
Mladen Petric brachte den HSV zurück ins Spiel
Nach der ersten Halbzeit schien der Traum des HSV vom Endspiel im eigenen Stadion ausgeträumt, für sportal.de auch, weil Trainer Bruno Labbadia die falsche Aufstellung wählte. Doch auch ein Spiel in der Europa League dauert 90 Minuten und so reichte eine 2:3-Niederlage für den Einzug ins Achtelfinale.
Dort treffen die Hamburger etwas überraschend auf den RSC Anderlecht. Die Belgier besiegten im Rückspiel Athletic Bilbao mit 4:0. Die PSV führte gegen die Norddeutschen durch Tore von Ola Toivonen (2.) und Balazs Dzsudzsak (43.) mit 2:0, Mladen Petric (46.) und Piotr Trochowski (79.) glichen im zweiten Durchgang aber aus. Der Siegtreffer gelang Danny Koevermans kurz vor Schluss, nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel reichte die Niederlage dem HSV in der Endabrechnung.
Rutten ändert nichts
Der ehemalige Schalker Coach Fred Rutten schickte die gleiche Startelf aufs Feld, die beim HSV unglücklich verlor und am vergangenen Spieltag in der Eredivisie nur 1:1 gegen Sparta Rotterdam spielte. Vor dem Spiel stellte im übrigen Andreas Müller klar, dass er wegen sprachlicher Schwierigkeiten nicht als Sportdirektor zum PSV wechseln wird, zuletzt gab es immer wieder Spekulationen, dass Müller und Rutten wie auf Schalke zusammenarbeiten wollen.
Ruttens Gegenüber Bruno Labbadia entschied sich auf Grund der Belastung der vergangenen Wochen für eine Rotation. David Jarolim fehlte wie zuletzt in der Bundesliga mit einer Gelbsperre, außerdem verzichtete der HSV-Trainer auf den kranken Marcell Jansen sowie auf Marcus Berg, Jerome Boateng und Tunay Torun. Neu ins Team rückten dafür Guy Demel, Robert Tesche und die wiedergenesenen Dennis Aogo und Eljero Elia - wobei gerade der Wechsel von Boateng hin zum zuletzt etwas formschwachen Demel überraschend kam.
Damit entschied sich Labbadia auch für eine defensive Ausrichtung, Petric lief als einzige Sturmspitze auf und sollte auf Außen von den offensiven Trochowski und Elia unterstützt werden. Der ehemalige Eindhovener Ruud van Nistelrooy war gar nicht mit in die alte Heimat gereist, der neue Hoffnugnsträger muss weiter an seiner Fitness arbeiten.
Labbadias Idee früh gestört
Labbadias Konzept setzte ein langes Zu Null in der Defensive voraus, doch bereits in der 2. Minute war alles über den Haufen geworfen und Demel war nicht ganz unbeteiligt. Der Ungar Dzsudzsak konnte auf Hamburgs rechter Seite unbedrängt bis zur Grundlinie gehen, in der Mitte konnte Danko Lazovic den Ball ungestört annehmen und weiter auf Toivonen passen - der Schwede stand dank David Rozehnal und Demel nicht im Abseits und traf aus kurzer Distanz.
Der HSV wirkte in den folgenden Minuten genau so, wie man sich eine Mannschaft vorstellt, die in so kurzer Zeit den knappen Vorsprung aus einem Hinspiel verspielt hat - geschockt. Die Gäste waren voll und ganz damit beschäftigt die defensive Stabilität zu finden, Zé Roberto und Robert Tesche schafften es nicht, Ruhe in die Aktionen zu bringen und Petric hing mangels Anspielen völlig in der Luft.
Eindhoven wiederum suchte immer wieder den Weg über die Außen, Demel und auch Aogo auf der anderen Seite zeigten große Defizite. In der 15. Minute hätte es schon 2:0 für die PSV stehen können, nach einer Flanke von Stanislav Manolev klärte Rost erst gegen Toivonen und auch beim Nachschuss von Ibrahim Affelay war der Torwart zur Stelle.
Keine Anspiele in die Spitze
Nach 20 Minuten kamen die Gäste etwas besser ins Spiel, echte Torchancen konnten aber nicht verzeichnet werden. Das einzige Mittel der Hamburger, bei strömendem Regen sicher auch nicht das schlechteste, waren Schüsse aus der zweiten Reihe, doch Trochowski (32./35.) Zé Roberto (33.) und Elia (39.) hatten das Visier eher wie Kati Wilhelm und nicht wie Magdalena Neuner eingestellt.
Bei allem Bemühen der Hamburger, wirkliche Gefahr strahlten nur die Niederländer aus. Bei den Hereingaben von Affelay (36./40.) konnten die Gäste den höheren Rückstand mit Glück noch verhindern, doch kurz vor der Pause schlug es dann doch zum zweiten Mal in Rosts Gehäuse ein: Tesche hatte Francisco Rodriguez auf Kosten einer Gelben Karte gelegt und den fälligen Freistoß aus 30 Metern hämmerte Dzsudzsak auf den Kasten, Petric fälschte noch leicht ab und Rost war chancenlos (43.). Zur Pause war die beste Erkenntnis aus Hamburger Sicht, dass nur ein Tor zum Weiterkommen reichen würde - allerdings kassierten die Eindhovener zu Hause in dieser Europa-League-Saison noch keinen Gegentreffer.
Traumstart durch Petric
Besagtes Tor fiel aber bereits nach 45 Sekunden und diesmal hießen die Frühstarter Trochowski und Petric. Der deutsche Nationalspieler bediente seinen kroatischen Kollegen, Petric entwischte im Rücken der mexikanischen Innenverteidiger Rodriguez und Carlos Salcido und streichelte den Ball über den heraus stürzenden Andreas Isaksson ins PSV-Tor.
Plötzlich war das Spiel wieder völlig offen. Das lag am Tor der Hamburger, der daraus resultierenden Verunsicherung der Gastgeber und an Balazs Dzsudzsak. Der Ungar, in der ersten Halbzeit einer der besten Eindhovener, beschwerte sich lautstark über ein angebliches und von Schiedsrichter Michael Leslie Dean nicht geahndetes Handspiel von Aogo. Dafür gab es die Gelbe Karte, wer im Anschluss dann aber den Schiri leicht anrempelt, muss sich nicht beschweren, wenn es die zweite Gelbe hinterher gibt (57.).
Die 32.000 Zuschauer im Philips Stadion sahen das natürlich ganz anders und plötzlich war die Atmosphäre extrem aufgeheizt. Fußball wurde in den folgenden Minuten nicht wirklich gespielt, stattdessen holten sich die Hamburger Tomas Rincon, Joris Mathijsen und Demel wegen zum Teil harter Attacken berechtige Gelbe Karten ab. Allerdings ging so auch der Spielfluss der Niederländer komplett verloren
Trochowski eiskalt
Für die PSV-Spieler war trotz der gelben HSV-Flut der Sündenbock aber ausgemacht, insgesamt drei Mal sollte Dean Elfmeter pfeifen. Nur bei Zé Robertos Abwehrversuch (64.) lagen sie damit auch richtig, das wäre dann aber wohl das 3:1 gewesen. Endgültig bedient waren die Gastgeber, als der Engländer dann auf der anderen Seite auf den Punkt zeigte, Salcidos Foul gegen den eingewechselten Boateng gehörte aber auch in die Kategorie "Dummheit". Trochowski war es egal, der Mittelfeldspieler legte sich den Ball zurecht und verwandelte sicher (79.).
In der Zwischenzeit waren die Verhältnisse auf dem Platz wieder ausgeglichen, Demel bestätigte seinen bescheidenen Auftritt mit einem Foul gegen Erik Pieters und sah zurecht die Gelb-Rote Karte (74.). Die PSV schöpfte da wieder kurz Hoffnung, doch spätestens mit dem 2:2 war der europäische Drops für die Niederländer gelutscht. Daran änderte auch der späte Siegtreffer nichts, nach einem Fehler von Rost köpfte Joker Danny Koevermans im Anschluss an eine Ecke ein. In der fünfminütigen Nachspielzeit passierte nichts Gravierendes mehr.
Marcus Krämer