Nach dem Hamburger SV hat sich auch Werder Bremen in der Europa League gegen seinen niederländischen Konkurrenten durchgesetzt und für das Achtelfinale qualifiziert. Dort wartet nun der FC Valencia, der sich gegen den FC Brügge mit 3:0 nach Verlängerung (Hinspiel 0:1) durchsetzen konnte.
sportal.de sah beim 4:1-Sieg (Hinspiel 0:1) über Twente Enschede einen überragenden Claudio Pizarro, der drei Treffer erzielte (15., 20. und 58. Minute). Außerdem war Naldo (27.) für die Bremer erfolgreich. Luuk de Jong hatte die Niederländer zwischenzeitlich auf 1:3 herangebracht (33.).
Werder auf drei Positionen verändert
Im Gegensatz zum Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen musste Werder-Trainer Thomas Schaaf seine Startelf auf drei Positionen verändern. Im Tor ersetzte Christian Vander Tim Wiese, der sich beim Warmmachen verletzt hatte und auch im nächsten Ligaspiel fehlen wird.
Außerdem musste Clemens Fritz wegen Rückenproblemen passen und auf seiner Seite verteidigte Petri Pasanen. Neu in die Mannschaft kam der Tunesier Aymen Abdennour. Schließlich musste noch Tim Borowski weichen, da Schaaf neben Claudio Pizarro mit Hugo Almeida einen zweiten Stürmer aufstellte.
Mit dem 0:1 aus dem Hinspiel vor der Brust übernahm Werder von Beginn an die Initiative. Twente zog sich weit zurück und lauerte auf Konter. Die ersten zehn Minuten verliefen aber relativ ereignislos. Bremen fand gegen die dicht gestaffelte Abwehr der Niederländer kein Durchkommen.
Erster richtiger Angriff, erstes Tor
Der erste wirklich gut herausgespielte Angriff der Grün-Weißen knackte dann aber doch die Gäste-Abwehr und brachte die Führung. Mesut Özil setzte auf der linken Seite Hugo Almeida schön ein, der spielte eine präzise Hereingabe auf Pizarro und der Peruaner erzielte mit seinem sechsten Saisontreffer in der Europa League das 1:0 (15. Minute).
Und Werder legte nach. Özil im Doppelpass mit Almeida, der in dieser Situation noch gefoult wurde, doch der deutsche Nationalspieler ging mit dem Ball über halblinks alleine auf das Twente-Tor zu, verzog seinen Schuss aber ans Außennetz (17.).
Doch Werder war nun heiß gelaufen. Marco Marin kam immer besser ins Spiel und spielte einen schönen Steilpass auf Özil, der Bremer Spielmacher hätte selber abschließen können, doch spielte uneigennützig auf den völlig freistehenden Pizarro und der schob ungehindert zum 2:0 ein (20.).
Werder außer Rand und Band
Die nächste Chance für das Heimteam folgte nur zwei Minuten später. Özil scheiterte freistehend an Enschede-Keeper Sander Boschker, den Nachschuss musste Almeida nur noch ins Tor schieben, doch der Portugiese nagelte den Ball etwas übermotiviert an den Pfosten. Werder war dem Gegner in dieser Phase in allen Belangen überlegen.
Und münzte seine Überlegenheit auch weiter in Tore um. Marin setzte sich im Mittelfeld durch, ließ sich trotz Tacklings nicht zu Fall bringen, setzte auf rechts Peter Niemeyer ein, der passte scharf in die Mitte auf Pizarro, der ließ auf Naldo abtropfen und der machte es ganz brasilianisch, täuschte mit links an und schob den Ball mit rechts ins Tor (27.).
Die Bremer Fans ließen ihrer Freude mit "Ihr könnt nach Hause fahren"-Sprechchören ihren Lauf und trafen damit die Meinung aller am Spiel beteiligten Personen. Die Gastgeber waren in den ersten 30 Minuten einfach zu überlegen gewesen.
Stimmen zum Spiel:
1/2
Klaus Allofs: "Wir waren eindeutig die bessere Mannschaft."
Unachtsamkeit bringt das 1:3
Aber es brauchte nur eine gute Situation, um Enschede wieder ins Spiel zu bringen. Auf der linken Bremer Seite ließ Abdennour Bryan Ruiz laufen, der flankte präzise in die Mitte, wo Pasanen und Per Mertesacker gegen Luuk de Jong zu spät kamen und der 19-Jährige mit einem artistischen Kopfball auf 1:3 verkürzte (33.).
Auf der Gegenseite kam Almeida nur einen Schritt zu spät (35.) und verpasste das 4:1. Die Zuschauer sahen hier nun ein spannendes Spiel. Nur ein Treffer fehlte den Gästen um wieder auf Achtelfinalkurs zu gehen. Deshalb setzte Twente Werder jetzt auch früher unter Druck und das Spielgeschehen verschob sich weiter Richtung Bremer Hälfte.
Doch in den letzten Spielminuten vor der Pause bekam Werder die Partie wieder besser in den Griff und bestimmte das Spiel. Mit der 3:1-Führung ging es in die Kabinen.
Unsicherer Werder-Keeper
Nachdem Bremen die ersten Minuten nach dem Seitenwechsel die Partie kontrollierte, ohne aber in der Offensive gefährlich zu werden, wurde der Gegner mutiger. Twente sah seine Chance, den Anschlusstreffer zu erzielen. Vander im Bremer Tor wirkte auch oft sehr unsicher.
Bremen ließ sich das Spiel nun aus der Hand nehmen und zog sich zu weit zurück und wäre dafür beinahe bestraft worden. Pasanen verhinderte eine Bremer Abseitsfalle und so stand Ruiz auf einmal völlig frei vor Vander, doch der Torjäger schoss nur an den Pfosten (57.). Riesenglück für Werder in dieser Szene.
Was ein richtiger Goalgetter ist, zeigte im direkten Gegenzug Pizarro. Der Peruaner wurde erneut von Özil schön eingesetzt und erzielte das 4:1 (58.). Boschker war an dem Ball noch dran und hätte das Leder wohl halten müssen. Kurz zuvor war Philipp Bargfrede für Niemeyer gekommen und gab nach dreimonatiger Verletzungspause sein Comeback.
Enschede sucht seine Chance
Doch Enschede ließ sich durch den erneuten Gegentreffer nicht beirren und suchte weiter seine Chance. Auffällig blieb auch, dass Werder-Torhüter Vander seine Nervosität nicht in den Griff bekam. An einer Kopfballverlängerung nach einer Ecke faustete er glatt vorbei (66.). Die zweite Schwachstelle in der Bremer Abwehr war Linksverteidiger Abdennour, der gegen Ruiz fast immer das Nachsehen hatte. In der 68. Minute konnte er sich nur mit einem rüden Foul helfen und sah die Gelbe Karte.
Aber auch De Jong blieb gefährlich. Im Kopfballduell mit Naldo blieb er Sieger, scheiterte dann aber doch an Vander (70.). Bremen ließ sich sehr weit zurückfallen und hoffte, mit einem Konter den wohl alles entscheidenden Treffer zu erzielen.
Hugo Almeida wäre dieses Tor im Zusammenspiel mit Pizarro dann auch beinahe gelungen, doch diesmal parierte Boschker beim Kopfball des Portugiesen glänzend (73.). Im Anschluss war dann die Partie für Marin beendet und für ihn gab Stürmer Onur Ayik sein Debüt im Europapokal.
Nach 80 Minuten war der Widerstand der Niederländer dann aber gebrochen und Werder konnte den souveränen Sieg über die Zeit bringen. Borowski kam noch für den starken Özil, der völlig ausgelaugt den Platz verließ (84.). Werder feierte letztendlich einen überzeugenden Sieg, muss sich aber einzig dafür kritisieren lassen, seine haushohe Überlegenheit nicht früher zur Entscheidung genutzt zu haben.
Die deutschen Europa League-Teams haben machbare Gegner für die Zwischenrunde zugelost bekommen. Schalke erwartet Champions League-Absteiger Plzen, Hannover muss Christoph Daums neues Team ran.