
Pablo Aimar lässt sich feiern
Die Hertha aus Berlin muss sich nach der 0:4-Niederlage gegen Benfica Lissabon endgültig von der europäischen Bühne verabschieden. Dabei sah sportal.de eine völlig überforderte Berliner Mannschaft und einen Gastgeber, der Fußball vom Feinsten zelebrierte und mit dem kleinen Engel Angel Di Maria den überragenden Akteur des Abends stellte.
Von Beginn an gab es keinen Zweifel, wer das Estádio da Luz als Sieger verlassen würde. Benfica spielte sich nach und nach in einen Rausch und kam durch Treffer von Pablo Aimar (25.), Óscar Cardozo (48./62.) und Javi Garcia (59.) zu einem auch in dieser Höhe verdienten Sieg - wenn auch unter verschiedenen Vorzeichen.
Denn den Portugiesen war im Vorfeld schon klar, dass die Berliner kein typischer Halter der Roten Laterne sind. Im Hinspiel hatte die Alte Dame angedeutet, dass es im Estádio da Luz nach dem 1:1 im Hinspiel kein Selbstläufer werde würde. Auch die Sportzeitung A Bola erklärte, dass die Deutschen doch bitte nicht zu unterschätzen seien.
Benfica machte am Wochenende Pause
Scheinbar ließ sich auch der portugiesische Verband nicht vom Tabellenplatz der Berliner blenden, denn die Europa League wurde prompt zur nationalen Angelegenheit erklärt und das Spiel von Benfica am Wochenende gegen Uniao Leiria vorverlegt. Nichts wurde dem Zufall überlassen und ein Frische- und Kräftevorteil sollte geschaffen werden.
Die Hertha hingegen gewann gegen Freiburg, tankte Selbstvertrauen und Friedhelm Funkel wusste, dass ein voller Terminplan kein Nachteil sein muss. Denn vor einer halben Ewigkeit musste er mit Bayer Uerdingen innerhalb von 14 Tagen gleich sieben Mal ran - kein Spiel ging verloren. Dennoch änderte der Coach die Aufstellung vom Wochenende. Steve von Bergen, Patrick Ebert, Christoph Janker und Maximilian Nicu kamen neu ins Team, Florian Kringe probierte sich derweil als Linker Verteidiger. Adrian Ramos agierte als einzige Spitze, da Theofanis Gekas gegen Freiburg viel Kraft gelassen hatte und zunächst nur auf der Bank saß.
Heim-Trainer Jorge Jesus änderte seine Mannschaft ebenfalls auf drei Positionen. Maxi Pereira sollte für Stabilität auf der rechten Abwehrseite sorgen, Ruben Amorin rückte ins linke Mittelfeld und Fabio Coentrao kam auf der rechten defensiven Seite zum Einsatz.
Schiedsrichter Peter Vink ließ dann beide Teams von der Leine und die Berliner hofften auf die mittlere bis große Überraschung, auch durch das neu gewonnene Selbstvertrauen aus der heimischen Liga. Der Tabellenführer der portugiesischen Liga machte aber von Beginn an deutlich, dass es ein völlig sinnlosen Unterfangen werden sollte.
Die Hausherren bestimmen das Tempo
Das Team von Funkel ließ sich tief fallen und Benfica kommen. So kam es zu einem deutlichen Übergewicht der Portugiesen, die es aber zunächst nicht fertig brachten, den Ballbesitz in Chancen umzumünzen. Kleinere Chancen von Di Maria (5./ 18.) und Saviola (19.) zeigten jedoch, dass der Gastgeber auf einen Treffer drängte. Die Marschroute der Gäste war nicht zu übersehen, zumal auch Funkel erklärt hatte, die Null halten zu wollen - ein Konter sollte die Entscheidung bringen.
Dabei legten die Berliner Wert auf körperliche Präsenz. Nach einem Check an der Außenlinie sah Arne Friedrich dann früh Gelb (14.) und Saviola kurz kleine Sternchen am Himmel von Lissabon, der schon früh am Abend Mitgefühl für die Gäste entwickelte - es regnete wie aus einem Fass. Die Überlegenheit nahm nun stetig zu und die Hertha kam kaum aus der eigenen Hälfte. So kam es, wie es kommen musste:
Nach schnellen Pässen über Di Maria im Mittelfeld bekam Aimar den Pass in den Sechzehner laufend perfekt serviert und der Argentinier ließ Arne Friedrich alt aussehen, bevor er gegen die Laufrichtung von Keeper Jaroslav Drobny zum 1:0 verwandelte (25.). Die Berliner standen mächtig unter Druck, ohne selbst auch nur eine kleine Seite des handelnden Heftchens in die Hand bekommen zu können. Auch weil Łukasz Piszczek auf der rechten Seite völlig überfordert mit einem glänzend aufgelegten Di Maria war.
Kringe bricht den Bann
Die erste Torchance für die Alte Dame resultierte dann aus der 28. Minute, als Kringe aus gut 25 Metern deutlich am linken Pfosten vorbeizielte. Auch ein Flatterschuss von Raffael (33.) brachte nicht das gewünschte Auswärtstor. Benfica hatte die Freude am Spiel gefunden und haderte nur mit der Latte, die das 2:0 durch Saviola so gerade noch verhinderte (39.). Schiedsrichter Peter Vink hatte dann genug gesehen und beendete den ersten Durchgang.
Genau drei Minuten im zweiten Abschnitt waren absolviert, als die Hoffnungen der Berliner einen weiteren Dämpfer erhielten und die Bürde um einen notwendigen Treffer erhöht wurde. Erneut Di Maria tankte sich durch die Abwehrreihe und seine Flanke - von Drobny unterlaufen - fiel auf den Kopf von Cardozo, der - ungehindert von Von Bergen - einnickte (48.).
Der Leistungsunterschied wurde nun immer deutlicher. Die Berliner schienen zu wissen, dass dieses Spiel nicht mehr zu drehen war. Benfica zeigte tolle Kombinationen und spielte Katz und Maus mit der Hertha. So auch beim 3:0 durch Javi Garcia, der nach einem Eckball und einer verunglückten Abwehr von Von Bergen aus kurzer Distanz traf (59.).
Tore am Fließband
Mann musste nun Angst um die Mannschaft von Funkel haben, die völlig auseinander zu brechen schien. Di Maria, der alles überragende Akteur auf dem Platz, bediente dann Cardozo, der den Ball von Friedrich völlig allein gelassen mit der Brust annehmen konnte und dem sichtlich verärgerten Drobny keine Chance ließ (62.).
Die erste gute Nachricht dann nach 74 Minuten, als Angel di Maria den Platz verließ und somit kein Unheil mehr anrichten konnte. Artur Wichniarek und Theofanis Gekas standen mitlwerweile auf dem Feld, ändern sollte sich aber nichts mehr. Benfica war einfach eine Nummer zu groß für die Berliner, die zwar enttäuscht in die Heimat reisen werden, deren Ambitionen sich aber doch eher auf die Bundesliga richten sollten.
Dazu darf nicht vergessen werden, dass die Gastgeber ein freies Wochenende genießen durften, während die Berliner am Sonntag noch ein Ligaspiel zu absolvieren hatten. Dennoch machten Pablo Aimar und der oft erwähnte Di Maria den Unterschied aus, der auch mit einer Menge Frische nicht aufgehoben werden kann.
Gunnar Beuth