaarige Spieler in die Nationalelf zu berufen, um das Ansehen Argentiniens nicht zu besudeln. Das sollte er mal Claudio Caniggia erzählen. 1998 schied Argentinien unter seiner Ägide im WM-Viertelfinale knapp gegen die Niederlande aus. Als Clubtrainer hatte er in Italien, Argentinien und Mexiko wenig Glück und ist heute Präsident seines alten Clubs River Plate.
Abwehr: Roberto Ayala (115 Spiele/7 Tore)
Wir schreiben den 30. Juni 2006. Deutschland spielt bei der WM im eigenen Land vor 72.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion gegen Argentinien. Nicht wenige sprechen von einem vorweggenommenen Endspiel. Ein Favorit ist nicht auszumachen, beide Teams neutralisieren sich in der ersten Halbzeit nahezu komplett.
Vor dem Spiel werden dem DFB-Team vor allem Chancen bei Standardsituationen eingeräumt, die Viererkette der Albiceleste ist fast geschlossen unter 1,80 Meter. Doch es kommt anders, Roberto Ayala, mit 1,77 Meter kein Innenverteidiger von erschreckender Statur, ist nach einer Riquelme-Ecke schneller als Miroslav Klose und köpft zum 1:0 ein. Dem Sommermärchen droht ein vorzeitiges Ende und Ayala fühlt sich wohl in der Rolle des Spielverderbers.
Ayala, der seine Karriere derzeit beim Racing Club Avellaneda in der Heimat ausklingen lässt, war während seiner gesamten Karriere aber immer eher der unauffällige, disziplinierte und verlässliche Innenverteidiger - die Rolle des Spielverderbers passte eigentlich nie zu ihm.
Und so wundert es nicht, dass Deutschland durch Ayalas Gegenspieler Klose den Ausgleich schaffte und später im Elfmeterschießen (Ayala verschoss) den Einzug ins Halbfinale perfekt machte. Trotzdem führt in der Abwehr kein Weg an dem langjährigen Abwehrchef des FC Valencia vorbei, mit 115 Länderspielen war er zwischenzeitlich sogar mal Rekordnationalspieler.
Abwehr: Juan Pablo Sorín (76 Spiele/12 Tore)
Auf der Besetzungscouch für den Posten des Linksverteidigers gab es im Gegensatz zu vielen anderen Positionen keinen wirklichen Andrang. Wir haben uns wirklich schwer getan, am Ende hat Juan Pablo Sorín das Rennen gemacht. Das lag in erster Linie daran, dass er einige Jahre lang die Kapitänsbinde der Argentinier trug, damit hatte er sich beim Casting einen Vorsprung gegenüber Silivio Marzolini erarbeitet - der WM-Teilnehmer 1962 und 1966 galt als einer der besten Linksverteidiger seiner Zeit, kam aber nur auf 28 Einsätze.
Sorín also, in Deutschland insbesondere durch sein Engagement beim Hamburger SV bekannt. Einer der Wandervögel des Weltfußballs (insgesamt neun verschiedene Vereine) kam 2006 mit dem Siegel eines Weltstars in die Hansestadt, zahlreiche Verletzungen machten in zwei Jahren aber nur 24 Einsätze möglich und so wurde das Missverständnis 2008 vorzeitig beendet. Man kann dem HSV nur wünschen, dass dieses Schicksal sich bei Ruud van Nistelrooy nicht wiederholt.
Bei all der Kritik muss aber festgehalten werden, dass Sorín insbesondere im Spiel nach vorne große Qualitäten aufwies, immer wieder auch als Torschütze in Erscheinung trat, zudem galt er als Profi, der immer auch über den Tellerrand hinaus blickte und sich sozial engagierte. Bemerkenswert für einen Argentinier fand er trotz seiner vielen Wechsel immer wieder zu einem Verein zurück, der brasilianische Club Cruzeiro Belo Horizonte ist in seinem Herzen fest verankert. "Unsere Tochter (Elisabetta) ist hier geboren und wir sind sehr glücklich hier", sagte Sorín nach seinem Abschiedsspiel in Belo Horizonte, wo er mittlerweile sogar zum Ehrenbürger ernannt wurde.
Mittelfeld: Lionel Messi (43 Spiele/13 Tore)
Er ist einer von drei noch aktiven Spielern in dieser Aufstellung. An Messi kommt man nicht vorbei, auch wenn er in der Albiceleste noch keine Bäume ausreißen konnte, verglichen mit seinem überfüllten Trophäenschrank in Barcelona. Doch das ist eine relative Einschränkung, war Messi doch zentral am Gewinn der U20-WM 2005 und der Olympischen Goldmedaille 2008 beteiligt.
In der A-Nationalelf wurde er nach einer Verletzung in der Vorbereitung bei der WM 2006 nur sporadisch eingesetzt und verlor das Copa América-Finale 2007 gegen Brasilien. Unter Diego Maradona, dem einzigen Argentinier neben ihm, der sich jemals Fußballer des Jahres nennen durfte, fand Messi es in der Albiceleste wesentlich schwerer als in der Blaugrana, dem Spiel der Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken. Und Zweifel bleiben bestehen, ob Maradona weiß, wie er seinen Superstar am besten zum Einsatz bringen soll.
Wir bringen Messi nicht als Stürmer, sondern im rechten Mittelfeld, was auch den taktischen Zwängen dieser Auswahl geschuldet ist. Bei Maradona spielt er meist als eine von zwei Spitzen neben Gonzalo Higuain, mit Jonas Gutierrez auf der rechten Mittelfeldseite, was dazu führt, dass Argentinien die Spiele im Mittelfeld nicht so effektiv kontrollieren kann, wie es vielleicht denkbar wäre.
Mittelfeld: Osvaldo Ardiles (63 Spiele/8 Tore)
Der Wechsel von Argentiniens Weltmeistern Ossie Ardiles und Ricky Villa zu Tottenham Hotspur nach der WM 1978 gilt als Geburtsstunde des internationalen Transfermarkts für England, hatten doch bis dahin nahezu keine ausländischen Stars in der englischen Liga gespielt. Vor allem Ardiles wurde eine Kultfigur und ein Spurs-Held, der für den Londoner Club mehr als 300 Spiele bestritt und ihn später auch trainierte.
Legendär wurde Ardiles schon, als er in einem vor dem FA Cup-Finale 1981 von der Mannschaft aufgenommenen Song namens "Ossie's Dream" Tottenham "Tottingham" aussprach. Weniger lustig war, dass Ardiles sich nach der WM 1982, bei der er im Trikot mit der Nummer 1 für Argentinien auflief, weil die Albiceleste ihren Kader alphabetisch durchnummerierte (mit der einzigen Ausnahme Diego Maradonas, der die 10 bekam), nicht wieder nach England traute. Inzwischen war der Falkland-Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien ausgebrochen.
Aber schon nach einem Jahr in Frankreich, wohin Tottenham ihn zu PSG ausgeliehen hatte, kehrte er auf die Insel zurück. Dort startete er auch seine Trainerkarriere und führte einen sogenannten Samba-Stil ein, mit dem er den Provinzclub Swindon Town fast in die erste Liga geführt hätte. Auch die Spurs nahmen ihren Ex-Spieler 1993 unter Vertrag. Doch mit seiner Taktik, fünf Stürmer gleichzeitig spielen zu lassen (Jürgen Klinsmann, Teddy Sheringham, Ilie Dumitrescu, Darren Anderton und Nick Barmby), rutschte der Titelaspirant in den Abstiegskampf ab, und Ossie wurde 1994 gefeuert.
Mittelfeld: Fernando Redondo (29 Spiele/1 Tor)
Dass Fernando Carlos Redondo Neri nur 29 Spiele für Argentinien bestritt, liegt an drei Faktoren: Er hatte seine Prinzipien, er hatte lange Haare, und er verletzte sich sein Knie schwer.
1990 wollte Carlos Bilardo den damals noch bei den Argentinos Juniors aktiven Redondo in seinen WM-Kader für Italien berufen. Der Spieler lehnte ab, weil er sich auf sein Jurastudium konzentrieren wolle. Tatsächlich hasste er Bilardo wegen dessen defensiv orientierter Spielweise. 1994 brillierte Redondo bei der WM in den USA, doch nach Diego Maradonas Dopingsperre kollabierte die Albiceleste und verlor im Achtelfinale gegen Rumänien. 1998 fand die WM wieder ohne ihn statt. Trainer Daniel Passarella nominierte nur Spieler mit kurzen Haaren, und Fernando Redondo war niemand, der sich wegen so etwas zum Friseur begeben hätte.
Auf Clubebene hatte Redondo, der 1994 mit seinem Trainer Jorge Valdano aus Teneriffa zu Real Madrid gegangen war, schon zwei Champions League-Titel mit den Madrilenen gewonnen (Sir Alex Ferguson mutmaßte nach dem Viertelfinalaus gegen Real 2000, Redondo habe einen Magneten im linken Schuh montiert), als er 2000 für die damals astronomische Summe von 16 Millionen Euro zum AC Milan wechselte. Dort wurde er jedoch schnell von Knieverletzungen geplagt und bestritt nur noch 16 Profispiele in seinem Leben. Weil er so lange verletzt war, verzichtete er in Mailand freiwillig auf sein Millionengehalt und wollte sogar das Haus und das Auto zurückgeben, dass Milan ihm zur Verfügung gestellt hatte. Der Mann hatte eben Prinzipien.
Mittelfeld: Diego Maradona (91 Spiele/34 Tore)
Gut, dass es für den womöglich besten Spieler aller Zeiten nicht darum geht, als Trainer ins Dreamteam zu kommen. Denn Diego Maradona ist als argentinischer Nationaltrainer bisher den Nachweis schuldig geblieben, die Anforderungen des modernen Fußballs begriffen zu haben. Die Qualifikation zur WM gelang gerade so eben, stattdessen macht er eher als Steuerflüchtling in Italien, mit obszönen Pressekonferenzen oder jüngst mit Zigarre auf dem Trainingsplatz auf sich aufmerksam. Apropos Eskapaden, da könnte man wohl ganze Bücher drüber schreiben - zum Glück geht es hier ja um den Spieler Maradona.
Aber auch in dieser Hinsicht ist schon alles geschrieben worden, seine genialen Fähigkeiten sind bis heute unerreicht. Deshalb erinnern wir einfach an Maradonas Tor gegen England bei der WM 1986 - an Schönheit eigentlich kaum zu überbieten: In der eigenen Hälfte nahm Argentiniens Nummer zehn den Ball an, ließ zwei Engländer ins Leere laufen, mit einem unnachahmlichen Sprint war er mit Ball schneller als alle Engländer, versetzte zwei weitere Abwehrspieler, ging auch noch an Torwart Peter Shilton vorbei und setzte den Ball im Fallen ins Netz - ein Traum!
Angriff: Mario Kempes (43 Spiele/20 Tore)
Diego Maradona war der Star der Weltmeisterschaft 1986. Und auch bei Argentiniens erstem WM-Titel hatte die Albiceleste einen Star in ihren Reihen, der letztlich den Unterschied ausmachte. Auch wenn dem Turnier im eigenen Land der Makel einer Skandal-WM anhängt - die Militär-Junta nutzte den Heimsieg zu Propagandazwecken und es gab einige höchst zweifelhafte Entscheidungen pro Argentinien - Mario Kempes erzielte sechs Tore und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt.
Dabei sah es zunächst so aus, als ob die Beziehung zwischen El Matador und Weltmeisterschaften keine allzu leidenschaftliche werden sollte. Bereits 1974 gehörte Kempes zum argentinischen Kader, doch der Stürmer fuhr ohne Tor und die Albiceleste mit nur einem Sieg vorzeitig nach Hause. 1978 drohte - zumindest für den erfolgsverwöhnten Angreifer - das gleiche Schicksal, in den ersten drei Spielen blieb Kempes torlos. Über die Gründe für das Happy End gibt es verschiedene Meinungen. Die Argentinier mussten nach der Vorrunde nach Rosario umziehen, in die Stadt, in der Kempes für den Club Rosario Central in zwei Jahren 100 Tore schoss. Kempes' Knoten platzte also aus alter Verbundenheit. Für Trainer César Luis Menotti war alles viel simpler: "Ich sagte ihm, er solle sich seinen Schnurrbart abrasieren." Kempes gehorchte und erzielte im folgenden Spiel gegen Polen beide Tore zum 2:0-Sieg.
Im Finale traf die Albiceleste auf die Niederlande, siegte mit 3:1 nach Verlängerung und wieder war Kempes als Doppeltorschütze der Match- und damit der Cupwinner. Insgesamt trug El Matador das hellblaue Trikot 43 Mal, dabei gelangen ihm 20 Tore. Seine erfolgreichste Zeit im Clubfußball hatte Kempes beim FC Valencia, wo er von 1976 bis 1981 sowie nach einer kurzen Stippvisite in der Heimat (River Plate) von 1982 bis 1984 kickte. In 185 Ligaspielen für Valencia war Kempes mit 116 Treffern ein sehr verlässlicher Torjäger. In seine Zeit fallen zwei Pokalsiege (1978/79) und der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger (1980).
Angriff: Gabriel Batistuta (78 Spiele/56 Tore)
Die Karriere von Gabriel Batistuta als unvollendet zu bezeichnen, wird dem begnadeten Torjäger sicher nicht gerecht. Allerdings schöpfte Batigol nicht alle seine Möglichkeiten aus, was auf Vereinsebene auch mit seiner bemerkenswerten Treue zum AC Florenz zu tun hatte. Von 1991 bis 2000 spielte Batistuta bei der Fiorentina und erlangte mit 168 Toren in 269 Spielen so etwas wie Heldenstatus, der italienische Pokalsieg 1996 sollte trotz zwischenzeitlich großer Investitionen des Clubs der einzige bedeutende Titel mit Florenz bleiben. Nach seinem Wechsel zu AS Rom gewann Batigol immerhin noch den lang ersehnten Scudetto.
Seine Karriere in der Nationalmannschaft hat ähnliche Tendenzen. Batistuta ist der Rekordtorschütze der Albiceleste und gewann 1992 den Confed Cup sowie 1997 und 1999 die Copa America. Bei Weltmeisterschaften kam bei drei Teilnahmen ungewohnt früh das Aus, was aber wiederum nicht an seinen Leistungen lag - immerhin ist er der einzige WM-Teilnehmer, der bei zwei verschiedenen Endrunden drei Treffer in einem Spiel schoss. 1994 in den USA scheiterten die Argentinier im Achtelfinale mit 2:3 an Rumänien (Batigol traf zum 1:1), vier Jahre später ging es immerhin bis ins Viertelfinale (1:2 gegen die Niederlande) und 2002 gab es als Krönung das Aus in der Vorrunde.
2005 beendete Batistuta in Doha seine Karriere und zog sich danach komplett aus dem Fußballgeschäft zurück. Er ging mit seiner Frau Irina nach Australien und nahm bewusst eine Auszeit. Mittlerweile ist Batistuta nach Argentinien zurückgekehrt und hat seine Leidenschaft für Polo entdeckt, auch wenn er nach seinem ersten Spiel 2009 den alten Fußballer-Ehrgeiz hat durchblicken lassen: "Es war wirklich schwierig und eigentlich geht es darum, Spaß zu haben. Aber du kannst nicht ändern, wer du ist, ich will die Dinge immer besonders gut können, auch wenn ich kein Profi bin." Batistuta spielt aber nicht nur Polo, er hat auch den Trainerschein gemacht und kann sich gut vorstellten, später Nachfolger von Maradona als Nationalcoach zu werden.
Trainer: Carlos Bilardo
Während wir uns bei den meisten Spielern schnell festlegen konnten, fiel die Entscheidung beim Trainer schon etwas schwerer. Es kommen nur zwei infrage, neben Dr. Carlos Bilardo, dem Weltmeistercoach von 1986, natürlich auch César Luis Menotti, der die Albiceleste 1978 zum Titel geführt hatte. Menotti stand für schönen und attraktiven Fußball, für Bilardo wiederum stand das Ergebnis im Vordergrund, er hatte als Trainer das besondere Etwas und schaffte 1990 einen weiteren Finaleinzug. Es entscheiden Nuancen.
Um den Perfektionisten Bilardo verstehen zu können, reicht eine Aussage von Jorge Burruchaga in einem Interview mit der Welt. Burruchaga erzielte im WM-Finale 86 das 3:2-Siegtor gegen Deutschland, die Freude beim Trainer hielt sich zunächst aber in Grenzen. "Er war sauer, dass die deutschen Tore jeweils im Anschluss an einen Eckstoß gefallen waren", sagte der ehemalige Nationalspieler. "Immer wieder hatte er uns im Vorfeld vor der deutschen Stärke bei Standardsituationen gewarnt. Statt uns zu gratulieren, hielt er uns das vor."
Heute ist Bilardo wieder ganz nah dran an der Nationalelf, als Maradona zum Nationaltrainer ernannt wurde, bekam dessen ehemaliger Coach die Rolle des Teammanagers. Der Erfolg lässt noch auf sich warten, aber wer weiß, vielleicht muss diese Zusammenstellung nach der WM in Südafrika komplett überarbeitet werden.
Marcus Krämer und Daniel Raecke